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Aventinus: Werke

Aventin Aventinus

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Johannes Turmair (1477-1534), genannt Aventin, gilt bis heute als der "Vater der bayerischen Geschichtsschreibung". Sein Werk hat das Bild der Geschichte Bayerns nachhaltig geprägt. Aventin hinterließ einen umfangreichen schriftlichen Nachlass, der bislang nur unzureichend ausgewertet ist. Die zwischen 1881 und 1908 erschienene Edition enthält nur einen Teil davon und ist zudem wissenschaftlich umstritten. Das Projekt präsentiert sowohl die Edition als auch die zur wissenschaftlichen Arbeit unentbehrlichen Handschriften.

 

Inhaltsverzeichnis

Zur Biographie Aventins

Johannes Turmaier (1477-1534), der Sohn eines Abensberger Weinwirtes, nannte sich der Mode der Zeit gemäß nach seiner Vaterstadt Aventinus. Er erhielt seine erste Ausbildung im heimischen Karmelitenkloster. Nach Studien in Ingolstadt, Wien, Krakau und Paris kehrte er nach Bayern zurück. Seit seiner Ingolstädter Studentenzeit verband ihn eine enge Freundschaft mit dem Universalgelehrten Konrad Celtis (1451-1509), der ihn anregte, sich näher mit der Geschichte seines Vaterlandes zu beschäftigen. 1509-1517 war Aventinus Erzieher der Prinzen Ludwig (geb. 1495, reg. 1514-1545) und Ernst (1500-1560), der jüngeren Brüder Herzog Wilhelms IV. (geb. 1493, reg. 1508-1550). Im Rahmen dieser pädagogischen Aufgabe entstanden seine "Rudimenta grammaticae", die "Rudimenta musicae" und einige kleinere Werke zur bayerischen Geschichtsschreibung. Ab 1517 war er offizieller Landeshistoriograph, ein Amt, das am Münchner Hof eigens für ihn geschaffen wurde. In diesem Zusammenhang schuf er 1517-21 seine "Annales ducum boiariae", 1522-31 die "Baierische Chronik".

Da sich der streitbare Gelehrte durch Kritik an der katholischen Kirche im Herzogtum immer unbeliebter gemacht hatte, wurde er im Oktober 1528 auf herzoglichen Befehl verhaftet und erst nach 11 Tagen auf Fürsprache Leonhards von Eck (1480-1550) wieder freigelassen. Von nun an bemühte er sich intensiv um eine Zukunft außerhalb Bayerns und wandte sich brieflich an den Salzburger Fürsterzbischof Matthäus Lang von Wellenburg (reg. 1519-1540) und an Georg Spalatin (1484-1545), den Rat des sächsischen Kurfürsten Johann des Beständigen (reg. 1525-1532). Da er keinen positiven Bescheid erhalten konnte, übersiedelte er in die Reichsstadt Regensburg, wo er am 9. Januar 1534 starb.

Aventins Bedeutung

Als erster Historiograph Bayerns ging Aventin "ad fontes", suchte also intensiv nach zeitlich oder räumlich möglichst gut zu den geschilderten Ereignissen passenden Dokumenten und Realien. Hierfür nutzte er die reichen Klosterbibliotheken im Herzogtum ausgiebig, wobei er sich zum Ärger der Bibliothekare in ihren Codices häufig handschriftlich verewigte.

Bayern war für den leidenschaftlichen Patrioten ein Teil des gesamten Reiches, hinter dessen Idee eines starken Königtums der niederbayerische Humanist bedingungslos stand. Um diesen idealen Staat zu beschreiben, griff er weit in mythische Vorzeiten zurück und ersann eine eindrucksvolle Galerie bayerischer und deutscher Könige, deren Idealgestalten modernen Regenten als Exempel dienen sollten. Gerade seine "Baierische Chronik" ist ein eindrucksvolles Sprachdenkmal, ein süddeutsches Pendant zur Lutherbibel, in dem glorreiche und verwerfliche Taten vergangener Zeiten einem breiten Publikum zur Belehrung vor Augen gestellt werden sollten.

Die Edition 1881-1908

Allerdings erschien keines der großen historiographischen Werke Aventins zu seinen Lebzeiten; seine Landesherren hielten die Manuskripte unter Verschluss. Die ab 1554 erscheinenden "purgierten" Ausgaben und Raubdrucke förderten Aventins Bekanntheitsgrad. Durch seine Glorifizierung der bayerischen Vergangenheit wurde Aventin gerade nach 1806 ein wichtiger Kronzeuge für die Traditionen und Werte des neuen Königreiches, weshalb sein 400. Geburtstag 1877 durch Denkmäler, Festakte und Publikationen gefeiert wurde.

So entstand auch bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Idee, einem der herausragendsten Historiker, dessen Urteile die bayerische Landeshistoriographie nachhaltig prägten, eine Edition zu widmen. Die "Sämmtlichen Werke" erschien in fünf Bänden 1881-1886, doch ohne wirklich alle Texte des Humanisten zu beinhalten. Ein Nachtragsband von 1908 bildete nur eine unvollständige Ergänzung. Gerade durch die Unübersichtlichkeit des Nachlasses tauchen immer wieder Aventin zugeschriebene Werke und Fragmente auf.

Mit der hier vorliegenden Online-Ausgabe soll dem Leser trotzdem erstmals die Möglichkeit geboten werden, einen Überblick über Turmairs Schaffen zu bekommen und gezielt nach Belegstellen suchen zu können. Manche "Lesefrucht" wird deutlich genug zeigen, wie sehr Aventin unser Bild von der bayerischen Geschichte bis heute geprägt hat.

