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Ausgewählte Cod.icon.-Handschriften mit Bayernbezug

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Geographie

Der Stadtplan Jerusalems (Cod.icon. 172)  aus dem letzten Viertel des 15. Jahrhundert, verbindet eine sehr frühe topographisch genaue Darstellung der Stadt mit dem Leben und Leiden Jesu. Er wird in Zusammenhang gebracht mit einer Pilgerreise der Nürnberger Patrizier Sebald Rieter d.J. (um 1444-1488) und Hans VI. Tucher (1428-1491) in den Jahren 1479-1480. Ihrer beider Reiseberichte sind in der BSB erhalten (Cgm 378 und Cgm 24, außerdem die Inkunabel 2 Inc.c.a. 1266). Sebald Rieter reiste mehrfach ins Heilige Land und wurde in Jerusalem zum Kreuzritter geschlagen; die Abzeichen zieren die Familienwappen, dokumentiert  in der Rieterschen Wappenrolle (Cod.icon. 392 a).

Der große bayerische Geograph Philipp Apian (1531-1589) schuf im Auftrag Herzog Albrechts V. (1528-1579, Herzog ab 1550) den Erdglobus Cod.icon. 129 (1576), der zusammen mit Cod.icon. 186, dem Himmelsglobus (1575) von Heinrich Arboreus (um 1532-1602) in der Hofbibliothek über dem Antiquarium der Münchner Residenz  aufgestellt wurde und zu den schönsten frühen Globen gehört.

Von Apian stammt auch Cod.icon. 142, Vorzeichnungen in sieben Rollen für die Große Karte Bayerns. Es sind Teilstücke von ehemals 16 Rollen, die Apian eigenhändig anfertigte. Sie sind als einzige Überbleibsel dieser bayerischen "mappa" von herausragendem Wert. Im Auftrag Herzog Albrechts V. hatte Apian im Jahre 1554 mit der Landvermessung des Herzogtums Bayern begonnen. Fertiggestellt wurde diese erste mathematisch-astronomisch nach Längen und Breiten außerordentlich genau vermessene Karte 1563.

Topographische Denkmäler sind die Ansichten Regensburgs von Süden nach dem Dreißigjährigen Krieg (Cod.icon. 197) von Georg Sigmund Rentz im Juli 1640 nach Vorlage der ein Jahr früher entstandenen Federzeichnung von Hans Georg Bahre. Cod.icon. 198 zeigt in zwei Rollen den Abriss der Stadt Regensburg östlich und westlich der Steinernen Brücke,  zeitgleiche erweiterte Replik des ersten Teils der lavierten Federzeichnung von Hans Georg Bahre von 1630, erhalten in Regensburg, Historisches Museum. Mehr Sittenbild als Stadtansicht ist das handgezeichnete Blatt Cod.icon. 399 a des Stahlschießens in Regensburg anno 1586 von Peter Opel , Vorzeichnung zu der auf  fünf Szenen verteilten Kupferstichfolge Cod.icon. 399 b (beigebunden in Cgm 2019).

Alter Pfalz-Neuburger, dann Mannheimer Bestand ist das Pflanzenverzeichnis aus dem Besitz des pfalz-neuburgischen Landvogts Wolfgang Philipp Brandt (Cod.icon. 31) mit Datum 1615, das mit seinem Gartenplan das einzige Zeugnis der heute verlorenen Anlage von Schloss Monheim/Krs. Donau-Ries darstellt, wo sich Pflegamt und Landgericht des Herzogtums Pfalz-Neuburg befanden.



Jüngere Werke zur Geographie:

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Genealogie und Heraldik

Von herausragender Bedeutung sind zwei Stammbücher. Besitzer von Cod.icon. 320, angelegt unter  Verwendung der Kupferstichfolge "Diversarum gentium armatura equestris" (1578) von Abraham de Bruyn (1538-1587) war Hans Lorenz von Trautskirchen, bayerischer Rat in Ingolstadt (gest. 1587). Darin enthalten ist das Stammbuch seines Verwandten Hans Georg (Jörg) von Elrichshausen. Die Beiträger sind Adlige (Maxlrain, Pappenheim, Ebran von Wildenberg, Lalaing) und Bürgerliche, zwei in Ratsstellung in Bayern, datierbar von 1582-1615. Cod.icon. 313 enthält das Stammbuch des Juristen Jakob Streit mit den Wappen von Verwandten, Tübinger und Ingolstädter Universitätsfreunden und Kollegen am Reichskammergericht zu Speyer. Nächster Besitzer war Philipp Hunger, cand. iur. in Ingolstadt, datiert sind die Einträge zwischen 1560-1615. Dieses Stammbuch liefert neben Informationen zum juristischen Personal auch ein Sittenbild dieser Zeit, da man sich sommers in dem berühmten Bad Liebenzell nahe Maulbronn im Schwarzwald traf.

