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Cozroh-Codex Regesten fol. 73 - 173

Cozroh-Codex: fol. 73 Cozroh-Codex: fol. 73.

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Erschließung der Handschrift HL Freising 3a - Digitale Edition

 

von Adelheid Krah
Institut für Österreichische Geschichtsforschung / Universität Wien
Institut für Bayerische Landesgeschichte / LMU München

 

 

 

 

 

f. 73 (Atto nr. 1) „In nomine domini incipiunt traditiones de temporibus Attonis episcopi inprimis de campo Gelau quod dicitur India“, 769 (TF 34). Initienblatt. Hz. Tassilo III. schenkt den Ort Innichen an Abt Atto von Scharnitz zum Zweck der Slawenmission. Ausfertigung des Originals in Bozen durch die hzl. Kanzlei. – Lit.: E. Zöllner, Der bairische Adel und die Gründung von Innichen, MIÖG 68, 1960, 362-387; Jahn, DB 423-425, zu den Zeugen Kislolt u. Jubeanus der Subskriptionsliste auf f. 73v ders., 274.
f. 73v-75 (Atto nr. 2) „Traditio Altigunda de Alpicha“, 808 VI 27 (TF 278). Schenkung mit Präkarienvertrag: Altigund schenkt Besitz zu Albaching und erhält dort das Benefizium des Priesters Cotahelm. – Lit.: Krah, Cozroh 417 [pdf].
f. 95-95v (Atto nr. 44) „Traditio Uueltoni et Pilihilta coniugis”, 790 IV 28 (TF 127b). Notitia der Schenkung eines Bethauses zu Altham (Kirchdorf, Gde. Erding, Lkr. Erding) durch das Ehepaar Uuelto und Pilihilt. Auffällig ist die Datierung nach dem 2. Jahr der Absetzung Hz. Tassilos „Actum est haec IIII. kal. mai. in secundo anno translatus est Tassilo dux de regno suo“. Vgl. dazu auch die auf f. 158v-159 (Atto nr. 177) im Codex wesentlich später inserierte Charta über dieses Rechtsgeschäft, in welcher der Text der Notitia geglättet wurde: Vom Bethaus in Altham ist nicht mehr die Rede und datiert wurde nach Karl d. Gr.: „Haec autem factum est die consule quod facit IIII. kal. mai. anno secundo quod domnus rex Carolus Baiuariam adquisiuit ad (sic!) Tassilonem clericauit“ (f. 159). – Lit.: Krah, Cozroh 415f. [pdf].
f. 97 (Atto nr. 50) „Traditio Deotlinda de Neritinga”, 788 X 1 (TF 120). Deotlind schenkt ihren Besitz zu Nörting (Gde. Kirchdorf a.d. Amper, Lkr. Freising) als Memorialstiftung an Freising. Basis der späteren Gründung der Martinskirche in Nörting (Störmer, Früher Adel 141 u. 369). Frühestes Dokument des Herrschertitels Karls d. Gr. in der Handschrift: „regnante domno magnifico atque glorioso Karolo rege Francorum atque Longobardorum seu patricio Romanorum anno XX“ (f. 98); vgl. Krah, Cozroh 416 [pdf].
f. 108v (Atto nr. 76) „Traditio Hadumari seu Helmuuini”, ca. 804-808 (TF 213). Votivstiftung eines Hofes zu Frauenvils (Gde. Taufkirchen/Vils, Lkr. Erding) durch den Grafen Helmuuin und seinen Sohn.
f. 111-111v (Atto nr. 82 u. 83) „Traditio Starcholfi et Hiltolfi filius eius“, 804 II 13 (TF 194).
„Census eorum uel traditio“, 804 II (TF 195). Schenkungen an das Hochstift gegen Präkarienvertrag der Kirche zu Aßling (Gde., Lkr. Ebersberg). – Lit.: G. Mayr, Ebersberg, 368, vgl. Ortsverzeichnis 389.
f. 115 (Atto nr. 92) „Causa Hunkeri presbiteri de Piparpah“ (TF 234). Die Martinskirche zu Biberbach war demnach Besitz des ersten Freisinger Bischofs Ermbert (730?-748). Ort: Biberbach (Gde. Röhrmoos, Lkr. Dachau) 4 km nördlich von Ampermoching (Gde. Hebertshausen, Lkr. Dachau). Lit.: Jahn, DB 149-152, zur Siedlungskammer am Biberbach.
