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Sudetendeutsche Zeitung

Sudetendeutsche Zeitung, Bd.: 1. 1951, München, Folge 2, 14. April 1951 Sudetendeutsche Zeitung

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Die Sudetendeutsche Zeitung, ein in der Regel zwölfseitiges Wochenblatt, erschien erstmals im April 1951 in Bayreuth. Erscheinungsort ist seit 1952 München. Die hier bereitgestellten frühen Jahrgänge der Zeitung (1951-1955) beschäftigen sich besonders mit der Frage der Flüchtlingsintegration in Bayern und der Bundesrepublik Deutschland, woraus ein spezifischer Quellenwert resultiert.

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

„Heimatbriefe“ als Vorläufer der Vertriebenenpresse

Die seit 1948 in Westdeutschland erscheinenden „Heimatbriefe“ hatten anfänglich weitgehend den Charakter von Rundschreiben. Sie reichten von einfachen hektographierten Adress-Sammlungen bis hin zu Blättern, die Gültigkeit für ganze Heimatlandschaften beanspruchten. Zumeist waren sie das Verdienst vertriebener Pfarrer, Lehrer oder Zeitungsleute, die den Kontakt zwischen ihren früheren Gemeindemitgliedern bzw. Nachbarn und Verwandten vor dem Zerreißen bewahren wollten. Die „Heimatbriefe“ wurden meist unter kirchlichem Dach herausgegeben, weshalb sie nicht unter die Lizenzpflicht der Besatzungsmächte fielen. Die meisten dieser Periodika bestanden nur wenige Jahre, einige aber expandierten und übernahmen die Funktion von Heimatzeitungen. Andere wiederum gingen später in größeren Blättern auf.


Die ersten sudetendeutschen Verbands-Sprachrohre: „Sudetenland – Heimatland“ und „Der Sudetendeutsche“

Die erste sudetendeutsche Vertriebenenzeitung erschien am 1. Oktober 1948 in Detmold und somit in der britischen Besatzungszone unter dem Namen „Sudetenland – Heimatland“. Einem lokalen Zusammenschluss von – im Zeitungswesen allerdings unerfahrenen – Heimatvertriebenen war es gelungen, hierfür eine Lizenz zu erhalten. Das Halbmonatsblatt gliederte bald mehrere „Heimatbriefe“ als Beilagen ein und erhielt durch die bayerische Landesgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft personelle Unterstützung. Die Auflage betrug zum Jahresbeginn 1949 3.000 Exemplare, so daß zu einer wöchentlichen Erscheinungsweise übergegangen werden konnte.

Seit Juli 1949 erwuchs mit dem in Lübeck (später in Hamburg) erscheinenden Titel „Der Sudetendeutsche“ ein Konkurrenzblatt. Dieses übernahm das Detmolder „Sudetenland-Heimatland“ im Mai 1950. Am 29./30. Juli 1950 wurde „Der Sudetendeutsche“ in Würzburg durch die Hauptverbandstagung der Sudetendeutschen Landsmannschaft als offizielles Organ anerkannt. Dem „Sudetendeutschen“ eröffnete sich nun auch der süddeutsche Käuferkreis, so daß 1950 eine Auflage von 30.000 erreicht wurde. Gerade in Bayern war schließlich die Mehrheit der vertriebenen Sudetendeutschen gestrandet.

Jedoch konnte die damals vor allem in Bayern aktive Landsmannschaft nicht in gewünschtem Maße Einfluß auf die im entfernten Hamburg ansässige Zeitung nehmen. Der Verband distanzierte sich daher schnell wieder vom „Sudetendeutschen“ und machte die im Frühjahr desselben Jahres neu ins Leben gerufene „Sudetendeutsche Zeitung“ zu seinem Sprachrohr. „Der Sudetendeutsche“, der dadurch viele Leser verlor, führte in den Folgejahren ein Kümmerdasein. 1958 kaufte Georg von Waldburg zu Zeil (geb. 1928) das Blatt auf, legte es still und verleibte es der „Sudetendeutschen Verlagsgesellschaft mbH“ ein. 1963 gingen die Rechte an "Der Sudetendeutsche" käuflich an die "Deutsche National-Zeitung" über - und damit an das Sprachrohr der politisch extrem rechts stehenden DVU.