Die umfangreiche um 1600 datierbare Sammlung von Wappen aus verschiedenen, besonders deutschen Ländern Cod.icon. 307 führt u.a. auch das Wappen der oben genannten Elrichshausen, interessant ist der Band weiter wegen der S. 444-446 eingefügten gestochenen Wittelsbacher Genealogie mit Bildnisbüsten, Wappen und gereimter Charakterisierung der genannten Personen aus der Zeit von 1183-1583.

Das Wappenbuch besonders deutscher Geschlechter Cod.icon. 308 mit 1300 Wappen schufen zwischen 1515-1618 in Augsburg die "Illuministen" Nikolaus Bertschi d.Ä. (gest. 1542) und sein Sohn d.J. Vorangestellt ist eine Holzschnittfolge von Hans Burgkmair d.Ä. (1473-1531) zu den "9 Helden". Im Zusammenhang mit Augsburg steht Blatt 28r der kolorierte Holzschnitt des Epitaphs von Philipp dem Schönen (1478-1506), Sohn Kaiser Maximilians I. (1459-1519), in der Augsburger Dominikanerkirche St. Magdalena. Auf der Rückseite folgt das Profilbildnis des Kaisers als Ritter des St. Georgs-Ordens, eine Radierung von Daniel Hopfer (um 1470-1536). Zu erwähnen ist auf dem nächsten Blatt 29r ein Bildnismedaillon Iulius Caesars in Form einer Schaumünze, entsprechend dem Zeitgeschmack. Bildnisse römischer Kaiser wurden etwa von Hans Burgkmair d.Ä. nach numismatischen und epigraphischen Vorlagen angefertigt für die Illustration des Kaiserbuches zur Geschichte aller Kaiser bis zu Maximilian I., das Konrad Peutinger (1465-1547) plante. Die Vorbereitungen zu diesem Werk sind in Clm 4020 überliefert, werden auch in seinem Nachlaßinventar (Clm 4021 d) genannt.

Wiederum die Stadt Augsburg betrifft das Geschlechterbuch Cod.icon. 312 b, das, mit Fuggerscher Förderung von dem Ratsdiener Paul Hektor Mair (1517-1579) herausgebracht, in Augsburg mehrfach gedruckt wurde und hier kostbar koloriert ist.

Cod.icon. 391, ein Sammelband mehrerer Wappenbücher aus Fuggerbesitz zeigt Wappen der Pairs de France, der Mitglieder des Schwäbischen Bundes und andere Seltenheiten.

Erst 2009 erwarb die BSB eine 1593-1620 entstandene gedruckte handkolorierte Genealogie des Hauses Fugger "Fuggerorum et Fuggerarum ... imagines" (Cod.icon. 380). Sie ist eine von mehreren genealogischen Werke zur "memoria" der Bankiersfamilie und enthält 140 von Dominicus Custos (um 1559/60-1615) gestochene Bildnisse, als Sonderausgabe in reich ornamentierten Rahmen mit den Wappen.

Eine besondere heraldische Auswahl birgt Cod.icon. 326 mit Wappen der zu Regensburg zur Reichsversammlung 1594 anwesenden Fürsten mit Angabe der Unterbringung in den einzelnen Wachten der Stadt.

Das Wappenbuch aus dem Besitzer der Freiherren von Scheibler auf Hülhoven im Rheinland Cod.icon. 312 c enthält 624 ganzseitigen Familienwappen aus Süddeutschland und Österreich in zwei Teilen, wobei der ältere von 1450-1480 vor allem auch kunsthistorisch bemerkenswert ist mit Helmdecken, teils vegetabil oder und in gotisch geknitterten Drâperien. Die Helmzier zeigt teilweise bemerkenswerte Tierdarstellungen und menschliche Köpfe, die der Ulmer Malerei des Bartholomäus Zeitblom (um 1455 - um 1518) nahestehen.

