Einblattdrucke der Frühen Neuzeit

Einbl. XI,190: Contrafactur der Kirchen zu Regenspurg...zu der schönen Maria... (Neudruck von 1610).Einbl. XI,190: Contrafactur der Kirchen zu Regenspurg...zu der schönen Maria... (Neudruck von 1610).

Die Einblattdruckdatenbank der Bayerischen Staatsbibliothek erschließt Einblattdrucke (1501-1800) der Einblattdrucksammlung (Einbl.), bayerische Verordnungen aus dem Nachlass von Joseph Kloeckel (1773-1832) ("Kloeckeliana"), sowie Einblattdrucke aus den von der Abteilung für Handschriften und Alte Drucke verwalteten Hand- und Druckschriftenbeständen (Einblattkalender, Clm/Cgm, Reserve). Darüberhinaus erfasst die Datenbank Handwerkskundschaften der Sammlung Stopp (Signaturengruppe Slg. Stopp) sowie Einblattdrucke der Slg. Faust (Signatur Res/Slg.Faust).

Großer Wert wird auf die sachliche Erschließung der Drucke gelegt. Gesucht werden kann deshalb u.a. auch nach Sach- und Personenstichwörtern, im Text erwähnten Geographika und Institutionen sowie nach Gattungsbegriffen. Mit den Katalogisaten sind digitale Images der Einblattdrucke verknüpft.

 

 

Zur Einblattdruckdatenbank der Bayerischen Staatsbibliothek

 

 

Bedeutung

Die herausragende Bedeutung von Einblattdrucken für die (Kommunikations-)Kultur der Frühen Neuzeit ist heute in der Forschung unumstritten. Einblattdrucke waren Träger einer prägnanten Schriftlichkeit und Bildlichkeit. Sie wirkten in fast alle Lebensbereiche des 15.-18. Jahrhunderts hinein bzw. wurden aus ihnen initiiert. Eine besondere Rolle spielte sicher das illustrierte Blatt, doch ist die Spannweite der Erscheinungsformen groß: Sie reicht vom reinen Text bis hin zum "Bilddruck" im Grenzbereich zur Druckgraphik.

Die Einblattdruckdatenbank der Bayerischen Staatsbibliothek soll der interdiszplinären Forschung eine gesicherte Materialbasis für diese in vielen Sammlungen oft mangelhaft erschlossene Quellengattung bieten. Die Grundlagen für die Einblattdruckdatenbank wurden in einem von 2000-2004 laufenden DFG-Erschließungs- und Digitalisierungsprojekt gelegt.

 

Inhalt

Insgesamt besitzt die Bayerische Staatsbibliothek ca. 20.000 Einblattdrucke, von denen die zentralen Teilbestände in der Einblattdruckdatenbank erschlossen und in digitaler Form bereitgestellt werden. Die Datenbank umfasst z. Zt. folgende Bestände mit Relevanz für die bayerische Landesgeschichte:


a) Einblattdrucksammlung

Bereits im 19. Jahrhundert wurde eine Einblattdrucksammlung (Signaturengruppe „Einbl.“) angelegt. Sie bildet mit ca. 5.000-6.000 Drucken aus der Frühen Neuzeit den Kernbestand der Einblattdruckbestände der Bayerischen Staatsbibliothek.

Neben dem darin enthaltenen größten Bestand an Inkunabel-Einblattdrucken (nachgewiesen im Inkunabelkatalog der Bayerischen Staatsbibliothek) befinden sich in der Einblattdrucksammlung zahlreiche Drucke mit Relevanz für Erforschung der frühneuzeitlichen Geschichte und Kultur in Bayern, so u.a. zum Dreißigjährigen Krieg oder auch zum religiösen Leben in Bayern im 18. Jahrhundert. Die Einblattdrucksammlung umfasst aber nahezu alle im Einblattdruck veröffentlicheten Themenbereiche.


b) Bayerische Verordnungen aus den "Kloeckeliana"

Als zweiter großer Fond wurde im Rahmen des DFG-Projekts der Bestand an frühneuzeitlichen bayerischen Verordnungen aus dem Nachlass des Richters Franz Joseph von Klöckel (1773-1833) erschlossen. Klöckel, der in Ingolstadt u.a. Jura studiert hatte, war ab 1795 in Dienste des Propstes von Berchtesgaden als Gerichtsbeamter in Wasentegernbach tätig. Nach der Säkularisation wurde er 1806 in den bayerischen Staatsdienst als Landrichter für die Gerichte Aibling und Rosenheim übernommen, 1815 aber nach einer gegen ihn laufenden Untersuchung in den Ruhestand versetzt.

