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NS-Raubgut an der BSB

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Die Bayerische Staatsbibliothek sucht seit 2003 in ihren Beständen nach NS-Raubgut. Zu diesem Zweck bildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hauses zunächst eine Arbeitsgruppe, der sich ehrenamtliche Helferinnen und Helfer anschlossen. 2013 ermöglichte die Förderung der „Arbeitsstelle für Provenienzrecherche und Provenienzforschung“ schließlich, ein eigenes  Projekt für den Abschluss der NS-Raubgutforschung an der Bayerischen Staatsbibliothek zu schaffen.

Die Bayerische Staatsbibliothek erweiterte ihre Bestände zwischen 1933 und 1945 um über 65.000 Bände. Da das Zugangsverzeichnis bei Kriegsende verlorenging, ist ihre Herkunft zum Teil nur schwer zu erschließen. Einige Erwerbungsvorgänge lassen sich mit Hilfe der Akten der Generaldirektion der Staatlichen Bibliotheken rekonstruieren, die sich inzwischen im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München (Bestand „Generaldirektion der Staatlichen Bibliotheken Bayerns“) befinden. Bei der überwiegenden Mehrheit der Bücher ist die Provenienzforschung jedoch darauf angewiesen, in ihnen selbst Hinweise auf mögliche Vorbesitzer zu entdecken.

Solche Spuren können handschriftliche Besitzvermerke oder Widmungen sein, Exlibri oder Stempel. Die Namen der Vorbesitzer müssen überprüft werden; wichtige Hilfsmittel sind biographische Lexika, Opferdatenbanken (z.B. Gedenkbuch des Bundesarchivs für die Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, Central Database of Shoah Victims' Names), aber auch alte Stadtadressbücher.

Daneben haben auch die damaligen Mitarbeiter der Bayerischen Staatsbibliothek für die Provenienzforschung wichtige Hinweise hinterlassen. Publikationen, die nicht in Buchhandlungen oder Antiquariaten gekauft wurden, kamen als Geschenk oder per Tausch in das Haus. Jeder Person oder Institution, die der Bayerischen Staatsbibliothek Bücher überließ, und jeder Einrichtung, mit der sie im Tauschverkehr stand, gaben sie eine Nummer und vermerkten sie auf den Titelblättern der geschenkten oder getauschten Bände. Die Listen mit den Nummern der Schenker und Tauschpartner sind erhalten und ermöglichen es, die Vorgeschichte der Bücher zumindest teilweise nachzuvollziehen. Tragen Bücher die Nummer „G.n. 14428“, steht fest, dass sie die Geheime Staatspolizei München der Bayerischen Staatsbibliothek „schenkte“. Gibt es in ihnen keine weiteren Besitzvermerke, ist allerdings nur sehr schwer herauszufinden, wen die Gestapo beraubt hat.

In einem ersten, durch das „Deutsche Zentrum Kulturgutverluste“ geförderten und bereits abgeschlossenen, Projekt, gelang es der BSB im Zeitraum von Juni 2013 bis August 2016 sämtliche hausinternen Zugänge während der NS-Zeit systematisch auf Raubgut hin zu überprüfen. Im Zuge dessen konnte bereits eine Vielzahl von geraubten Büchern an die Erben der damaligen Opfer wie auch an Nachfolgeinstitutionen restituiert werden, sofern dies noch möglich war.

Weiteres NS-Raubgut gelangte nach 1945 in die Bayerische Staatsbibliothek, als die US-amerikanische Militärregierung die Büchersammlungen nationalsozialistischer Organisationen deutschen Bibliotheken übergab. Die Bayerische Staatsbibliothek kam so unter anderem in den Besitz von etwa 30.000 Bänden der NS-Ordensburg Sonthofen. Seit August 2016 läuft deshalb ein zwei Jahre andauerndes Nachfolgeprojekt, das sich mit der Aufarbeitung der BSB-Erwerbungen nach Kriegsende befasst. Hauptaugenmerk liegt hierbei auf den Beständen aus Sonthofen. Die Förderung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste (DZK) macht es möglich, die Nachkriegszugänge ebenso wie die Zugänge zwischen 1933 und 1945 auf mögliche Vorbesitzer hin zu überprüfen, sodass die hausinterne Provenienzforschung 2018 zum Abschluss gebracht werden kann. Besondere Sorgfalt wendet die Bayerische Staatsbibliothek heute bei antiquarischen Erwerbungen auf, da sie auf diesem Weg noch immer unabsichtlich NS-Raubgut in ihren Besitz bringen kann.

Die Bayerische Staatsbibliothek möchte aufgefundenes NS-Raubgut so unbürokratisch wie möglich an die rechtmäßigen Eigentümer bzw. ihre Erben oder Rechtsnachfolger zurückgeben. Lassen sich diese nicht feststellen, sorgt sie für die Dokumentation der Funde in der Internet-Datenbank Lost Art des DZK. Darüber hinaus kennzeichnet sie die betroffenen Bücher entsprechend in ihren eigenen Katalogen. Im OPAC sind das NS-Raubgut sowie die Verdachtsfälle recherchierbar mit der Eingabe „BSB-Provenienz: NS-Raubgut“; weiterführende Informationen stehen unter der Kategorie „mehr zum Titel“ bei „Bemerkung“.

Über den aktuellen Stand der Provenienzforschung berichten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bayerischen Staatsbibliothek seit der Ausstellung „Bücher im Zwielicht – Der Umgang mit zweifelhaften Erwerbungen der Jahre 1933 bis 1955“ regelmäßig in Vorträgen und Aufsätzen.

Projektstruktur

Leitung:      Dr. Stephan Kellner
Mitarbeiter: Roland Moosmüller B.A., Franziska Eschenbach M.A., Elena Velichko
Kontakt:      089 28638-2756, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
Ehemalige Mitarbeiter der BSB: Dr. Paul Gerhard Dannhauer, Sonja Gall, Dr. Thomas Jahn, Sebastian Peters M.A., Emanuel Steinbacher, Dr. Susanne Wanninger
Ehemalige Volunteers: Agnes Bujak, Dr. Paul Gerhard Dannhauer, Dr. Sybille Dürr, Almut Hielscher, Sabine Jung, Dr. Elisabeth Jüngling, Eva Klaputh, Gerd Laven, Dr. Dorothee Piermont, Karl-Heinz Riesenbeck