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Frühe Darstellungen zur Geschichte von Revolution und Räterepublik

Der Geiselmord in München, ausführliche Darstellung der Schreckenstage im Luitpold-Gymnasium nach amtlichen Quellen, München, 1919 Der Geiselmord in München

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Revolution und Räterepublik wurden sofort Gegenstand publizistischer Behandlung von Autoren aller politischen Lager. Dabei fällt auf, dass negative Urteile überwiegen – sowohl aus der bürgerlich-konservativen als auch aus der sozialistisch-kommunistischen Perspektive. Die frühen Bewertungen prägen die Rezeption der Ereignisse teilweise bis heute.

 

 

Inhaltsverzeichnis

Das Ende der Räterepublik in Bayern

Digitalisierter Titel:

Das Juni-Heft 1919 der populären bayerischen Monatsschrift „Das Bayerland“ behandelt aus altbayerisch-konservativer Perspektive ausführlich das Ende der Räterepublik. Die Aufsätze des Heftes widmen sich vor allem den erfolgreichen Kämpfen von Regierungstruppen und Freikorps. Auch für den Aufbau des Mythos vom Freikorps Werdenfels als „Ausdruck gesunder Volkskraft“ (S. 317) sorgte das Bayerland-Heft. Ein Foto der Werdenfelser ziert auch die Titelseite des Hefts.

Die Fotos stammen größtenteils vom späteren NS-Fotografen Heinrich Hoffmann (1885-1957). Geschickt werden „heroische“ Soldaten den „zwielichtigen“ Anführern der Räterepublik gegenübergestellt.

Literatur:

Sailer: Des Bayernkönigs Revolutionstage

Digitalisierter Titel:

Josef Benno Sailer (1866-1933) beschrieb in seiner 1919 erschienenen Broschüre das Revolutionsschicksal König Ludwigs III. (1845-1921, reg. 1912/13-1918). Den König, dem seine Sympathien galten, sah er als desinformiertes Opfer seiner Umgebung. Detailliert stellte Sailer die Flucht Ludwigs von München über Wildenwart, Hintersee, Schloss Anif nach St. Bartholomä dar.

Doeberl: Sozialismus, Soziale Revolution, Sozialer Volksstaat

Digitalisierter Titel:

Michael Doeberl (1861-1928), Inhaber des Lehrstuhls für bayerische Landesgeschichte an der Universität München, verfasste 1919 eine Artikelserie für die in München erscheinende „Allgemeine Zeitung“. In dieser behandelte er zunächst allgemein die Entwicklung des Sozialismus, um dann genauer auf die Ereignisse in Bayern einzugehen. 1920 erschienen die Beiträge in Buchform.

Der ehemalige Ministerialbeamte Doeberl bewertet die Revolution aus der Perspektive eines bayerischen Föderalisten.

Klar erkennt er, dass die MSPD unter Erhard Auer (1874-1945) einen gewaltsamen Putsch ablehnte. Die Revolution bezeichnet er als „Münchener Putsch“, sie war für ihn ein Werk der „Schwabinger Boheme“ bzw. auch „volksfremder- und zersetzender Elemente“ (S. 39). Ausgiebig reflektiert er die Gründe des raschen Zusammenbruchs der Monarchie. Kurt Eisner (1867-1919) bewegte sich nach Doeberls Auffassung „bewußt in den Bahnen des russischen Bolschewismus“ (S. 43). Auch habe Eisner den Ausgang der Landtagswahl 1919 mit der verheerenden Niederlage der USPD nicht anerkannt (S. 46). Die Befreiung Münchens von der Räterepublik der „machtlüsternen Nichtbayern“ (S. 63) sei ein Werk der Reichstruppen, aber auch „bayerischer, insbesondere bäuerlicher Kontingente“ gewesen (S. 66). Ergebnis dieses „politischen Karnevals“ (S. 66) wäre der Verlust der geordneten Finanzen Bayerns, der bayerischen Stellung im Reich und möglicherweise auch der staatlichen Existenz Bayerns (S. 66-67).

