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Alter Realkatalog der Bayerischen Staatsbibliothek

alterrealkatalogCollage aus KatalogbändenDer Alte Realkatalog der Bayerischen Staatsbibliothek erschließt Literatur der Erscheinungsjahre 1501 bis 1952. Er ist das wichtigste Nachweisinstrument für Literatur (Bücher und Aufsätze), die bis 1952 über Bayern erschienen ist. Das Register des Katalogs ist online verfügbar. Die Benutzung des überwiegend konventionellen Katalogs selbst ist nur vor Ort in der Bayerischen Staatsbibliothek möglich.

Zum Online-Register des Alten Realkatalogs der Bayerischen Staatsbibliothek

Struktur des Kataloges

Der Alte Realkatalog ist ein systematischer, also hierarchisch nach Sachgebieten geordneter Katalog. Er wurde ungefähr um 1870 begonnen und erschließt die Drucke der Bayerischen Staatsbibliothek aus dem Erscheinungszeitraum 1501 bis 1952. Erwerbungen aus der Zeit vor 1870 wurden zu einem großen Teil eingearbeitet. Mit schätzungsweise rund einer Million Eintragungen auf Quartblättern bietet der Alte Realkatalog den wichtigsten umfassenden sachlichen Zugang zu den Altbeständen der Bibliothek seit Ende der Inkunabelzeit.

Als überwiegend geographisch-historisch orientierter Katalog bis 1952 ergänzt er einerseits für Literatur aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts den Alten Schlagwortkatalog 1911-1981 auf Mikrofiche, der den Einstieg vorwiegend unter dem Sachschlagwort bietet, und andererseits für Literatur von 1501 bis 1856 den Schrettinger-Katalog in Papierform, der wie der Schlagwortkatalog 1911-1981 nach alphabetischen Suchbegriffen geordnet ist.

Geographischer Teil

Der geographischen Teil macht rund 80 Prozent des Katalogs aus. In 25 mit Großbuchstaben von A - Z (online 1.A - 1.Z) bezeichneten Gruppen reiht der Alte Realkatalog gemäß den politisch-geographischen Verhältnissen kurz vor 1870 die europäischen Staaten, danach die außereuropäischen Kontinente aneinander. Er beginnt mit Deutschland, wobei Bayern, Preußen und die deutschen Kleinstaaten eigene Gruppen bilden.

Die weitere Sachgliederung erfolgt durch arabische Ziffern von 1 - 999, gelegentlich mit zusätzlichen Kleinbuchstaben oder weiteren Zahlen. Den Fachgebieten folgt in der Regel ein Alphabet der Orte und Regionen, teils auch der geomorphologischen Einheiten. Kleinere Orte erscheinen ebenso wenig im Online-Register wie die Namen der meisten biographierten Personen. Im Ortsalphabet und unter speziellen Notationen für Biographien ist somit im Katalog selbst zusätzliche Spezialliteratur zu finden, die sich nicht über die Registersuche erschließt.

Historischer Teil und Kunstgeschichte

Auf den geographischen Teil folgt ein historischer Teil mit länderübergreifenden Themen. Diese sind mit römischen Zahlen I - IX (online 2.I - 2.IX) bezeichnet: Weltgeschichte, Altertum, Historische Hilfswissenschaften, Geographie allgemein, Kulturgeschichte, Judentum, Kirchengeschichte und Archäologie.

Der dritte Katalogteil (online 3.KK) enthält Literatur über Kunst insgesamt und allgemein, ihre Gattungen und Stilrichtungen sowie die Kunst und Künstler Deutschlands. Die Kunst der übrigen Länder, also auch Bayerns, wird im geographischen Teil nachgewiesen.

 

Erschließung der Literatur über Bayern

Da die Bayerische Staatsbibliothek traditionell in großem Umfang Literatur über Bayern erwirbt und seit dem ersten bayerischen Pflichtablieferungsgesetz von 1663 ein Exemplar jeder Veröffentlichung aus bayerischen Verlagsorten zur Archivierung erhält, widmete man sich frühzeitig auch der sachlichen Erschließung dieses Bereichs.

Der Teil Bayern ist nach  Deutschland der umfangreichste Teil des Alten Realkatalogs mit 528 Kästen, die jeweils bis zu 500 Blätter mit Titelaufnahmen enthalten können. 248 Kästen, also knapp die Hälfte, entfallen dabei auf Literatur zu einzelnen Orten und Gegenden, von denen bisher nur die größeren Orte im Online-Register namentlich verzeichnet sind.