Die Gründung und Entwicklung der Sudetendeutschen Zeitung

Nachdem in der amerikanischen Besatzungszone seit 1947 landsmannschaftliche Zusammenschlüsse auf Kreisebene erlaubt waren, kam es 1949 zur Gründung einer bayerischen Landesgruppe und 1950 zur Einrichtung eines Bundesverbandes. Beide hatten ihre Geschäftsstellen in München. Da man eine allzu starke Regionalisierung vermeiden wollte und stattdessen eine bundesdeutsche landsmannschaftliche Entwicklung anstrebte, war ein zentrales Presseorgan erwünscht.

Unter Mitwirkung des Bundesministers und Landsmannschafts-Vertreters Hans-Christoph Seebohm (1903-1967, Amtszeit 1949-1966) kam es Anfang 1951 zur Verlagsgründung in Bayreuth („Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft“, seit September 1951 als Gesellschaft m.b.H.). Dabei konnte auf einer bereits in Bayreuth existierenden Vertriebenenzeitung namens „Heimatruf“ aufgebaut werden. Teilhaber des neuen Verlags waren Herbert Tusch (Verleger), Arthur Zechel (Journalist, 1911-1986), Erich Richter (Unternehmer) und Harry Nerad (Verbandsvertreter). Alle waren selbst sudetendeutscher Herkunft. 1952 wurde die Verlagsgesellschaft von Bayreuth in die Landeshauptstadt verlegt; seit dem 3. Mai 1952 erschien die Zeitung beim Münchner Zeitungsverlag in der Bayerstraße. Erster Chefredakteur war Arthur Zechel, der seit 1953 durch Harry Nerad vertreten wurde; auf diesen folgte 1954-1966 Lothar Foltinek (1899-1969).

1953 ersetzten Constantin Prinz zu Hohenlohe-Langenburg (1893-1973) und Rudolf Lodgman von Auen (1877-1962, Bundesvorsitzender der Sudetendeutschen Landsmannschaft 1950-1959) zwei der bisherigen Verlagseigner. Um die wegen Anzeigenmangels stets unterfinanzierte Zeitung zu stabilisieren, erfolgte 1955 die Gründung einer neuen Verlagsgesellschaft namens „Fides“. Diese übernahm 75 Prozent der „Sudetendeutschen Verlagsgesellschaft“. Gesellschafter waren Johannes Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1919-2000), Fürst Georg von Waldburg zu Zeil und Max Egon Prinz zu Fürstenberg (1896-1959). Die übrigen 25 Prozent gehörten Rudolf Lodgman von Auen und dem Prinzen zu Hohenlohe-Langenburg. Im Jahr 1956 wurde die „Sudetendeutsche Zeitung“, die bislang lediglich das Sprachrohr der Sudetendeutschen Landsmannschaft war, zum offiziellen Organ des Verbands erklärt.

1958 wurde Rudolf Lodgman von Auen Alleineigentümer des Verlages. 1960 brachte er diesen in die eigens zu diesem Zweck in Stuttgart gegründete Rudolf-Lodgman-Stiftung ein. Die Stiftung verkaufte die „Fides Verlags-Gesellschaft mbH“ zwischen 1972 und 1975 an den Bundesverband der Sudetendeutschen Landsmannschaft, der seither einziger Eigentümer ist. In diesem Zuge erfolgte die bis heute gültige Umbenennung in „Sudetendeutsche Verlagsgesellschaft mbH“.


