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Einblattdrucke der Bayerischen Staatsbibliothek

Einbl. XI,190: Contrafactur der Kirchen zu Regenspurg...zu der schönen Maria... (Neudruck von 1610).Einbl. XI,190: Contrafactur der Kirchen zu Regenspurg...zu der schönen Maria... (Neudruck von 1610).

Die Bayerische Staatsbibliothek besitzt insgesamt über 20.000 Einblattdrucke und Einblattdruck-Kalender. In den Jahren 2000 bis 2004 wurden zentrale Teilbestände mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in einer eigenen, bis Anfang 2016 zugänglichen Einblattdruckdatenbank erschlossen, mit ausführlichen Beschreibungen versehen und in digitalisierter Form bereitgestellt - darunter Einblattdrucke (1501–1800) der Einblattdrucksammlung (Einbl.), bayerische Verordnungen aus dem Nachlass von Joseph Kloeckel (Kloeckeliana), Handwerkskundschaften der Sammlung Stopp (Slg.Stopp) sowie zoologische Einblattdrucke aus der Sammlung Faust (Res/Slg.Faust).

Anfang 2016 wurde die Einblattdruckdatenbank in den Verbundkatalog und den OPACplus der Bayerischen Staatsbibliothek eingespielt. Damit sind die im Projektzeitraum erschlossenen Einblattdrucke und darüber hinaus Einblattdruck-Kalender, nicht-illustrierte Drucke aus dem Zeitraum 1500 bis 1800, Einblattdrucke des 19. und 20. Jahrhunderts sowie alle seit 2004 neu erworbenen Einblattdrucke und Einblattdruck-Kalender vollzählig im OPACplus und über das Gateway Bayern recherchierbar. Mit den Katalogisaten verknüpft sind die im DFG-Projekt erfassten ausführlichen Beschreibungen sowie digitale Images der Einblattdrucke.

 

→ Zu den Digitalisaten

 

 

Bedeutung

Die herausragende Bedeutung von Einblattdrucken für die (Kommunikations-)Kultur ist heute in der Forschung unumstritten. Einblattdrucke waren Träger einer prägnanten Schriftlichkeit und Bildlichkeit. Sie wirkten in fast alle Lebensbereiche hinein bzw. wurden aus ihnen initiiert. Eine besondere Rolle spielte sicher das illustrierte Blatt, doch ist die Spannweite der Erscheinungsformen groß: Sie reicht vom reinen Text bis hin zum "Bilddruck" im Grenzbereich zur Druckgraphik.

Die Einblattdruckbestände der Bayerischen Staatsbibliothek bieten der interdisziplinären Forschung eine gesicherte Materialbasis für diese in vielen Sammlungen oft mangelhaft erschlossene Quellengattung. Die Grundlagen hierfür wurden in dem von 2000 bis 2004 laufenden DFG-Erschließungs- und Digitalisierungsprojekt gelegt.

 

Inhalt

Im Rahmen des Projektes wurden folgende Bestände mit Relevanz für die bayerische Landesgeschichte erschlossen:


a) Einblattdrucksammlung

Bereits im 19. Jahrhundert wurde eine Einblattdrucksammlung (Signaturengruppe "Einbl.") angelegt. Sie bildet mit ca. 5.000-6.000 Drucken aus der Frühen Neuzeit den Kernbestand der Einblattdruckbestände der Bayerischen Staatsbibliothek.

Neben dem darin enthaltenen größten Bestand an Inkunabel-Einblattdrucken, nachgewiesen im Inkunabelkatalog der Bayerischen Staatsbibliothek (BSB-Ink), befinden sich in der Einblattdrucksammlung zahlreiche Drucke mit Relevanz für die Erforschung der frühneuzeitlichen Geschichte und Kultur in Bayern, so u. a. zum Dreißigjährigen Krieg oder zum religiösen Leben in Bayern im 18. Jahrhundert. Die Einblattdrucksammlung umfasst aber nahezu alle im Einblattdruck veröffentlichten Themenbereiche.