Erschlossen werden Monographien, zusätzlich sind im Rahmen einer umfangreichen Bavarica-Dokumentation seit 1916 Zeitschriftenaufsätze aus wichtigen Publikationsorganen verzeichnet. Dazu wurden unter anderem die „Forschungen zur Geschichte Bayerns“ und Michael Doeberl (1861-1928) „Entwicklungsgeschichte Bayerns“ (1906-1931)  ausgewertet.  Seit 1927 wurden die Einträge aus der Bibliographie Wilhelm Krags (1887-1964), dem Vorläufer der heutigen „Bayerischen Bibliographie“ aufgenommen.

Die Systematik für den Teil Bayern wurde bereits 1913 in gedruckter Form von Adolf Hilsenbeck (1873-1947) unter dem Titel „Realkatalog der K. B. Hof- und Staatsbibliothek München. Bayern“ veröffentlicht und nach offensichtlich großer Nachfrage 1919 in identischer Fassung neu aufgelegt. Die Systematik entspricht im Wesentlichen dem heutigen Stand, wie er online abrufbar ist, und umfasst 538 Notationen (gegenüber 482 heutigen) sowie eine damals noch auf die größeren Städte Augsburg, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg beschränkte Feingliederung einzelner Orte. Sachliche Hauptgebiete sind Geographie und Geschichte; Recht, Verfassung, Verwaltung und Heerwesen; Verkehr, Landwirtschaft, Gewerbe, Handel; Kirche und Schule; Literatur, Kunst, Presse und Dichtung, gefolgt von Franken und der Pfalz sowie dem Ortsalphabet.

 

Geschichte des Alten Realkatalogs

Der Alte Realkatalog bietet auch im internationalen Vergleich eine fast einmalige Sacherschließung eines Altbestandes einer Bibliothek. Er ist damit eine bibliothekarische Pionierleistung und ein kulturgeschichtliches Zeugnis.

Der Alte Realkatalog ist Nachfolger des Alten Schlagwortkatalogs der Bayerischen Staatsbibliothek, den der Bibliothekar und ehemalige Benediktiner Martin Schrettinger (1772-1851) 1819 begonnen hatte und der bis 1856 fortgeführt wurde (Bände im OPAC, Register). Überlegungen zu einem neuen systematischen Katalog in Nachfolge des "Schrettinger-Katalogs" wurden seit 1860 durch den Sinologen Johann Heinrich Plath (1801-1874) angestellt. Aber erst 1885/86 begannen unter der Leitung des Historikers Sigmund Riezler (1843-1927, geadelt 1900) nachhaltige Arbeiten. Auf Riezler, der von 1883 bis 1898 Oberhofbibliothekar war, geht der Alte Realkatalog in seiner heute überlieferten Form zurück. Riezler begann den Aufbau des Katalogs mit den Bavarica, wobei bereits Literatur ab dem Erscheinungsjahr 1501 rückwirkend eingearbeitet wurde.

Als Riezler 1898 erster Ordinarius für bayerische Geschichte an der Universität München wurde führte der Volksliedforscher und Volkskundler August Hartmann (1846-1911) die Arbeiten weiter. 1911 übernahm Adolf Hilsenbeck (1873-1947) die Zuständigkeit für den Katalog. Er verlegte ihn an einen neuen Standort innerhalb der Bibliothek und sorgte für die Einarbeitung von Rückständen. Hilsenbeck erstellte außerdem Erschließungsinstrumente (Indices, Register) und veröffentliche 1913 eine systematische Überscht des Bayernteils (1919 unveränderter Nachdruck). Im Bayernteil des Katalogs wurden seit 1916 auch Aufsätze verzeichnet.

Nach Hilsenbeck, der 1925 Direktor der Universitätsbibliothek München wurde, waren Karl Schottenloher (1878-1954) und Otto Hartig (1876-1945) für den Katalog zuständig. Den Zweiten Weltkrieg überstand der Katalog unbeschädigt, da er nach dem Bombenangriff auf die Bibliothek am 9./10. März 1943 ausgelagert wurde. Erst im Juni 1952 kehrte er endgültig in die Staatsbibliothek zurück.

Als 1952 der reguläre Bibliotheksbetrieb wieder aufgenommen wurde, wechselte die Bayerische Staatsbibliothek bei den zur Katalogisierung verwendeten Karteikarten endgültig vom Quartformat (18 x 21,5 cm) auf das internationale Format (IFK, 12,5 x 7,5 cm). Dazu kam, dass die Systematik des Katalogs aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert nicht mehr den neuen Realitäten entsprach (z. B. Ländergliederung). Der numehrige Alte Realkatalog wurde daher ab dem Erscheinungsjahr 1953 nicht mehr weitgeführt. Gleichwohl ging die rückwirkende Erfassung von Literatur der Erscheinungsjahre 1501-1952 weiter. Antiquarisch erworbene Titel werden bis heute erfasst, seit 2002 allerdings nicht mehr auf Katalogkarten, sondern im OPAC. 2002 wurde die Systematik des Katalogs - basierend auf den seit dem späten 19. Jahrhundert geführten, handschriftlichen Registern - online gestellt.

