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Protokollbuch des Oberpfälzischen Christlichen Bauernvereins, 1914-1948

Protokollbuch des Oberpfälzischen Chrsitlichen Bauernvereins Protokollbuch

 

Das Protokollbuch des Oberpfälzischen Christlichen Bauernvereins ist das einzige Protokollbuch eines bayerischen Bauernvereins, das das "Dritte Reich" und den Zweiten Weltkrieg überstanden hat. Das vom Kreissekretär Gregor Klier (1880-1954) von 1914 bis 1933 geführte Protokollbuch dokumentiert die Vorstandssitzungen und Versammlungen des Vereins. Zwischen 1945 und 1948 schrieb Klier in dem Buch die Protokolle der Vorstandsitzungen des Kreisverbandes Oberpfalz des Bayerischen Bauenverbandes nieder.

 

Der Oberpfälzische Christliche Bauernverein

Der Oberpfälzische Christliche Bauernverein war einer von acht voneinander unabhängigen christlichen Bauernvereinen in Bayern. Der oberpfälzische Kreisverein wurde am 12. März 1895 unter der tatkräftigen Mitwirkung des "Bauerndoktors" Dr. Georg Heim (1865-1938) in Weiden gegründet. Da Heim in Regensburg ansässig war, entwickelte sich die Oberpfalz zu einem Zentrum der Bauernvereinsbewegung in Bayern. Von der Oberpfalz ging deshalb auch der Anstoß zum Zusammenschluss aller bayerischen Bauernvereine aus.

Die Christlichen Bauernvereine sind im gesellschaftlichen Vorfeld der Zentrumspartei bzw. der Bayerischen Volkspartei anzusiedeln. Obwohl sie sich satzungsgemäß nicht auf eine Konfession beschränkten, besaßen sie von daher in Bayern fast ausschließlich katholischen Charakter. Dies zeigte sich vor allem an der Rolle der Geistlichen bei der Gründung gerade des "Oberpfälzischen Christlichen Bauernvereins." Er wurde deshalb als "Christlverein" verspottet.

Mit der Gründung von christlichen Bauernvereinen reagierte die Zentrumspartei auf die bäuerliche Protestbewegung. Diese war nach der Zustimmung des Reichszentrums zur liberalen Zoll- und Handelspolitik von Reichskanzler Leo Caprivi (1831-1899) entstanden. Sie fand in Bayern ihren eigenständigen Ausdruck im Bayerischen Bauernbund, der sich zu einer ernsten Konkurrenz für die Zentrumspartei entwickelt hatte.

Entsprechend den von Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst (1825-1895) in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts aufgestellten Organisationsprinzipien verbanden die christlichen Bauernvereine die wirtschaftspolitische Interessenvertretung ihrer Mitglieder mit deren gesellschaftspolitischer Interessenvertretung als Katholiken. Hinzu trat als dritte Aufgabe die Vermittlung handfester wirtschaftlicher Vorteile für die Mitglieder in Form von genossenschaftlicher Selbsthilfe.

Seinen eigentlichen Aufschwung nahm der "Oberpfälzische Christliche Bauernverein", seit 1906 Gregor Klier (1880-1954) als Kreissekretär fungierte. Klier besaß ungewöhnliches Organisationstalent und brachte den Bauernverein in der Oberpfalz zur Blüte; er leitete ihn bis zur erzwungenen Auflösung am 22. Juli 1933.

Zum Protokollbuch

Das Protokollbuch des "Oberpfälzischen Christlichen Bauernvereins" wurde von Klier von 1914 bis 1933 äußerst gewissenhaft geführt. Es enthält die Protokolle der Vorstandssitzungen und der Tagungen des Kreisverbandes. Direkt an die letzte Vorstandssitzung des Christlichen Bauernvereins schließen sich die Protokolle des 1945 gegründeten Bayerischen Bauernverbandes an, dessen Leitung Klier wie selbstverständlich wieder übernahm.

Die Protokolle des "Oberpfälzischen Christlichen Bauernvereins" stellen die einzig bekannte und vollständige Protokollserie eines bayerischen Bauernvereins dar; Vernichtungsaktionen 1933 und Kriegsverluste sind wohl der Grund dafür. Deshalb stellt dieses Protokollbuch eine einzigartige und bisher unbekannte Quelle zur bayerischen Agrargeschichte in der Zwischenkriegszeit dar, die tiefe Einblicke in die Organisationswirklichkeit eines landwirtschaftlichen Verbands auf der mittleren Ebene gewährt. Das Original liegt im Archiv des Bezirksverbandes Oberpfalz des Bayerischen Bauernverbandes.

Johann Kirchinger, Mallersdorf-Pfaffenberg.

Literatur:

  • Bergmann, Hannsjörg: Der Bayerische Bauernbund und der Bayerische Christliche Bauernverein 1919-1928 (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 81), München 1986.
  • Braun, Oliver: Bayerischer Christlicher Bauernverein, 1898-1933, in: Historisches Lexikon Bayerns
  • Kirchinger, Johann: Der Gehilfe des Regensburger "Bauerndoktors". Die Geschichte des Gregor Klier, in: Konrad Maria Färber (Hg.): Brücken über den Zeitenstrom (Regensburger Almanach 37), Regensburg 2003, 133-137.
  • Der Oberpfälzische christliche Bauernverein 1895-1930, Regensburg 1931.

 

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Hinweise zur Benutzung

Das Angebot steht in einer Blätterversion zur Verfügung, die durch ein Inhaltsverzeichnis erschlossen ist.

Angaben zum Projekt

Das Projekt ist online seit Januar 2007.