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Codex Falkensteinensis (BayHStA KL Weyarn 1)

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Der "Codex Falkensteinensis" oder "Falkensteiner Codex" gehört zur Quellengattung der Traditionsbücher. Der Codex nimmt innerhalb der Traditionsbücher eine besondere Stellung ein, da er das einzige erhaltene Traditionsbuch einer hochmittelalterlichen weltlichen Adelsfamilie ist, während die anderen Traditionsbücher ausschließlich von geistlichen Grundherrschaften stammen.

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BayHStA München
KL Weyarn 1

Codex Falkensteinensis

 


BayHStA München
KU Herrenchiemsee 3

Urkunde Siboto (IV.)

 

 

 

Edition

Elisabeth Noichl
Codex Falkensteinensis.
Die Rechtsaufzeichnungen der Grafen von Falkenstein
München 1978

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Pfeil zur Edition (Noichl 1978)

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Pfeil zur Edition (Noichl 1978)

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Neben der zentralen Handschrift des Codex Falkensteinensis präsentiert die BLO an dieser Stelle auch die vollständige Edition des Textes, die 1978 von Elisabeth Noichl vorgelegt wurde, sowie mit KU Herrenchiemsee 3 die einzige im Original erhaltene Urkunde Siboto (IV.) als Aussteller.

 

Historischer Hintergrund

Der Codex Falkensteinensis entstand auf Veranlassung von Graf Siboto IV. von Falkenstein, der die Handschrift 1166 vor seinem Aufbruch zum vierten Italienzug Kaiser Friedrich Barbarossas durch Kanoniker des Augustinerchorherrenstifts Herrenchiemsee anlegen ließ, um seinen unmündigen Kindern im Falle seines Todes den Familienbesitz zu erhalten. Dieser lag vor allem im Chiemgau und Sundergau sowie im Unterinntal, mit den vier Burgen Falkenstein bei Flintsbach am Inn, Hartmannsberg bei Bad Endorf, Neuburg bei Vagen und Hernstein in Niederösterreich. So beinhaltet die Handschrift eine Übersicht der gräflichen Lehen und verschiedene Verzeichnisse über Einkünfte und Familienbesitz.

Des weiteren enthält der Codex Traditions- und Kirchweihnotizen sowie eine kurze Genealogie der Familie, eine Aufzeichnung über eine Kirchenbuße, einen geheimen Mordauftrag, einen Hinweis auf eine 1133 stattgefundene Sonnenfinsternis und ein mittelalterliches Arzneirezept. Eine weitere Besonderheit des Codex sind die zahlreich enthaltenen Miniaturen, darunter ein Portrait der Familie der Falkensteiner. Die Handschrift befindet sich heute im Bayerischen Hauptstaatsarchiv in München (Signatur: KL Weyarn 1).

 

Literatur (Auswahl):

  • John B. Freed, The Counts of Falkenstein: Noble Self-Consciousness in Twelfth-Century Germany. Philadelphia (Transactions of the American Philosophical Society; 74,6), 1984 (→ Digitalisat - Google Books).
  • Werner Rösener, Codex Falkensteinensis. Zur Erinnerungskultur eines Adelsgeschlechts im Hochmittelalter, in: Ders. (Hg.), Adelige und bürgerliche Erinnerungskulturen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit (Formen der Erinnerung; 8) Göttingen 2000, S. 35-55.



Hinweise zur Benutzung

Das Angebot steht derzeit in einer Blätterversion zur Verfügung.


Angaben zum Projekt

Die Digitalisierung des Codex Falkensteinensis erfolgte gemeinsam mit der dazugehörigen Edition von Elisabeth Noichl, "Codex Falkensteinensis. Die Rechtsaufzeichnungen der Grafen von Falkenstein". In der Edition ergänzt Elisabeth Noichl den Text des Codex durch eine kurz nach dem Codex Falkensteinenis entstandene und nur kopial überlieferte deutsche Übersetzung des Codex.

Die Bereitstellung der Handschrift und der Edition erfolgt in mehreren Stufen. Sie beginnt mit der Bereitstellung der reinen Blätterversionen, wobei die Edition durch ein Inhaltsverzeichnis erschlossen ist. In einem weiteren Projektabschnitt werden die Images der Handschrift und der Edition verknüpft und der als Volltext erschlossene Editionstext mit einer umfangreichen Suchfunktion bereitgestellt, des weiteren werden die im Register genannten Ortsnamen mit der Bayerischen Ortsnamendatenbank der BLO verknüpft. Die Einbindung eines moderierten Dialogmoduls soll Forschern und wissenschaftlich interessierten Personen die Möglichkeit des ergänzenden Wissenstransfers bieten.

"Der Codex Falkensteinensis (1166-1196)" ist ein Angebot des Bayerischen Hauptstaatsarchivs und der Bayerischen Landesbibliothek Online, des zentralen kulturwissenschaftlichen Informationsportals zu Bayern. Das Projekt ist seit 2007 online. Die Ergänzung der Urkunde KU Herrenchiemsee 3 erfolgte im Juni 2012.

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