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Zeitungen in Coburg

Coburger Zeitung Coburger Zeitung

Am Anfang der Coburger Pressegeschichte stand wie in vielen anderen Territorien und Orten ein "Intelligenzblatt", das sich immer mehr zu einem Regierungs- und Amtsblatt entwickelte. Daneben etablierte sich 1861 die "Coburger Zeitung" als offizielle Coburger Tageszeitung. Sie erfuhr erst seit Anfang der 1930er Jahre ernsthafte Konkurrenz durch die nationalsozialistische "Coburger Nationalzeitung". Im Zuge der nationalsozialistischen Pressegleichschaltung verdrängte die "Nationalzeitung" bis 1940 alle anderen Coburger Zeitungen.


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Inhaltsverzeichnis


Wochenblätter

Vorläufer

Bereits 1803 wurde die „Coburger Wöchentliche Anzeige“ in ein „Coburger Wochenblatt“ umgewandelt. Sein Hauptzweck war die öffentliche Bekanntgabe von Regierungsmaßnahmen nebst Erläuterungen. Regierungsdirektor Theodor Konrad von Kretschmann (1762-1820) wollte der Bevölkerung so seine Reformmaßnahmen vermitteln und Gerüchten zuvorkommen. Das Wochenblatt wurde 1806 im Zuge der Napoleonischen Kriege eingestellt.

Das Regierungs- und Intelligenzblatt als regelmäßiges Wochenblatt

Nach dem Beitritt Coburgs zum Rheinbund und der Wiedereinsetzung Herzog Ernsts I. (1784-1844) durch Napoleon erschien ab dem 08. August 1807 das „Herzoglich Sachsen-Coburg-Saalfeldische Regierungs- und Intelligenzblatt“ als offizielles Privinzialblatt. Zwischen März und August 1807 waren bereits unnumerierte Wochenblätter veröffentlicht worden. Die Verbindung der Herzogtümer Sachsen-Coburg und Sachsen-Gotha durch Heirat und Erbfolge 1826 sowie der damit einhergehende Verlust des Herzogtums Saalfeld zog die erste Titeländerung nach sich. Weitere Titeländerungen, meist Folgen politischer Veränderungen, schlossen sich an. Nach dem Anschluss des Freistaats Coburg an Bayern (1919/20) änderte das Wochenblatt erst ab 1. Januar 1923 seinen Namen in „Coburger Amtsblatt“.

Verbreitung, Leserkreise, politische Ausrichtung, Konkurrenzblätter, Auflagenhöhe

Neben den Bekanntmachungen der Regierung und des Magistrats war das Regierungs- und Intelligenzblatt auch kulturelles Forum, etwa für Theaterkritiken, und Anzeigenblatt. Die Einrückungsgebühr für jede Zeile betrug drei Kreuzer. In Coburg wurde das Wochenblatt zunächst bei der Meusel’schen Buchhandlung ausgegeben. 1807 betrug der Abonnementpreis 1 Gulden halbjährlich und war 1865 noch genauso. Jede Landgemeinde erhielt regelmäßig ein Freiexemplar. Die Gemeindemitglieder hatten einen Anspruch darauf, es auf Wunsch vom Gemeindevorstand zum Lesen ausgehändigt zu bekommen. 1814 betrug die Auflage 700 Stück. Ab 1851 erschien das Regierungs- und Intelligenzblatt zweimal (mittwochs und samstags), von Juli 1858 bis Juli 1865 sogar dreimal pro Woche (dienstags, donnerstags, samstags). Vom 1865 bis 1897 kam es in Verbindung mit der Coburger Zeitung, aber noch selbständig heraus. Gedruckt wurde das Blatt von 1807 bis 1830 bei Ahl, ab 1831 bis Ende 1896 in der Dietz’schen Hofbuchdruckerei und von 1897 an in der Buchdruckerei A. Roßteutscher.


Tageszeitungen

Vorläufer

In Coburg erfolgte 1854 der zweite, längerfristig zunächst nachhaltigere Versuch – das mit Probenummern bereits zwischen 1848 und 1851 initiierte Coburger Tageblatt entwickelte sich erst ab 1886 zu einer regelmäßig erscheinenden Zeitung - , eine lokale Tageszeitung zu begründen. Sie sollte über das aktuelle überregionale Geschehen und über Lokalangelegenheiten berichten. Nach einer Probenummer am 15.4.1854 erschienen zwischen 1.5. und 29.9.1854 viermal wöchentlich (montags, dienstags, donnerstags, freitags) insgesamt 85 Nummern unter dem Namen Coburger Zeitung. Herausgeber war Hermann Briegleb. Das private Unternehmen scheiterte nach fünf Monaten aus wirtschaftlichen Gründen, da die Privatanzeigen weiterhin überwiegend im Regierungs- und Intelligenzblatt veröffentlicht wurden.