Schon erwähnt wurde der 1000jährige Pfalz-Wittelsbacher Stammbaum Cod.icon. 388, eine über vier Meter lange zusammengesetzte Rolle, in Basel in der Offizin Oporinus 1556 gedruckt und prachtvoll koloriert. Bemerkenswert ist das pangermanische Konzept des Polyhistors Johannes Basilius Herold (1514-1567) aus Höchstädt a.d. Donau, der die "Palatina stirps"  mit dem Merowinger und ersten fränkischen König Chlodwig (466-511) und der bildlichen Wiedergabe seiner Bekehrung zum Christentum beginnen lässt, endend mit Kurfürst Friedrich II. dem Weisen von der Pfalz (1482-1556), dem Auftraggeber des Stammbaums. Herolds Quellen sind Beatus Rhenanus (1485-1547) und Johannes Trithemius (1462-1516) mit der Verherrlichung der Germanen und besonders der Franken im Gegensatz zur romzentrierten, von Caesar ausgehenden Historiographie bei Johannes Cuspinian (1473-1529) oder Konrad Peutinger (1465-1547).

Dem Holzschnittstammbaum ist in Deckfarbenmalerei ein achter Bildstreifen angestückt für weitere 50 Jahre bis zu Pfalzgraf Friedrich V. (dem "Winterkönig", 1596-1632), der noch nicht als Kurfürst (ab 1610) und verheiratet (ab 1613) bezeichnet ist. Jüngstes Datum der Beischriften ist das Jahr 1603. Der Stammbaum-Typus mit figürlicher Darstellung, überwiegend in ganzer Figur, ist bereits im 15. Jh. in Bayern geläufig, so auf dem in Schloß Berchtesgaden aufbewahrten Rotulus der Genealogie des Hauses Bayern mit halbfigurigen Bildnissen auf der Grundlage der Chronik des Hans Ebran von Wildenberg (um 1425 - 1501/1503; → Abbildung im PDF-Format) und die Nachzeichnungen (Ende 15. Jh.) der Fresken der Fürstenreihe aus dem Alten Hof in München von ca. 1460-1466 (Paris, Bibliothèque nationale de France, Cabinet des Estampes, 206-207). Zahlreiche weitere Portrait-Genealogien zu Bayern und Pfalzbayern des 16. Jh. harren noch der Aufarbeitung, so die Handschriften der BSB Cgm 1604, 1606,1608-1609, Cgm 2799 und 2824 und die Freskenreihe im Kapellengang der Residenz in Landshut. Darstellungen Pfalz-Wittelsbacher Aszendenz sind auch auf Tapeten und Teppichen erhalten, die Kurfürst Ottheinrich von der Pfalz (1502-1559) als neues Genre um 1540 in und für die Residenz Neuburg a.d. Donau bzw. später  das Heidelberger Schloss in Auftrag gab (heute München, Bayerisches Nationalmuseum).

Eine Rarität ist das Bruderschaftsbuch des jülich-bergischen Hubertusordens (Cod.icon. 318). Zusammen mit dem ehemals Berliner, jetzt in Krakau aufbewahrten Heroldsbuch bildet es die einzigen Zeugen aus dem Gründungsjahrhundert des 1444 von Herzog Gerhard VII. zu Jülich und Berg (um 1416/17-1475, Herzog seit 1437) nach dem Vorbild des Ordens vom Goldenen Vlies als religiöser und zugleich weltlicher Ritterorden zur Bindung des niederrheinischen Adels an das Herzogshaus gestifteten Ordens. Im Dreißigjährigem Krieg untergegangen, wurde er im Jahre 1708 von Kurfürst Johann Wilhelm von der Pfalz und Herzog von Jülich und Berg (1658-1716) zum Zeichen der Jülicher Erbfolge als St. Hubertusorden mit veränderten Insignien erneuert und blieb, im Jahre 1800 bestätigt, als Königlich Bayerischer Hausritterorden vom Hl. Hubertus von 1806-1919 mit einem achtspitzigen Malteserkreuz als Ordensabzeichen bestehen.

Der Livre du Toison d’or (Cod.icon. 285) von etwa 1586 ist eine der kostbarsten Handschriften unter den älteren Codices iconographici. Das chronologische Verzeichnis der Wappen und Namen von 269 Mitgliedern des Ordens vom Goldenen Vlies umfasst den Zeitraum von 1429-1586, d.h. von der Gründung durch Herzog Philipp den Guten von Burgund (1396-1467) bis zur Zeit des sechsten Ordenssouveräns König Philipp II. von Spanien (1527-1598). Das Armorial gehört zum Typ der Mitgliedsverzeichnisse ohne Statuten, aber mit hervorragenden auf Pergament in Deckfarben gemalten ganzseitigen Bildnissen der Ordenssouveräne, die den Wappenseiten aus Papier chronologisch eingefügt sind. Die Bildnisse gehen auf niederländische Vorlagen zurück. Als erster Wittelsbacher wurde Albrecht V. (1528-1579, Herzog ab 1550) 1545 im Vorfeld seiner Heirat mit Prinzessin Anna von Österreich (1528-1590) in den Orden aufgenommen. Unsere Hs befindet sich spätestens seit 1618 in der Münchner Hofbibliothek und gehört zu einer ganzen Gruppe hier nachgewiesener Exemplare, die heute als verloren zu gelten haben.