f. 115v „Conuenientia Attonis cum uiris qui uocantur Mohingara“ (TF 235). Gerichtsentscheidung im Kontext zu Atto nr. 92 verschriftlicht: Die Leute von Moching unterliegen im Prozess um ihre Eigenkirche in Biberbach und verzichten auf ihre Ansprüche. – Lit. zur frühen Adelsherrschaft der „uiri qui uocantur Mohingara“ im Siedlungsland Feldmoching (Stadtteil v. München), Ampermoching (Gde. Hebertshausen, Lkr. Dachau) u. Biberbach (Gde. Röhrmoos, Lkr. Dachau): Störmer, Früher Adel 49f.; Jahn, DB 149-151.
f. 116-117v Priestertraditionen.
f. 116 (Atto nr. 93) „Uuafanheri presbiter de Filusa“ (TF 269). Der Priester Uuafanheri schenkt seinen in Frauenvils (Gde. Taufkirchen/Vils, Lkr. Erding) erwirtschafteten Besitz an Freising.
f. 116v (Atto nr. 95) „Traditio Uuolchrati et Heripald presbiteri“ (TF 113). Die Priester Folchrat und Heripald schenken ihr Waldkirchlein an der Vils. – Lit.: Sturm, Preysing 93ff.
f. 117v (Atto nr. 94) „Radolt presbiter ad Feldmohingun” (TF 220). Der Priester Ratolt bestätigt die Schenkung seines Besitzes zu Feldmoching (Stadtteil v. München). – Lit.: Störmer, Früher Adel 50.
f. 118v (Atto nr. 101) „Alpkis de Filusa“ (TF 136). Alpkis von Frauenvils (Gde. Taufkirchen/Vils, Lkr. Erding) schenkt ihren dort ererbten und erwirtschafteten Besitz.
f. 120 (Atto nr. 104) „Traditio Folchmar Rathelmesdorf“, 804 XII 2 (TF 204). Memorialstiftung.
f. 133-136
(Atto nr. 133, 134, 135, TF 19, 53, 45b) Gründungsurkunden der Klöster Scharnitz (PB Innsbruck-Land, Tirol, A), (763 VI 29) und Schlehdorf (Gde., Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen), (722 VIII 18). - Das abgekommene Kloster Scharnitz lag vermutlich im heutigen Klais (Gde. Krün, Lkr. Garmisch-Partenkirchen) oder in der Gegend von Mittenwald (Lkr. Garmisch-Partenkirchen); "in solitudine Scarantiense" war die Bezeichnung des gesamten Landschaftsraumes. -  Lit.: ANB Österreich, 974; Jahn, DB 409ff.
. 136-136v Protokoll vom „placitum“ zu Buchenau, 827 VIII 21 (TF 548). Bf. Hitto und Gf. Uuillihelm bestimmen die Slawengrenze am Zinbach beim Gotteshaus Buchenau (Pfarre Buchenau PB Linz OÖ.A); Nachtrag.
f. 137-144 (Atto nr. 137-142) Streitfälle und Gerichtsentscheidungen.
f. 143v-144 (Atto nr. 141) „Contentio Attonis cum Rumoldo et fratribus eius“, 807 VII 16 (TF 258). Gerichtstag Ebf. Arns v. Salzburg u. der Gf. Orendil u. Amalrih im Kloster Karoz.
144v-146 Gerichtsentscheidung, 806 XII 15 (TF 227). Gerichtstag der „missi dominici inprimis Arn archiepiscopi“ im königlichen Fiskus Ötting.
f. 145-156 (Atto nr. 147-171) Streitfälle und Gerichtsentscheidungen.
f. 156v-157 (Atto nr. 172) Aso schenkte 807 Besitz zu Mammendorf und erneuerte diese Schenkung im folgenden Jahr am 15. 8. 808. Die Notiz am linken und oberen Rand bringt die namentliche Nennung der offensichtlich bei der Kopie dieser Traditionsnotitia vergessenen, jedoch von Aso und seiner Gattin Engilrihc mitgeschenkten, den Besitz bewirtschaftenden „mancipia“, darunter eine Meripurc (TF 264 und TF 503). Vgl. die weitere Renovatio der Schenkung durch Aso im Jahr 824, kurz vor seinem Tode auf f. 307-307v (Hitto nr. 205, TF 502). – In beiden Rechtserneuerungen fungiert Spulit bei der Besitzübergabe als Zeuge bzw. als „legitimus missus“ der Freisinger Bischöfe.