Erscheinungsweise und Auflagezahlen

Die Zeitung erscheint seit Frühjahr 1951 als Wochenzeitung und hat in der Regel einen Umfang von 12 Seiten. Die Auflagehöhe betrug 1953 noch 46.000 Exemplare, 1960 waren es nurmehr 25.000. Aktuelle Zahlen sind nicht bekannt.


Inhalte und Quellenwert

Die „Sudetendeutsche Zeitung“ war von Beginn an als Tendenzzeitung konzipiert. Sie war daher ein Mittel, um die landsmannschaftliche Forderung nach Recht auf Heimat und Selbstbestimmung für alle Gruppen von heimatvertriebenen deutschen Volksgruppen, besonders aber für die Deutschen aus Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien, vorzutragen.

Das Blatt berichtete während seiner frühen Jahre naturgemäß vor allem über die Maßnahmen, die Staat und Gesellschaft zur Integration der Flüchtlinge und zur Behandlung der Sudetendeutschen Frage ergriffen. Besonders viel Raum nahmen Lastenausgleich, Renten- und Versorgungsfragen ein. Bald wurde die Seite 4 zum angestammten Druckort für die sozialpolitischen Forderungen der Sudetendeutschen. Wichtige Themen waren außerdem die Entwicklung der Landsmannschaft und der Vertriebenenpartei BHE, das Verhältnis zwischen Alt- und Neubürgern und die Situation der arbeitssuchenden Sudetendeutschen (insbesondere der landlosen Bauern) und der entwurzelten Jugend.

Daneben informierte und informiert die Zeitung über aktuelle politische Entwicklungen in Deutschland, der tschechischen Republik und Europa sowie über sudetendeutsche Aktivitäten aller Art (heimatpolitisch, kulturell, landeskundlich, wissenschaftlich u.a.). Auch dient das Blatt als innerverbandliches Kommunikationsorgan. Mit der Entwicklung der deutsch-tschechischen Beziehungen und den politischen Maßnahmen, die zu diesem Thema von Prag und Berlin, München und Wien, Straßburg und Brüssel ausgehen, beschäftigt sich die „Sudetendeutsche Zeitung“ intensiv. Auch in der tschechischen Republik, besonders im Prager Außenministerium, wird das Blatt mit Interesse wahrgenommen.

Sarah Hadry

 

Literatur:

  • Rudolf Hilf, Die Presse der Sudetendeutschen nach 1945 und ihre Stellungnahme zum Schicksal der vertriebenen Volksgruppen, München 1950.
  • Rudolf Lodgman von Auen, Die sudetendeutsche Volksgruppe und ihre Zeitung, in: Zehn Jahre Sudetendeutsche Zeitung. [Jubiläums-Ausg.], München, Jg. 11 (1961), Folge 15 vom 15. April, S. 1-2.
  • Hans-Christoph Seebohm, Zehn Jahre „Sudetendeutsche Zeitung“, in: Zehn Jahre Sudetendeutsche Zeitung. [Jubiläums-Ausg.], München, Jg. 11 (1961), Folge 15 vom 15. April, S. 5.
  • Zur Geschichte der „Sudetendeutschen Zeitung“, in: Zehn Jahre Sudetendeutsche Zeitung. [Jubiläums-Ausg.], München, Jg. 11 (1961), Folge 15 vom 15. April, S. 2.

 

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Hinweise zu Benutzung

Die Sudetendeutsche Zeitung steht als Blätterversion zur Verfügung. Die einzelnen Ausgaben sind über ein Inhaltsverzeichnis gesondert ansteuerbar.


Zum Projekt

Die Online-Ausgabe der Sudetendeutschen Zeitung ist ein Gemeinschaftsprojekt der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen und der Bayerischen Landesbibliothek Online. Im Rahmen des Projekts wurden die ersten fünf Jahrgänge der Sudetendeutschen Zeitung (1951-1955) digitalisiert. Das Angebot ist seit 2009 online.