Klöckel sammelte zahlreiche Quellenmaterialien zur Geschichte Bayerns und insbesondere des Oberlandes, darunter mehr als 1.800 bayerische Verordnungen (Einblattdrucke) aus der Zeit zwischen 1500 und 1800. Dieser Bestand zählt zu den bedeutendsten geschlossen überlieferten Beständen bayerischer Verordnungen neben der Mandatensammlung im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und dem Bestand bayerischer Verordnungen im Hauptbestand der Bayerischen Staatsbibliothek. Wertvoll ist dieser Bestand nicht zuletzt aufgrund der zahlreich vorhandenen Separatausstellungen für verschiedene Rentämter und Verordnungen der Rentämter selbst. Johann Andreas Schmeller (1785-1852) persönlich sicherte den für die bayerische Geschichte wichtigen Nachlass für die damalige Hofbibliothek in München.

Lit.:


c) Handwerkskundschaften der Sammlung Stopp

Einen ganz eigenen Charakter haben die ebenfalls in der Einblattdruckdatenbank erschlossenen rund 2.000 Handwerkskundschaften der Sammlung Stopp, die die Bayerische Staatsbibliothek in den 1990er Jahren erwerben konnte.

Handwerkskundschaften wurden zwischen 1750 und 1850 als Nachweis für die Handwerkstätigkeit der wandernden Gesellen von den obrigkeitlichen Organen in Städten ausgestellt. Sie sind in der Regel mit einer Ansicht des jeweiligen Ortes versehen und beinhalten neben einer Charakterisierung des Handwerkers zahlreiche Unterschriften von Handwerksmeistern. Damit bilden die Handwerkskundschaften, die in Deutschland vor allem in Städten des süddeutschen Raumes ausgestellt wurden, eine wichtige prosopographische Quelle zum Handwerk in der frühen Neuzeit. Nicht selten finden sich daneben auch die verschiedenen Aufenthaltsorte der wandernden Gesellen handschriftlich auf der Rückseite der Blätter.

 

Hinweise zur Benutzung

Gesucht werden kann u.a. nach Autor, Titel, Erscheinungsort, Erscheinungsjahr, Ausstellungsdatum (bei Verordnungen), Illustrationen, Sprache, Gattung, Sachstichwörtern, Geographika, Personen, Institutionen, hss. Eintragungen und Nachweisen in der Sekundärliteratur.

Bis auf die Handwerkskundschaften liegen bereits alle in der Einblattdruck-Datenbank verzeichneten Blätter auch in digitaler Form vor. Viele der Blätter sind zudem bereits voll erschlossen, d.h. auch die Inhalte der Blätter sind ausgewertet und mit Hilfe von Sachstichwörtern (Sachen, Orte, Personen) erschlossen. Zudem werden nicht zuletzt entsprechende Sekundärliteratur ebenso wie Textanfänge oder handschriftliche Einträge angeführt.

 

Über die Datenbank hinaus werden weitere Materialien zur Verfügung gestellt, so ein Verzeichnis der Gattungsbegriffe zur Klassifikation der Einblattdrucke, ein digitales Faksimile des früheren Einblattdruckrepertoriums (mit Nachweis von Einblattdrucken auch des 19. und 20. Jahrhunderts) sowie eine ca. 1.800 Titel umfassende Auswahlbibliographie zum Einblattdruck in der Frühen Neuzeit.

 

Angaben zum Projekt

Die Einblattdruckdatenbank wurde 2002-2004 von der Bayerischen Staatsbibliothek mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft aufgebaut und wird seitdem von der Bayerischen Staatsbibliothek in Eigenleistung weitergeführt.

Franz Götz