f. 158v-159 (Atto nr. 177) „Traditio Uueltoni et Pilihilt Altheim”, 790 IV 28 (TF 127a). Charta. Vgl. bei f. 95 (Atto nr. 44).
f. 160-165v (Atto nr. 190-199) Urkunden des Klosters Schlehdorf (Konvolut). – Lit.: Jahn, DB 408-448; Schlehdorf, (Gde., Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen).
f. 160 (Atto nr. 190) „Traditio Attonis abbatis ad Cheanperc”, 772 VIII 18 (TF 45a). Beginn der Schlehdorf-Akten der Handschrift. Abt Atto tradiert den ihm überlassenen Erbbesitz Oadakers zu Kienberg an das Kloster mit Zustimmung Hz. Tassilos III. – Lit.: Nach Jahn, DB 428, wurde die Schenkung und ihre Erneuerung nicht in Kienberg sondern in Regensburg verbrieft; zu Scharnitz-Schlehdorf 408-448; der Text ist nicht von Cozrohs Hand.
f. 160v-161 (Atto nr. 191) Der von Atto ernannte Abt Ellanod von Schlehdorf (zugleich Erzpriester in Freising) schenkt seinen Allodialbesitz in Fischen an sein Kloster. Diesen erhält wiederum sein Neffe Hericco zu Lehen gegen einen Jahreszins von 6 Denaren, wodurch eine Memoria für die Familie Ellanods finanziert wird. Musterbeispiel einer Charta. 809 VII 20 (TF 295). – Lit.: Zu Schlehdorf und Ellanod vgl. Jahn, DB 446-448.
f. 161v (Atto nr. 92) „Traditio Ortuni ad Grefoluingas“, 799-802 XI 26 (TF 179). Notitia einer Schenkung an das Kl. Schlehdorf. Memorialstiftung und Ausstattung der Eigenkirche in Gräfelfing (Gde., Lkr. München).
f. 163v (Atto nr. 127) „Traditio Gaioni in locis Poapintal”, 799 X 28 (TF 177). – Lit.: Störmer, Adelsgruppen 96 u. 108; G. Mayr, Ebersberg 61f. zur Landschaft Heitmeier, Inntal 248-252.
f. 164v-165v (Atto nr. 198) Prozess gegen Lantfrid aus der Scharnitzer Stiftersippe, 802 VIII 4 (TF 184). – Lit.: Störmer, Gerichtsprozesse 260; Jahn DB 438f. Als „iudex“ fungiert Gf. Orendil. Zu diesem vgl. f. 191v (Hitto nr. 10, TF 313).
f. 165v-166v (Atto nr. 199) Prozess gegen Reginperht aus der Scharnitzer Stiftersippe, 802 VIII 14 (TF 186). – Lit.: Störmer, Gerichtsprozesse 260, Jahn, DB 441. „Iudex“ ist Gf. Orendil.
f. 167v (Atto nr. 201) Drei Notitien zur Besitzausstattung der Kirche des hl. Zeno von Isen (Gde., Lkr. Erding); die Tradenten Freaso und Erchanpald sind zur Schenkergemeinschaft des Kloster Isen zu zählen (TF 289).
f. 168-169v (Atto nr. 202) „Traditio Erchanheri et Heriuuini presbiterorum“, 804 IX 16-810 I 8 (TF 200). Schenkungen und Rechtsgeschäfte des Priesters Erchanheri und seiner Sippe in der Siedlungskammer Oberalting (Gde. Seefeld, Lkr. Starnberg) und Etterschlag (Gde. Wörthsee, Lkr. Starnberg) (Aktenkonvolut, 7 Dokumente).
f. 171-173 Nachträge von Urkunden aus der Zeit Hz. Tassilos und den Jahren 791 und 792.
f. 173 (Atto nr. 211) „De ecclesia Auuicozeshusir. De concilio notitia”, 791 IX 20 (TF 142). Gerichtstag in Lorch. Erbstreit der Huosier um die Martinskirche des genannten Ortes. Die missatische Gerichtsversammlung leitete Bf. Arn von Salzburg. – Lit.: Jahn, DB 332, 486 auch zum Ort; Stahleder, Eigenkirchen 2, 46; Störmer, Gerichtsprozesse 258f. Der Gerichtstag markiert den Beginn des Awarenfeldzuges Karls d. Gr.; der Ort ist nicht sicher identifizierbar, s. Fr. Hilble, Historisches Ortsnamenbuch von Bayern 4, Lkr. Pfaffenhofen a. d. Ilm, 1983, nr. 130; Mayr, Ebersberg 89 vermutet ein „Holzhausen“.
(Stand: 11.09.2008)
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