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Freimaurer: Loge zum aufgehenden Licht an der Isar

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Die Freimaurer zählen zu dem Personenkreis, den das NS-Regime aus weltanschaulichen Gründen verfolgte. Die Grundideale der Freimaurerei, Toleranz und Humanität, waren mit der nationalsozialistischen Ideologie nicht zu vereinbaren. Ebenso widersprach die internationale Ausrichtung der Freimaurerei nationalsozialistischem Denken. 1933 fanden wenige Wochen nach der Machtübernahme Adolf Hitlers erste Ausschreitungen gegen Freimaurer in Deutschland statt. Ihr Zweck war es, die Brüder einzuschüchtern und zur Auflösung ihrer Logen zu bewegen.

Restituiertes NS-Raubgut: Zeitschrift für Freimaurerei (1827/28)
Restituiertes NS-Raubgut: Zeitschrift für Freimaurerei (1827/28).

In München bestanden zu diesem Zeitpunkt zehn Freimaurerlogen mit über 800 Brüdern. Aufgrund des durch das NS-Regime ausgeübten Drucks lösten sie sich alle 1933 selbst auf. Unter ihnen befand sich die Loge zum aufgehenden Licht an der Isar, die am 23. März 1902 als dritte Münchner Freimaurerloge gestiftet worden war und zum Zeitpunkt ihrer Auflösung 80 Brüder zählte. 1935 verbot das NS-Regime schließlich die Freimaurerei komplett.

Die Loge zum aufgehenden Licht an der Isar besaß eine Büchersammlung, die der gerichtlich bestellte Liquidator, ein Münchner Rechtsanwalt, der Bayerischen Staatsbibliothek am 14. Juni 1933 zum Kauf anbot. Die Erwerbungsabteilung zeigte Interesse und übernahm zwei Monate später 186 Bücher und Zeitschriftenbände überwiegend freimaurerischen und philosophischen Inhalts. Sie zahlte dafür nur 65 Reichsmark. In den darauffolgenden Wochen und Monaten arbeiteten die damaligen Mitarbeiter der Bayerischen Staatsbibliothek die Bände in den Bestand ein.

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Restituiertes NS-Raubgut: Heinrich Kraft, Die Stellung der französischen Freimaurerei und die Stellung der deutschen zu derselben, 1905.

Der Arbeitsgruppe NS-Raubgutforschung gelang es, 136 Titel in 121 Bänden aus dem Besitz der Loge zum aufgehenden Licht an der Isar zu identifizieren. Ihre Recherche setzte bei dem „Verzeichnis der aus der Bibliothek der Loge ‚zum aufgehenden Licht an der Isar‘ im August 1933 der B. Staatsbibliothek einverleibten 186 Bände“ an, das sich in den Akten der Generaldirektion der Staatslichen Bibliotheken Bayerns neben dem Briefwechsel mit dem Liquidator erhalten hat. Wie sich dann herausstellte, ist die Mehrheit der Bücher und Zeitschriften mit einem Exlibris gekennzeichnet. Es hat die Aufschrift: „Eigentum der Loge zum aufgehenden Licht an der Isar“. Viele Bücher trugen außerdem noch das Signaturschildchen, das die Loge verwendete. Sie waren demnach einfach durchnummeriert worden.

Freimaurer-Rückgabe
Rückgabe an die Freimaurer, 8. November 2013, v. l. n. r.: Klaus Kastin (Altdistriktmeister); Susanne Wanninger (BSB); Rolf Griebel (Generaldirektor, BSB); Stephan Kellner (Bavarica-Referent, BSB).

Die Münchner Freimaurerloge „Zum aufgehenden Licht an der Isar“ war nach 1945 nicht wieder gegründet worden. Die Bayerische Staatsbibliothek wandte sich wegen der Rückgabe der Büchersammlung daher an den Distrikt Bayern der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland. Als dessen Repräsentant nahm Alt-Distriktmeister Klaus Kastin die 136 Titel in 121 Bänden von Generaldirektor Rolf Griebel am 8. November 2013 entgegen. Der Distrikt übergab die Logenbibliothek anschließend dem Deutschen Freimaurermuseum in Bayreuth.

Die restituierten Titel werden im BSB-Katalog weiter angezeigt. Sie sind alle mit einer entsprechenden Bemerkung zur Provenienz versehen worden, die im OPAC unter der Rubrik „mehr zum Titel“ erscheint. Sie können mit der Eingabe „BSB-Provenienz: Loge zum aufgehenden Licht an der Isar“ über die Einfache Suche im OPAC recherchiert werden. Da der Distrikt Bayern der Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland mit der Digitalisierung einverstanden war, ist bei vielen Bänden der Online-Zugriff auf den Volltext möglich. Ausgenommen sind die Publikationen, deren Rechte nicht frei sind.