 

b) Bayerische Verordnungen aus den "Kloeckeliana"

Als zweiter großer Fond wurde der Bestand an frühneuzeitlichen bayerischen Verordnungen aus dem Nachlass des Richters Franz Joseph von Klöckel (1773-1833) erschlossen. Klöckel, der in Ingolstadt u. a. Jura studiert hatte, war ab 1795 im Dienste des Propstes von Berchtesgaden als Gerichtsbeamter in Wasentegernbach tätig. Nach der Säkularisation wurde er 1806 in den bayerischen Staatsdienst als Landrichter für die Gerichte Aibling und Rosenheim übernommen, 1815 aber nach einer gegen ihn laufenden Untersuchung in den Ruhestand versetzt.

Klöckel sammelte zahlreiche Quellenmaterialien zur Geschichte Bayerns und insbesondere des Oberlandes, darunter mehr als 1.800 bayerische Verordnungen (Einblattdrucke) aus der Zeit zwischen 1500 und 1800. Dieser Bestand zählt zu den bedeutendsten geschlossen überlieferten Beständen bayerischer Verordnungen neben der Mandatensammlung im Bayerischen Hauptstaatsarchiv und dem Bestand bayerischer Verordnungen im Hauptbestand der Bayerischen Staatsbibliothek. Wertvoll ist dieser Bestand nicht zuletzt aufgrund der zahlreich vorhandenen Separatausstellungen für verschiedene Rentämter und Verordnungen der Rentämter selbst. Johann Andreas Schmeller (1785-1852) persönlich sicherte den für die bayerische Geschichte wichtigen Nachlass für die damalige Hofbibliothek in München.

Lit.:

 

c) Handwerkskundschaften der Sammlung Stopp

Einen ganz eigenen Charakter haben die rund 2.000 Handwerkskundschaften der Sammlung Stopp, die die Bayerische Staatsbibliothek in den 1990er-Jahren erwerben konnte.
Handwerkskundschaften wurden zwischen 1750 und 1850 als Nachweis für die Handwerkstätigkeit der wandernden Gesellen von den obrigkeitlichen Organen in Städten ausgestellt. Sie sind in der Regel mit einer Ansicht des jeweiligen Ortes versehen und beinhalten neben einer Charakterisierung des Handwerkers zahlreiche Unterschriften von Handwerksmeistern. Damit bilden die Handwerkskundschaften, die in Deutschland vor allem in Städten des süddeutschen Raumes ausgestellt wurden, eine wichtige prosopographische Quelle zum Handwerk in der Frühen Neuzeit. Nicht selten finden sich daneben auch die verschiedenen Aufenthaltsorte der wandernden Gesellen handschriftlich auf der Rückseite der Blätter.

 

Hinweise zur Benutzung

Bei der Erstellung der Einblattdruckdatenbank wurde großer Wert auf die inhaltliche Erschließung der Drucke gelegt. So wurden bei zahlreichen Einblattdrucken zusätzlich auch im Text erwähnte Geographika und Institutionen, Gattungsbegriffe, Ausstellungsdaten (bei Verordnungen), Illustrationen, Sprache, Sachstichwörter sowie handschriftliche Eintragungen und Nachweise in der Sekundärliteratur erfasst.

Soweit ausführliche Beschreibungen vorlagen, wurden diese bei der Migration der Daten mit der Katalogaufnahme verknüpft und sind über die „Freie Suche“ im OPACplus durchsuchbar.

Über die Einblattdrucke hinaus werden weitere Materialien zur Verfügung gestellt, so ein Verzeichnis der Gattungsbegriffe zur Klassifikation der Einblattdrucke, ein digitales Faksimile des früheren Einblattdruckrepertoriums (mit Nachweis von Einblattdrucken auch des 19. und 20. Jahrhunderts) sowie eine ca. 1.800 Titel umfassende Auswahlbibliographie zum Einblattdruck in der Frühen Neuzeit.

 

Angaben zum Projekt

Die Einblattdruckdatenbank wurde 2002-2004 von der Bayerischen Staatsbibliothek mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft aufgebaut. Im Mai 2016 wurde die Migration der Daten abgeschlossen.

 

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