 

Jüngere Werke zur Heraldik

  • Cod.icon. 322, Reginbald Möhner (gest. 1672): Insignia episcopatuum, Abbatiarum, Praepositurarum ... et civium Augustanorum, Norimbergensium, Argentoratensium, Ulmensium … aus der Bibliothek des Benediktinerklosters St. Ulrich und Afra in Augsburg, dessen Konventuale Reginbald Möhner war.
  • Cod.icon. 331, Georg Gottfried Plato (1710-1777), Numismatiker und Geheimer Rat in Regensburg, Abbildungen von Siegeln der Regensburger Bischöfe, Äbte von St. Emmeram und Regensburger Geschlechter.
  • Cod.icon. 339, Regensburger Wappenbuch von (Johann Georg ?) Goelgl - Kopie nach Hylmairs Wappenbuch von 1560.
  • Cod.icon. 327, Wappen zum III. Band von Wiguleus Hunds (1514-1588) Bayerischem Stammenbuch, Nachzeichnung um 1800 der Wappen in einer illustrierten Fassung des nur handschriftlich überlieferten dritten Bandes
  • Cod.icon. 328(1 und 328(2, Wiguleus Hunds bayr. Stammenbuch Bd. I und II  anno 1585 mit im 18. Jh. gemalten Wappen auf eingesetzten Blättern.
  • Cod.icon. 287, 288 und 289, Wappen der Bischöfe und Dekane des Bistums Freising, 18. Jh.
  • Cod.icon. 298, 299, 300, 301, 302 und 303, Andreas Felix von Oefele (1706-1780): Alphabetisch geordnete Sammlung von Wappen, Siegeln und Münzen, 18. Jh.
  • Cod.icon. 304, 305 und 306, Joseph Franz Xaver von Hoppenbichl (1721-1779), Hofkaplan von Kurfürst Maximilian III. Joseph, Verfasser einiger genealogischer Werke, meist ungedruckt: Neu eröffnete Ehrenpforte - Wappensammlung mit genealogischen Notizen
  • Cod.icon. 334, Wappen- und Ahnenbuch von deutschen und fremden Adelsfamilien, mit colorierten Wappen aus der Bibliothek der bedeutenden Memminger Handels- und Patrizierfamilie Vöhlin in Illeraichheim/Schwaben, Ende 18. Jh.
  • Cod.icon. 336, Konvolut von Städte- und Märkte-Wappen und  Siegelabbildungen, Nachzeichnungen nach den Monumenta Boica, 17./18. Jh.
  • Cod.icon. 392, Wappensammlung bayerischer Geschlechter und Orte, Ende 18. Jh.
  • Cod.icon. 392 c, Eichstätter Wappenbuch 1474-1478 in Kopie nach der Handschrift Eichstätt, UB, Hs. 704, um 1940.

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Wissenschaft und Technik

Mehrheitlich aus ehemals Mannheimer Provenienz stammen wissenschaftsbezogene Werke, auch solche zur Kriegskunst und Geographie. Darunter sind nennenswert, in Italien gekauft, der mehrbändige Atlas des englischen Schiffsbauers, Entdeckers und Kartographen Robert Dudley (1574-1649) von ca. 1636, der am Medici-Hof Ferdinands II. der Toskana (1610-1670) in Florenz tätig war (Cod.icon. 138, 139, 140; Cod.icon. 221). Mit schönen Monatsbildern ausgestattet ist das zu seiner Zeit wissenschaftlich hoch angesehene astronomische Werk zu den Eklipsen von Cyprianus Leovitius (1524-1574), der durch Fuggersche Vermittlung zum Hofastronomen  Kurfürst Ottheinrichs von der Pfalz (1502-1559) wurde (Cod.icon. 181). Cod.icon. 182 - Astrolabia, Quadrantes - Astronomische und geographische Projektionsschemata zur Vermessung von Zeit und Ort aus dem 1. Viertel des 16. Jh. - enthält Exzerpte wohl von der Hand des Astronomen und Geographen Jakob Ziegler (um 1470-1549), der nach dem Studium in Ingolstadt später zwischenzeitlich an der Wiener Universität lehrte, sich jedoch u. a. auch in Straßburg, Venedig, Rom und besonders Ferrara, an seinem Lebensende in Passau aufhielt. Die Horizontaluhr Cod.icon. 470 auf Solnhofer Stein stammt aus der Werkstatt des Isaac Kiening (1568). Die Produktivität und entsprechend vielzählige Hinterlassenschaft gleichartiger Sonnenuhren dieser Füssener Handwerkerfamilie erschwert die eindeutige Identifikation desjenigen  Exemplars, das im Inventar der Kunstkammer Kurfürst Maximilians I. (1573-1651) aufgeführt ist.

