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Bayerische Staatsbibliothek München: Clm 13022

Zum Digitalisat.Clm 13022, fol. 9r: Initiale A mit Darstellung der Maria Eleousa.

Missale secundum rubricam et breviarium Ratisbonense
Regensburger Missale

 

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Das Regensburger Missale umfasst 275 Pergamentblätter, die eine Größe von 38,5 x 29,5 cm aufweisen. Der Text ist in Frakturschrift in einen zweispaltigen Schriftspiegel eingetragen. Die Handschrift enthält neun Miniaturen, die von Berthold Furtmeyr zwischen 1470 und 1480 ausgeführt wurden.  Neben einem ganzseitigen Kanonbild (37,7 x 27,5 cm, fol. 164v), zwei Bildeinschlussinitialen (0,9 x 0,9 cm, fol. 9r, fol. 165r) beinhaltet das Messbuch, das wahrscheinlich für Bischof Heinrich IV. von Absberg (geboren 1409, regierte von 1465 bis zu seinem Tod 1492) angefertigt wurde, sechs Initialen mit Rankendekor. Die Handschrift wurde 1812 aus der Regensburger Stadtbibliothek nach München abgegeben.

Clm 13022, fol. 9r

Zu sehen ist eine A-Initiale, in der sich Maria mit dem Jesusknaben befindet. Maria trägt ein langes Kleid mit zarter roter Musterung, darüber, der ikonographischen Tradition entsprechend, einen blauen Mantel. Das auf ihrem rechten Arm sitzende Kind ist unbekleidet. Maria wendet ihren Blick dem Kind zu und zusätzlich berühren sich die Köpfe der beiden, wobei das Kind seine Wange sanft an die der Mutter zu schmiegen scheint und ihre Blicke sich treffen. Das Kind hat sein linkes Ärmchen um den Kopf der Mutter geschlungen und klammert sich somit fest an sie. Es trägt eine Gloriole. Den Kopf Mariens ziert eine Krone mit Gloriole. Im oberen Teil des Hintergrundes gehen von den Köpfen der zwei Figuren strahlenförmige goldgelbe Linien aus, die von der inneren Kontur der Initiale eingeschlossen werden. Mutter und Kind befinden sich wie in einem schützenden Rahmen inmitten der dunkelblauen Initiale, deren robuste Form im Kontrast zu den filigran gezeichneten Figuren steht. Trotz der wuchtigen Form der Initiale überziehen geschwungene Linien den Binnenraum des Buchstabenkörpers. Furtmeyr zeigt hier eine Maria Eleousa, ein besonders menschliches und inniges Madonnenbild, welches gegen Ende der frühbyzantinischen Zeit entstand. Durch die nie überbotene Innigkeit wird es zu einer sehr beliebten Variante der Darstellung Marias mit dem Jesusknaben. Die Übersetzung des griechischen Wortes Eleousa bedeutet Gottesmutter des Erbarmens bzw. der Rührung. Die Bezeichnung kommt aus der Vorstellung, Maria habe schon seit der Darstellung im Tempel das tragische Geschick ihres Sohnes vorausgeahnt (vgl. Lk 2,35) und daher tiefstes Erbarmen mit ihm gehabt.

Clm 13022, fol. 164v

Auf dem einzigen Kanonbild des Regensburger Missale befindet sich Christus am Kreuz. Maria und Johannes stehen daneben. Das Kreuz in Form des griechischen Buchstabens Tau ist genau in das Bildfenster eingepasst. Die ganze Komposition wirkt streng geometrisch. Maria und Johannes stehen in gleichen Abständen zu beiden Seiten des Holzpfahles. Maria im blauen Mantel hat die Arme kreuzförmig auf ihrer Brust verschränkt und blickt traurig zu Boden. Der Schmerz kommt in ihren Gesichtszügen deutlich zu Tage. Johannes hingegen faltet die Hände unter seinem langen grün-roten Mantel zum Gebet und richtet seinen Blick auf den am Kreuz erhöhten Jesus. Dieser wirkt unverhältnismäßig groß im Vergleich zu den beiden anderen Figuren. Sein Kopf ist umgeben von einer Gloriole und scheint bereits leblos zur Seite gekippt zu hängen. Aus dem ganzen Körper fließt Blut. Das Lendentuch ist statisch an den Körper gebunden und unterstützt den starren Gesamteindruck des Bildes. Der dunkle Boden variiert wenig, der hellrote Hintergrund hingegen besteht aus dunklen ornamentalen Spiralen und Ranken, die wiederum in Kontrast stehen mit dem Geschehen im Vordergrund. Um die ganze Szenerie zieht sich ein breiter schattierter blauer Rahmen, der an drei Seiten mit wenig geschwungenen rankenartigen Verzierungen auskommt, welche die Farben des Bildes wieder aufnehmen.

Clm 13022, fol. 165r

Bei der Darstellung des Schmerzensmannes handelt es sich um eine Te Igitur-Initiale. Jesus erhebt sich aus einem rechteckigen Sarkophag aus hellgrünem Stein und hebt beide Arme nach oben. Der Schmerzensmann ist ein überhistorisches Bild des geopferten Christus, das die Passion und die Wiederholung des Opfers in der Eucharistie umgreift. Dazu zählen auch die Motive der Auferstehung Christi, das Leben Christi und Christus in der Rast. Aus der Bibel können die Prophezeiungen über die Leiden des Menschensohnes aus den Gottesknechtsliedern im Buch Jesaja auf ihn bezogen werden (Jes 42,1–9; 49,1–9c; 50,4–9; 52,13–53,12). Christus ist sowohl lebendig als auch gekreuzigt gezeigt. Die erhobenen Arme und der gesamte Oberkörper stehen im Kontrast zu den blutenden Wunden, die seinen Körper überziehen und auf den Tod hinweisen. Furtmeyr verwendet die älteste, bis ins 16. Jahrhundert weiterlebende Form der Darstellung des Schmerzensmannes, in welcher Christus halbfigurig mit leicht geneigtem Haupt zu sehen ist. Es handelt sich hier um einen wundenweisenden Schmerzensmann, der mit erhobenen Händen die Spuren der Kreuzigung zeigt, aus denen das Blut in den Sarkophag tropft.

Wolfgang Neiser, Regensburg

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