 

Hinweise zur Benutzung

Das Online-Register verwendet die ursprünglichen Registereinträge und darüber hinaus das moderne normierte Vokabular, das für die verbale Sacherschließung der im OPAC der Bayerischen Staatsbibliothek verzeichneten Literatur seit 1982 verwendet wird. Annähernd 10.000 Titel sind seit Mitte 2002 bereits online notiert, darunter viele Bavarica. Sie können im Anschluss an die Recherche im Register über die Bestellfunktion direkt im OPAC aufgerufen und unmittelbar bestellt werden.

Der Großteil der erschlossenen Literatur ist jedoch nach wie vor nur im konventionellen Katalog enthalten, dessen Faszikel auf Anfrage in der Bayerischen Staatsbibliothek (Info 1, Erdgeschoß) eingesehen werden können. Für die frühen Titelaufnahmen ist dabei die Kenntnis alter Handschriften vonnöten. Außerdem ist für die Einsichtnahme etwas Zeit und Geduld erforderlich. Kriegsverluste sind im Katalog nicht gekennzeichnet, werden aber bei der anschließenden Online-Bestellung der gefundenen Titel im OPAC ersichtlich.

Eine Bedienungshilfe kann online in der Fußzeile unter „Benutzungshinweise“ aufgerufen werden.

Suche über das Feld "Suche"

Im Feld Suche“ sind als Freitextsuche alle Bestandteile des ursprünglichen Erläuterungstexts zu den Notationen in beliebiger Reihenfolge suchbar. Bei Wörtern ab 4 Buchstaben erfolgt automatische Endergänzung. Bemerkungen werden ebenfalls durchsucht. Verweisungen auf verwandte Stellen können direkt angeklickt werden (z.B. 1.B 51 Tilly s.a. 1.B 111 Gustav Adolf in Franken 1632).

Beispiele:

bayern geschichte = Überblick über alle Notationen mit geschichtlicher Untergliederung
max* =  Max Emanuel, Maximilian, Max Josef, Codex Maximilianeus
1799 = Karl Theodor in Bayern und seine Zeit 1777-1799, Max Josef und seine Zeit 1799-1825

Suche über das Feld "Register"

Das Feld "Register" ermöglicht eine Suche mit dem für die Beschlagwortung der Literatur ab 1982 normierten modernen Vokabular. Der gesuchte Begriff erscheint in der Mitte der Liste. Von dort aus können die Notationen unmittelbar angeklickt werden, um das thematische Umfeld der Notation zu sehen und ggf. Literatur zu bestellen. Die normierten Schlagwörter sind bei jeder Notation im Hauptteil in der rechten Spalte unterhalb der alten Benennungen verzeichnet.

Beispiel

"schule" = Trefferübersicht mit geographischer Differenzierung zur Auswahl, u. a. "Schule / München  1.B 414". Dort die Notation anklicken, das Umfeld im Hauptteil zeigt beispielsweise weiter unten 1.B 417 Lateinschulen und Gymnasien, dann „Literatur zu dieser Systemstelle“ anklicken. Es erfolgt eine Suche im BSB-OPAC

"bauernverband" = Bauernvereine, Bauernbünde

Suche über das Feld "Notation"

Bereits bekannte Notationen können im rechten oberen Feld „Notation“ gesucht werden.

Beispiele

1.B 459 = Beschreibungen und Landeskunde der Pfalz

1.B OA München 55b = Münchner Prinzregententheater

Literatur

  • Ingrid Rückert, Der Schrettinger-Katalog und der Alte Realkatalog. 200 Jahre Sacherschließung an der Bayerischen Staatsbibliothek, in: Bernd Lorenz (Hg.), Bibliothek und Philologie. Festschrift für Hans-Jürgen Schubert zum 65. Geburtstag, Wiesbaden 2005, 107-136.
  • Ingrid Rückert/Matthias Groß, Der Alte Realkatalog der Bayerischen Staatsbibliothek und sein neues Online-
    Register, in: Bibliotheksforum Bayern 31 (2003), 214-223.
  • Ingrid Rückert, Klassifikatorische Erschließung in der Bayerischen Staatsbibliothek, in: Kristina Knull-Schlomann (Hg.), New Perspectives on Subject Indexing and Classification. Essays in Honour of Magda Heiner-Freiling. Leipzig, 2008, 53-62.

 

Kontakt und Ansprechpartner

Anfragen und Mitteilungen über die Funktion „Fragen Sie die BSB“ in der Fußzeile des Online-Katalogs sind jederzeit willkommen. Ansprechpartner für den „Alten Realkatalog“ sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Info-Teams; Leiterin ist Dr. Ingrid Rückert, erreichbar unter der e-mail-Adresse Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können. ; Tel. 089/28638-2337.