Das hydrotechnische Werk Cod.icon. 212 zur Nutzung des Tiberlaufs skizzierte der holländische Ingenieur, Erfinder und Radierer Cornelis Meijer (1640-1700) 1676 im Auftrag der päpstlichen Kammer unter Papst Clemens X. (1590-1676) zur Vorbereitung der Druckausgabe (1683, 1696). Zum Mannheimer Bestand gehören auch das Feuerwerks- (Cod.icon. 232), ein Pferdedressur- (Cod.icon. 251) und ein Bissbuch (Cod.icon. 232). Reich illustrierte Festdiarien wie das zur Taufe der Prinzessin Elisabeth von Hessen-Kassel (1596-1625) (Cod.icon. 27(1 ) von 1598 und ein  Kostümauszug desselben Festzugs (Cod.icon. 340) waren als Vorlagen für Inventionen zu höfischen Festlichkeiten begehrt. Ergänzend zu diesem Genre wurde 1907 eine Beschreibung mit Illustrationen von Festaufzügen und ihrer Technik in Florenz unter Cosimo II., Großherzog der Toskana (1590-1621) aus dem Zeitraum 1608-1617, heute Cod.icon. 401, erworben, die u.a. Zeichnungen des französischen Graphikers Jacques Callot (1592-1635) enthält.

Aus jüngerer Zeit stammen technische Zeichnungen zu den Münzstreckwerken der Fürstbischöfe in Würzburg (Cod.icon. 207 f) von Wilhelm Fehr (gest. 1756) von 1747,  Frans Mattias Wiest (tätig ab 1696) schuf um 1707 die Zeichnung des Streckwerks der Reichsstädtischen Münze in Regensburg Cod.icon. 211 a.

Auf dem Feld der Botanik sind hervorzuheben die Pflanzenbücher des Georg Dionys Ehret (1710-1770) Cod.icon. 2 sowie in Cod.icon. 2 a die Pflanzen des 1809 gegründeten Botanischen Gartens in München,1812 gemalt von dem später in den USA äußerst erfolgreichen Joseph Prestele (1796-1867).

In der Zoographie ragt die Sammlung von Darstellungen europäischer Vögel von Johann Christian Mannlich (1741-1822) heraus (Cod.icon. 88). Mannlich kam nach dem Zeichenstudium in Mannheim an den Hof Herzog Christians IV. von Pfalz-Zweibrücken (1722-1775), konnte durch dessen Stipendium einige Jahre an der französischen Akademie studieren und widmete sich, zurück am Hof, der Portrait- und Genremalerei und dem unter den Zweibrücker Hofmalern besonders gepflegten Naturstudium. Für einen 1782 vertraglich beschlossenen Nachdruck in Kleinformat der bahnbrechenden Histoire naturelle des Georges-Louis Leclerc, Comte de Buffon (1707-1788) übernahm Mannlich die Herstellung der Illustrationen. Dazu benutzte er als Vorlagen die Originallithographien aus Paris, zusätzlich schuf er eigene weitere Darstellungen nach der Natur von den Vögeln, die er in Schloss Karlsberg und dem Naturalienkabinett dortselbst beobachten konnte. Ein Teil dieser neuen Illustrationen, die er seinen Kindern widmete, sind in Cod.icon. 88 erhalten. Mannlich, der vor den napoleonischen Truppen aus Zweibrücken fliehen musste, konnte die Gemäldesammlung aus Karlsberg über Mannheim nach München retten, wo er unter Kurfürst Max IV. Joseph Zentralgaleriedirektor wurde, eine Tätigkeit, die er schon in Zweibrücken ausgeübt hatte.

Die 382 präzisen Aquarellzeichnungen von Reptilien, verteilt auf die vier Bände Cod.icon. 48 a(1-4 schuf  Nikolaus Michael Oppel (1782-1820), Prof. der Naturgeschichte am Lyceum in München. Er hatte als erster Naturwissenschaftler erkannt, dass die präzise Wiedergabe der Schuppen an Kopf und Schwanz der Reptilien das wichtigste Erkennungsmerkmal darstellt und begründete damit in München an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften die Anfänge der herpetologischen Forschung.

 

Marianne Reuter


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