Harsch kritisiert Doeberl auch die Bamberger Verfassung. Hier vermisst er u.a. auch eine berufsständische Zweite Kammer, die „dem wertvollsten Teile des Rätegedankens Rechnung tragen könnte“. Als Ergebnis der gesamten Umbrüche sei „Bayern …schon jetzt tatsächlich nur eine Reichsprovinz mit gehobener Selbstverwaltung“ (S. 79). Die Schuld dafür sieht er bei der Regierung Eisner ebenso wie bei den Parteien, inklusive der Bayerischen Volkspartei. „Die bayerische Landesverfassung ist im Grunde nichts anderes als ein Ausführungsgesetz zur Reichsverfassung.“ (S. 85)

Im Ausblick „Der Geist des neuen Hauses“ ruft Doeberl zunächst die Verdienste des gestürzten Hauses Wittelsbach in Erinnerung. Bayern sei vor der Revolution auf dem Wege der „fortschreitenden Demokratisierung“ (S. 87) gewesen. Auch eine vernünftige und maßvolle Sozialisierung wäre unter der Monarchie verwirklicht worden. Er fordert dann aber dazu auf, sich mit den Tatsachen abzufinden und die Demokratie nicht zu akzeptieren, sondern „die Herrschaft des souveränen Gesamtvolkes und seiner Gesamtinteressen“ zu verwirklichen (S. 91). Entscheidend sei die Überwindung von Klassengegensatz und Klassenhass. „Wer diesen Feind überwindet, ist der wahre soziale Messias des deutschen Volkes.“ (S. 92)

Die Abhandlung schließt mit einem 70seitigen Dokumentenanhang. Abgedruckt sind unter anderem der Antrag „Auer-Süßheim“ samt Begründung von 1917 sowie der königliche Erlass vom 2. November 1918 über die Parlamentarisierung des bayerischen Staates.

Von Eisner bis Egelhofer. Der Kommunismus in München

Digitalisierte Titel: Der Kommunismus in München, München 1921 (= Von Eisner bis Eglhofer. Die Münchener Revolution 1918 bis zum Zusammenbruch der Räteherrschaft, München 1922).

Unter dem Titel „Der Kommunismus in München“ stellen die sechs Hefte die Entwicklung zwischen November 1918 und Mai 1919 dar. Die Arbeit verzichtet auf auffällige Polemiken und bemüht sich, sachlich zu bleiben. Auffällig ist ihr Abbrechen mit dem 1./3. Mai 1919. Die anschließenden Vergeltungsaktionen („Weißer Terror“) werden nicht erwähnt.

Herausgeber der Schriftenreihe war der Forstrat Georg Escherich (1870-1941). Escherich war Leiter der „Organisation Escherich“ (Orgesch), des Dachverbands der Einwohnerwehren, die eine wichtige Stütze der „Ordnungszelle Bayern“ darstellte.

Die Hefte erschienen 1921 in der Reihe der "Escherich-Hefte" unter dem gemeinsamen Titel "Der Kommunismus in München". 1922 wurden die sechs Hefte in einem gemeinsamen Umschlag mit dem Titel "Von Eisner bis Eglhofer. Die Münchener Revolution vom November 1918 bis zum Zusammenbruch der Räteherrschaft" vertrieben.

Literatur:

Die Münchener Tragödie

Digitalisierter Titel:

Noch 1919 erschien in der Berliner „Verlagsgenossenschaft Freiheit“, der USPD zuzurechnen, eine Darstellung der Münchner Ereignisse 1918/19. Fast der Hälfte der Darstellung widmet sich dem „weißen Terror“ nach der Befreiung Münchens, dessen Opfer ausgiebig gewürdigt werden. In den abschließenden „Lehren aus der Tragödie“ wird die Sicht der USPD auf die Ereignisse wiedergegeben.

Kommunistische Stimmen

Exakte Titel:

  • Michael Smilg-Benario, Drei Wochen Münchener Räterepublik (Beiträge zu den Problemen der Zeit), Berlin 1919.
  • P. Werner (=Paul Frölich), Die Bayrische Räterepublik, Leipzig 1919.

Wichtige frühe Abhandlungen aus kommunistischer und sozialistischer Sicht veröffentlichten der KPD-Politiker Paul Frölich (1884-1953) und Michael Smilg-Benario (geb. 1895-nach 1970). Beide Titel unterliegen noch dem Urheberschutz.

Smilg-Benario, der selbst an der russischen Revolution mitgewirkt hatte, kam zu einem sehr negativen Urteil über das kommunistische Vorgehen, das in München blind die Methoden des russischen Bolschewismus anwenden wollte und daher notwendigerweise scheiterte. Demgegenüber kritisierte aus Sicht der KPD Frölich, dass Bayern für eine Räterepublik noch nicht reif gewesen sei und kommunistische Prinzipien nicht energisch genug umgesetzt worden seien.

Der Geiselmord in München

Digitalisierter Titel:

Größte publizistische Aufmerksamkeit fand der sog. Geiselmord im Luitpold-Gymnasium. Kurz vor Ende der Räterepublik wurden am 30. April 1919 zehn Gefangene erschossen, größtenteils Mitglieder der Thule-Gesellschaft, die wenige Tage zuvor festgenommen worden waren. Noch 1919 erschien eine Reihe von Darstellungen zum „Geiselmord“, von denen hier eine dokumentiert wird.

Literatur:

 

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