Annette Pavkovic, München

Die Aventin-Handschriften

Als zwischen 1881 und 1886 alle wichtigen Werke Johannes Aventinus erschienen waren, galt dieses Editionsprojekt der Bayerischen Akademie der Wissenschaften als Vorzeigeprojekt für den Umgang mit den Schriften wichtiger Humanisten. Doch die Druckerschwärze war noch nicht getrocknet, da erhob sich aus den eigenen Reihen der Akademie herbe Kritik, die bis heute nicht wirklich widerlegt ist: Letztlich meinte Wilhelm Meyer (1845-1917) in seiner Akademieabhandlung "Philologische Bemerkungen zu Aventins Annalen ..." (1886), dass insbesondere bei der Edition der Annalen wissenschaftlich zu oberflächlich gearbeitet worden sei.

Dieser Ungenauigkeit zollt die Forschung bis heute ihren Tribut. Obwohl inzwischen Zahlreiches zu den Werken des "Vaters der bayerischen Geschichtschreibung" erschienen ist, bleiben seine Person und ihre Entwicklung schemenhaft, ja fast stereotyp. Der Grund hierfür ist leicht einzusehen: Die "Sämmtlichen Werke" haben eine statische, "gute" Edition angestrebt. Die Bearbeiter entschieden, was wichtig und unwichtig sei, ohne hierfür wirklich objektive Begründungen liefern zu müssen. Die Entwicklung eines Gedankens ist kaum zu erkennen, da Vieles des von Aventin handschriftlich überlieferten Materials unberücksichtigt blieb. Ein Beispiel mag für manch anderes stehen: Dass Aventin in seine sogenannten "Kleinen" Annalen Entwürfe für die "Großen" Annalen eintrug, wird an keiner Stelle erwähnt. Anders ausgedrückt: Die Großen Annalen sehen in den "Sämmtlichen Werken" wie ein einziger genialer Wurf aus, obwohl sie das Endprodukt einer langen, weit über ein Jahrzehnt dauernden Entwicklung waren. Andererseits bildete die bei Aventin liegende Handschrift der Annalen den Sammelpunkt für neugewonnene Ergebnisse - wie schon Meyer festgestellt hatte. Bei genauerer Betrachtung wird man sicherlich in diesen Handschriften manches zu Aventins späteren Werken finden.

Eine kritische Würdigung der Briefe unseres Humanisten etwa muss unterbleiben, da die unterschiedlichen Überlieferungsorte der einzelnen Briefe ungenannt dargestellt sind. Bei der Untersuchung der von ihm sicherlich maßgeblich beeinflussten Sodalitas literaria Angilostadensis muss man gar auf die sehr seltene Edition der Vita Kaiser Heinrichs IV. von 1518 durch Aventin selbst zurückgreifen, will man Genaueres wissen. Manche dieser Versäumnisse wurden später durch den Nachtragsband von 1908 ausgeglichen, andere bestehen bis heute.

Angaben zum Projekt

Da eine Neuedition aus finanziellen Gründen ausgeschlossen erscheint, haben sich das Stadtarchiv Regensburg und die Stadt Abensberg 2008 entschlossen, in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Staatsbibliothek den handschriftlichen Nachlass des Johannes Turmair systematisch im Internet im Rahmen der Bayerischen Landesbibliothek Online zu präsentieren. Partner des Projekts sind auch die Staatlichen Archive Bayerns; sie bieten ebenfalls ihre Aventin-Bestände digital an.

Als erster Schritt wurden 2008/2009 sämtliche "Aventin-Handschriften" der Bayerischen Staatsbibliothek und des Bayerischen Hauptstaatsarchivs neu digitalisiert und ins Internet eingestellt. Nach und nach soll dann mit den nichtbayerischen Handschriftenbesitzern verhandelt werden, um auch deren Aventinschriften im Internet zugänglich zu machen. Gleichzeitig entstehen im Stadtarchiv Regensburg und bei der Stadt Abensberg Arbeitsplätze, an denen das gesamte hochauflösend digitalisierte Material für Wissenschaftler zur Verfügung steht. Das handschriftliche Material soll in einem weiteren Schritt durch digitalisierte Handschriften und Drucke, die aus Aventins Besitz stammen oder von ihm mit Randnotizen versehen wurden, ergänzt werden.

Das Stadtarchiv Regensburg wird in Zusammenarbeit mit der Abteilung Historische Fachinformatik und Dokumentation am Institut für Geschichte der Karl Franzens Universität Graz, Ao. Univ.-Prof. Dr. Ingo H. Kropac, anhand des kleinen Werks "Herkommen der Stadt Regensburg" einen Prototypen entwickeln, der aufbauend auf den Entwicklungen des Projektes "Fontes Civitatis Ratisponensis" nach der Methode "Integrierte Computergestützte Edition" (ICE) dem Benutzer die Möglichkeit geben wird, die digitale Edition der SW zusammen mit der einzelnen Handschrift zu benutzen.

Heinrich Wanderwitz, Regensburg

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Hinweise zur Benutzung

Das Angebot steht in einer Blätterversion zur Verfügung. Eine Volltextversion der "Sämmtlichen Werke" befindet sich in Vorbereitung.

Angaben zum Projekt

Das Aventin-Projekt entsteht in Kooperation mit dem Stadtarchiv Regensburg, der Stadt Abensberg, den Staatlichen Archiven Bayerns und der Bayerischen Staatsbibliothek. Das Angebot ist seit 2008 (Edition) bzw. 2009 (Handschriften) online.

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