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Regensburger Reichsstädtische Bibliothek Online (RRBO)

Die Regensburger Ratsbibliothek, Mitte des 14. Jahrhunderts erstmals erwähnt, ist eine der am frühesten bezeugten Bibliotheken dieses Typs in Deutschland. Im 16. Jahrhundert kam der Wunsch nach einer speziell theologisch-literarischen Bibliothek in den Mauern der Reichsstadt auf, was zur Gründung einer Sammlung beim reichsstädtischen Gymnasium Poeticum führte. Diese Schulbibliothek entwickelte sich rasch zum Treffpunkt gelehrter Männer, so Nicolaus Gallus (1516 - 1570), Matthias Flacius (1520 - 1575), Kaspar Bruschius (1518 - 1559) sowie Caspar von Nidbruck (um 1525 - 1557). Hier fanden auch zahlreiche Handschriften des Benediktinerklosters Prüfening Eingang, die im Laufe des 16. Jahrhunderts für die Sammlung erworben werden konnten. 1783 erfolgte die Vereinigung der Ratsbibliothek mit den Büchersammlungen des Gymnasium Poeticum (seit 1551) sowie der evangelischen Geistlichkeit zur reichsstädtischen Bibliothek von Regensburg. Über Jahrhunderte zählten die Bibliotheken Regensburgs aufgrund der hier verwahrten Handschriften und Inkunabeln zu den Sehenswürdigkeiten für die zahlreichen Gelehrten, welche die Reichsstadt aufsuchten. Kaum eine Reisebeschreibung, die nicht wenigstens eines dieser bibliothekarischen Kleinode erwähnt.

Das Ergebnis der Zusammenlegung im ausgehenden 18. Jahrhundert war eine „der sehenswerthesten Merkwürdigkeiten Regensburgs“ wie der Gelehrte Friedrich Karl Gottlob Hirsching (1762 - 1800) in seiner 1790 erschienenen Beschreibung bedeutender Bibliotheken Deutschlands bemerkte. Was für einen ausgezeichneten Ruf die reichsstädtische Bibliothek genoss, zeigt sich exemplarisch an einem ihrer letzten Besucher: im Januar des Jahres 1810 bestaunte Kronprinz Ludwig (1786 - 1868), der spätere bayerische König Ludwig I. (1825-1848) die Schätze der Bibliothek, wie aus seinem Tagebuch hervorgeht. Dabei zählte sie zu den wenigen Sehenswürdigkeiten Regensburgs, die der Wittelsbacher als erwähnenswert notierte. Als wenige Monate später die ehemalige Reichsstadt Regensburg zum Königreich Bayern kam, wurde diese über Jahrhunderte gewachsene Büchersammlung aufgelöst. Der größte Teil der Handschriften und seltenen Drucke gelangte in die königliche Hofbibliothek nach München (die heutige Bayerischen Staatsbibliothek), der in Regensburg verbliebene Fundus ging in die 1816 gegründete königliche Kreisbibliothek (die heutige Staatliche Bibliothek Regensburg) ein.

Ziel des Projektes ist es, die ehemalige reichsstädtische Bibliothek in ihrem Erscheinungsbild am Ende des Alten Reiches in Teilen digital zu rekonstruieren.

In einem ersten Schritt werden 39 mittelalterliche und frühneuzeitliche Handschriften aus dem Besitz der reichsstädtischen Bibliothek Regensburg, die sich  im Fundus der Bayerischen Staatsbibliothek befinden, digital zugänglich gemacht. Es handelt sich hierbei um die ältesten und wertvollsten Handschriften der ehemaligen Ratsbibliothek. Darunter befinden sich auch die ersten nachweisbaren juristischen Handschriften, welche der Ratsbibliothek im Jahre 1430 von Konrad von Hildesheim, einem Kanoniker bei Sankt Johann in Regensburg, geschenkt wurden.

Bernhard Lübbers, Regensburg

 

Weiterführende Literatur (in Auswahl)

  • Michael Drucker, Regensburger Bibliotheken: Schicksale zwischen Reichsstadtzeit und Königreich, in: Peter Schmid, Klemens Unger [Hrsgg.], 1803. Wende in Europas Mitte. Vom feudalen zum bürgerlichen Zeitalter, Regensburg 2003, S. 187-208.
  • Helmut Gier, Städtische Bibliotheken (Mittelalter/Frühe Neuzeit), in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45562>.
  • Christine Elisabeth Ineichen-Eder (Bearb.), Bistümer Passau und Regensburg (Mittelalterliche Bibliothekskataloge Deutschlands und der Schweiz 4,1), München 1977.
  • Stephan Kellner, Annemarie Spethmann, Historische Kataloge der Bayerischen Staatsbibliothek München. Münchner Hofbibliothek und andere Provenienzen (Catalogus codicum manu scriptorum Bibliothecae Monacensis 11), Wiesbaden 1996.
  • Bernhard Lübbers, Johann Baptist Bernhart (1759-1821) und seine Regensburger Bibliotheksreise im Winter 1811/12, in: Tobias Appl, Georg Köglmeier [Hrsgg.], Regensburg, Bayern und das Reich. Festschrift für Peter Schmid zum 65. Geburtstag, Regensburg 2010, S. 597-617.
  • Ders., Ludwig I. und Regensburg. Freund und Förderer, in: Regensburger Almanach 2010 [im Druck].

 

Hinweise zur Benutzung

Alle Handschriften liegen als digitalisierte Blätterversionen vor, die zum Teil durch ausführliche Inhaltsverzeichnisse erschlossen sind. Die Reihenfolge orientiert sich an den Signaturen der Bayerischen Staatsbibliothek. Darüber hinaus helfen Übersichtstabellen zu inhaltlichen Schwerpunkten und ein Autorenverzeichnis bei der Suche nach Texten.

 

Angaben zum Projekt

Die virtuelle Rekonstruktion der reichsstädtischen Bibliothek Regensburgs entsteht als Kooperationsprojekt der Bayerischen Staatsbibliothek München mit der Staatlichen Bibliothek Regensburg, dem Stadtarchiv Regensburg sowie der Universität Regensburg (Lehrstuhl für bayerische Landesgeschichte und Universitätsbibliothek). Die Projektkoordination obliegt der Staatlichen Bibliothek Regensburg. Die Digitalisierung erfolgte am Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ) der Bayerischen Staatsbibliothek. Die konservatorische Betreuung der Handschriften übernahm das Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung   (IBR) der Bayerischen Staatsbibliothek.

In einer Ausbaustufe ist geplant, die übrigen an der Bayerischen Staatsbibliothek  München sowie in der Staatlichen Bibliothek Regensburg vorhandenen Handschriften zu digitalisieren. Außerdem sollen jene Drucke, die sich heute in der Staatlichen Bibliothek Regensburg befinden, digitalisiert werden. Für diesen Projektteil werden die Staatliche Bibliothek Regensburg und die Universitätsbibliothek Regensburg als Partner zusammenarbeiten.

Das Angebot ist seit Oktober 2010 online.

Staatliche Bibliothek Regensburg.

Bayerische Staatsbibliothek - Information in erster Linie.

Stadtarchiv Regensburg.

Universität Regensburg.
Universitätsbibliothek Regensburg.
Münchener Digitalisierungszentrum.