Offizielle Coburger Tageszeitung

Als erste Tageszeitung dauerhaft etabliert wurde die Coburger Zeitung 1861 von Herzog Ernst II. von Sachsen-Coburg und Gotha (1818–1893). Ab 05.09.1861 erschien sie täglich außer sonntags zunächst als Coburgische Zeitung, ab 14.06.1862 dann unter dem bekannten Namen. Unter Herzog Alfred (1844–1900), dem Nachfolger Ernsts II., zunächst an eine Genossenschaft verkauft, ging die Coburger Zeitung im Januar 1900 in den Besitz ihres Geschäftsführers (seit 01.01.1891) Robert Dornheim (1857–1930) über. Sie blieb bis zur letzten Ausgabe vom 30.03.1935 im Besitz von dessen Sohn Alfred (1893–1990).

Verbreitung, Leserkreise, politische Ausrichtung, Konkurrenzblätter, Auflagenhöhe

Von 1861 bis 1886 war die Coburger Zeitung mit nur geringen Unterbrechungen die einzige Tageszeitung Coburgs, immer Blatt der National-Liberalen Partei, gelesen hauptsächlich von den Beamten, den Handel- und Gewerbetreibenden und den Landwirten des Herzogtums Coburg. Ab 1865 erschien das Regierungs- und Intelligenzblatt in Verbindung mit der Coburger Zeitung, die seitdem auch Hof- und Staatsorgan war.

Konkurrierende Tageszeitungen entstanden 1886 mit dem Coburger Tageblatt - zunächst einem entschiedenen Liberalismus verpflichtet, später die objektivste und ausgewogenste Coburger Tageszeitung - und 1912 mit dem sozialdemokratischen (Coburger) Volksblatt.

Gestartet mit rund 500 Exemplaren, lag die Auflagenhöhe 1930 bei gut 4.500, bevor sie 1934 und 1935 fast um die Hälfte auf rund 2.400 zurückging. Noch 1915 ist die Coburger Zeitung in Sperlings Zeitschriften-Adressbuch als "älteste und angesehenste Zeitung im Herzogtum" verzeichnet. Um 1930 hatten sie das Coburger Tageblatt und das Coburger Volksblatt mit Auflagenhöhen über 10.000 bzw. über 7.000 deutlich überflügelt.

Die Coburger National-Zeitung als nachhaltigstes Konkurrenzblatt

Die Veränderungen der Coburger Zeitungslandschaft waren verflochten mit den politischen Umbrüchen nach der Auflösung des Herzogtums 1918. Als vierte Coburger Tageszeitung entwickelte sich 1930 die Coburger National-Zeitung aus dem nationalsozialistischen Wochenblatt Weckruf. Maßgeblich beteiligt war Coburgs NS-Führer und erster von der NSDAP gestellter Bürgermeister Deutschlands (ab 28.8.1930 als 3. Coburger Bürgermeister, 1933 Coburger Oberbürgermeister) Franz Schwede (1888–1960). Sein so neuartiges wie erfolgreiches Konzept bestand darin, nationalsozialistische Propaganda mit Berichten aus dem regionalen Alltagsleben zu verbinden. Die Schriftleitung lag bei dem Altparteigenossen Erich Kühn, der die gleiche Funktion zuvor bei der Coburger Zeitung innehatte.

In nur vier Jahren, vom Gründungsjahr bis 1934, dem Jahr der Fusion mit der ebenfalls nationalsozialistischen Bayerischen Ostmark, konnte die Coburger National-Zeitung ihre Startauflage von 1.200 auf das nahezu Achtfache erhöhen. Gleichzeitig brachen bei der Coburger Zeitung die Auflagenzahlen so ein, dass sie 1935 ihr Erscheinen einstellen musste. Nach Beschlagnahmung und Schließung des Coburger Volksblatts 1933 und der Zusammenlegung mit dem Coburger Tageblatt 1940 war die Coburger National-Zeitung bis zu ihrem Ende am 10.4.1945 die einzige Coburger Tageszeitung und ein Musterbeispiel nationalsozialistischer Pressegleichschaltung.


Literatur:

  • Alfred Sauerteig: Coburger Zeitungsgeschichte. Coburg 1949
  • Norbert Frei: Nationalsozialistische Eroberung der Provinzpresse. Gleichschaltung, Selbstanpassung und Resistenz in Bayern. Stuttgart 1980. (Studien zur Zeitgeschichte 17)
  • „Voraus zur Unzeit“. Coburg und der Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland. Katalog zur Ausstellung der Initiative Stadtmuseum Coburg e.V. und des Staatsarchivs Coburg Coburg … 16. Mai bis 8. August 2004. Coburg 2004. (Coburger Stadtgeschichte 2)

 

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Hinweise zur Benutzung

Das Angebot steht als Blätterversion zur Verfügung. Die einzelnen Jahrgänge der Zeitungen sind durch Inhaltsverzeichnisse erschlossen. Die Coburger Nationalzeitung kann nur in den Lesesälen der Bayerischen Staatsbibliothek und der Landesbibliothek Coburg eingesehen werden.

 

Angaben zum Projekt

Dieses Informationsangebot ist ein Gemeinschaftsprojekt der Bayerischen Staatsbibliothek München und der Landesbibliothek Coburg.

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