Freisinger Denkmäler: Das Missionshandbuch Bischof Abrahams
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Das sogenannte "Missionshandbuch" des Bischofs Abraham von Freising gehört zu den denkwürdigsten und inhaltlich vielschichtigsten Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek. Es stellt ein einmaliges Zeugnis der geistigen Kultur Bayerns des späten 10. Jahrhunderts dar und ist zugleich für Slowenien von immenser kultureller und nationaler Bedeutung. Die Handschrift enthält unter anderem die "Freisinger Denkmäler" und damit mit die ältesten Zeugnisse der slawischen Sprache sowie die Beschlüsse des Landtags von Ranshofen ("Ranshofener Gesetze")
Inhaltsverzeichnis
Inhalt und Bedeutung
Die schmucklose Pergamenthandschrift entstand vermutlich während der Amtszeit Bischof Abrahams (reg. 957-993/994) in Freising. Sie gelangte 1803 nach München und wird von der Bayerischen Staatsbibliothek unter der Signatur Clm 6426 verwahrt.
Die Handschrift enthält ein vielfältiges Corpus meist lateinischer homiletischer und liturgischer sowie einiger (kirchen)rechtlicher Texte. Darunter sind mehrere authentische Predigten Rathers von Verona, ein unikal überlieferter Judeneid sowie das ebenfalls nur hier erhaltene erste Territorialgesetz der deutschen Rechts- und Verfassungsgeschichte, die Beschlüsse des Landtags zu Ranshofen ("Ranshofener Gesetze").
Besonders bekannt und viel erforscht sind die slawischsprachigen Texte der Handschrift, die sogenannten "Freisinger Denkmäler". Die beiden Beichtformeln (Denkmal I und III) sowie die Beichthomilie (Denkmal II) bilden die nicht nur die mit Abstand frühesten Zeugnisse der slowenischen, sondern auch einer slawischen Sprache in lateinischer Schrift.
Alle enthaltenen Texte gehören in den Aufgaben- und Interessensbereich eines Bischofs, der innerhalb seines Sprengels (die Freisinger Besitzungen erstreckten sich auch auf die slowenisch besiedelte Krain und Kärnten) für die Seelsorge, die Beachtung kanonischer Vorschriften und als Mitglied der Reichskirche auch für die ordnungsgemäße Verwaltung Sorge zu tragen hatte. Somit ist der Codex nicht nur ein Missionshandbuch, er ist vielmehr als pontifikaler Ratgeber zu sehen.
Beschreibung und Herkunft der Handschrift Clm 6426
Die Pergamenthandschrift ist in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts entstanden. Sie besteht aus 1 + 170 Blatt und misst 25,5 x 20,5 cm. Die Zählung der Blätter wurde im 19. Jahrhundert vorgenommen, es handelt sich um vier aufeinander bezogene Teile (I: f. 1-49, II: f. 50-86, III: f. 87-147 und IV: f. 148-169).
Schriftraum und Zeilenzahl sind sehr einheitlich: Zahlreiche, sich rasch abwechselnde Schreiber verwendeten die karolingische Minuskel. Das Manuskript ist in einen hellen spätgotischen Ledereinband gebunden, der mit Streicheisenlinien verziert ist. Schließe und Kettenöse sind abgerissen.
Die Handschrift wurde im Auftrag Bischof Abrahams (957-994) größtenteils in Freising zusammengestellt. Ein Indiz für ihre Verwendung im Gebiet der slawischen Karantanen sind die volkssprachlichen Texte. Bezüglich der Lokalisierung der Vorlagen wurde jüngst Kloster Molzbichl in Oberkärnten vorgeschlagen. Zusätzlich richtungweisend sind die nach dem Wettersegen angefügten, aber - abgesehen vom Zentrum der Freisinger Herrschaft Laca (Škofja Loka) - offenbar noch nicht bestimmten Ortsnamen in Krain, die der Dämon Mermeunt vor Unbilden verschonen sollte (60v).
Literatur und Quellen
Eine ausführliche Beschreibung der Handschrift erscheint demnächst in: Katalog der lateinischen Handschriften der Bayerischen Staatsbibliothek München. Die Pergamenthandschriften aus dem Domkapitel Freising. Bd. 2 Clm 6317-6437. Bearbeiter ist Günter Glauche, der freundlicherweise sein Katalogisat zur Erschließung der digitalen Version zur Verfügung gestellt hat.
- Dieter Kudorfer: Die historische und literarische Bedeutung der Handschrift mit den "Freisinger Denkmälern" - In: Bibliotheksforum Bayern 32 (2004) S. 233-253.
- Weiterführende Literatur zur Handschrift im Katalog des Bibliotheksverbunds Bayern
- Weiterführende Literatur zu den Freisinger Denkmälern im Katalog des Bibliotheksverbunds Bayern
- Digitale Edition der Freisinger Denkmäler
- Ranshofener Gesetze in der Edition der Monumenta Germaniae Historica
Hinweise zur Benutzung
Das Angebot steht in einer Blätterversion zur Verfügung, die durch ein Inhaltsverzeichnis erschlossen ist.
Angaben zum Projekt
Das Angebot ist seit 2006 online. Grundlage des Digitalisats ist ein Mikrofilm. Einige Seiten sind bereits durch Scans vom Original ersetzt worden.
Zuletzt aktualisiert: 18. August 2009
