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Schätze der Staatsbibliothek Bamberg: Bamberger Fasching

Faschingsumzug 1837 (Ausschnitt) - SB Bamberg, V C 281 Faschingsumzug 1837 (Ausschnitt) - SB Bamberg, V C 281.

„Das Maskentragen an Fastnacht war im Spätmittelalter wohl gängig, denn durch Masken ließ sich die verkehrte Welt am besten darstellen. So ist bezeugt, dass sich Männer als Frauen verkleideten und umgekehrt, und es wurden Dämonenmasken getragen. Im 16. Jahrhundert jedoch stieß das ‚Vermummen’ auf radikale Ablehnung bei den Obrigkeiten. […]

Erst im 18. Jahrhundert wurde Maskerade buchstäblich hoffähig. In der Fastnachtszeit hielten Fürsten Maskenbälle ab, und Bürger ahmten es nach. Aus Bamberg haben wir von den 1820er Jahren an regelmäßig Nachrichten darüber. Sich zu maskieren, war längst wieder erlaubt, nur das Tragen von ‚schmutzigen, übel riechenden, oder ganz gemeinen Maske[n]’ wurde 1803 und nochmals 1806 behördlich verboten.

Umzüge mit Berittenen und Wagen fanden in Bamberg seit den 1830er Jahren statt, wobei Themen der Zeit und örtliche Vorfälle satirisch aufgegriffen wurden. In Bamberg freilich erlahmte die Begeisterung dafür bald nach 1885, daran konnte auch der 1886 nach rheinischem Vorbild gegründete ‚Karnevalsverein’ nichts ändern. Kaum anders in der Bezirkshauptstadt: ‚Faschingsziech worn in Baraid wos rors’, bemerkte 1929 der Bayreuther Mundartautor Friedrich Einsiedel. Erst in den 1930er Jahren wurden solche Umzüge im großen Stil organisiert. Auch in manchem Dorf etablierte sich in der Folge gelenktes Faschingstreiben. So veranstaltete die 1956 gegründete Karnevalsgesellschaft in Marktgraitz über Jahre hinweg einen Umzug, dem eine örtliche Prinzengarde besonderen Glanz verlieh; Besucher strömten aus einem größeren Umkreis herbei. In den letzten Jahrzehnten hat der Weismainer Zug am Faschingssonntag großen Zuspruch gewonnen, nicht zuletzt dank der Büttenrede des Konditormeisters Franz Besold. Heuer fungieren seine Frau Barbara und er überdies als Prinzenpaar des Mainleuser Carnevals Clubs, der, 1999 gegründet, die oberfränkische Fastnacht spürbar belebt.“

Auszug aus: Günter Dippold, Verkehrte Welt und Maskenspaß. Streiflichter aus der Geschichte der Fastnacht in Oberfranken, in: ECHT Oberfranken 2 (2011), Heft 1, S. 24-26 (Dieses Werk im Bibliotheksverbund Bayern BVB).