Bayerische Landesbibliothek Online
Das Portal zu Geschichte und Kultur des Freistaats

Bayerische Staatsbibliothek München: Clm 14045

Zum Digitalisat.Clm 14045, fol. 32v: Kanonbild.

Missale festivum
Missale des Petrus Krüger für den Emmeramer Abt Ulrich Pettendorfer (reg. 1402 - 1423)
Darin: Kanonbild des Berthold Furtmeyr, fol. 32v.

 

Zum Digitalisat. Zum Digitalisat

Zurück zur Übersicht. Zurück zur Übersicht


Die 220 Pergamentblätter (0,35 x 0,26 cm) umfassende Handschrift wurde 1406 von dem wahrscheinlich aus Breslau stammenden Schreiber Petrus Krüger für Abt Ulrich Pettendorfer (gestorben 1426) von St. Emmeram in Regensburg angefertigt. Auftraggeber und Schreiber werden in einer Inschrift auf fol. 216r genannt. Die Betonung der Eigenfeiern der Benediktiner, sowie des Bistums Regensburg im Kalender des Missale legen eine Zuordnung nach St. Emmeram nahe. Der Text ist einspaltig in Textura mit Rubrizierungen ausgeführt. Die Handschrift wurde von einer Hand mit 3 Vollbildern, 53 Bildeinschlussinitialen und fünf Fleuronée-Buchstaben in Deckfarbenmalerei mit Gold ausgestattet. Das Kanonbild (fol. 32v) wurde zwischen 1480-90 durch eine von Berthold Furtmeyr angefertigte Kreuzigungsdarstellung ersetzt. Ein Teil des alten Kanonblattes, das Schweißtuch der Veronika, wurde jedoch bewahrt und auf den unteren Rand des neuen Bildes geklebt. Die Handschrift befand sich bis zur Säkularisation in der Klosterbibliothek von St. Emmeram und kam 1811 nach München.

Das in den Jahren zwischen 1480 und 1490 von Berthold Furtmeyr angefertigte Kanonbild ist als fol. 32v an den Falz des herausgeschnittenen Vorgängerblattes angeklebt. Die 0,35 x 0,25 cm große Kreuzigungsszene ist mit Deckfarben und Goldauflage auf Pergament ausgeführt. Die kleine Vera Ikon ("Schweißtuch der Veronika") am unteren Rand wurde aufgeklebt. Das sogenannte Krügersche Missale, das um 1406 entstanden sein dürfte, gehörte zum Besitz des Klosters St. Emmeram in Regensburg.

Vor einer Hügellandschaft mit Goldgrund ist eine Kreuzigungsszene dargestellt. Der am Kreuz hängende Christus erscheint in Begleitung mehrerer Personen, die durch einen Heiligenschein ausgezeichnet sind. Es handelt sich hierbei um das einzige Kanonbild, in dem Furtmeyr die Anzahl der beigeordneten Personen auf insgesamt fünf erweitert hat. Auf der rechten Seite befinden sich Maria, Johannes und die am Boden kniende Maria Magdalena. Auf der linken Seite stehen zwei Frauen unter dem Kreuz. Beide tragen lange farbige Gewänder mit ausgeprägtem Faltenwurf und haben die Hände zum Gebet gefaltet. Eindeutig identifizieren lässt sich anhand der Ikonographie nur Maria, und in diesem Kontext Maria Magdalena. Ihre Mimik scheint keineswegs traurig. Die fein modellierten Gesichter haben eher einen ruhigen Ausdruck. Der Blick geht in die Richtung des ans Kreuz genagelten Christus. Die beiden Personen am rechten Bildrand wirken ebenso gelassen, Maria im blauen Mantel hält den Kopf leicht schräg und schaut mitfühlend. Einzig Maria Magdalena klammert sich aufgewühlt an den Stamm des aufgestellten Kreuzes. Die in Tau-Form errichteten Holzbalken wurden genau in den Rahmen eingepasst. Vor dem Kreuz liegen ein Totenschädel sowie weitere menschliche Knochenteile, eine bildliche Übersetzung des Wortes Golgatha, das übersetzt Schädelhöhe heißt (Joh 19,17). Im Hintergrund ist eine Hügellandschaft zu sehen, die sich vor dem leuchtenden Goldgrund abhebt und beinahe mit diesem zu verschmelzen scheint. Durch die aufwendige Licht- und Schattengestaltung hebt sich der Körper des Gekreuzigten vom Untergrund ab und tritt fast dreidimensional aus dem Bild heraus. Der weiße, schon vom Blut durchtränkte Lendenschurz flattert zu beiden Seiten um den geschundenen Leib. Dies ist zum einen eine Metapher für das Aushauchen des Lebensatems, zum anderen stellt Furtmeyr mit dieser gekonnten Darstellung auch sein künstlerisches Können unter Beweis.

Umrahmt wird die Szene von einem aufwendigen ornamentalen Rankenschmuck. Weniger aus der Natur als vielmehr aus dem Gedächtnis des Künstlers entspringen die Formen und Phantasiegebilde. In zahlreichen Facetten bedecken die farbenprächtigen Blüten und Ranken den Rahmen. In der Mitte der unteren Rahmenleiste ist eine kleine Miniatur mit dem Schweißtuch der Veronika aufgeklebt. Das Abbild des Herrn auf ihrem Schweißtuch erhält sie auf seinem Kreuzweg. Veronika reichte ihm das Tuch, damit er sich Schweiß und Blut vom Gesicht wischen konnte. Das Sudarium trägt seitdem entweder das dornengekrönte oder wie in diesem Fall, ideale Portrait. Geschickt wurde es in den geschmückten Rahmen eingebettet und ist selbst mit Rauten und Linien verziert.

Wolfgang Neiser, Regensburg

Nach oben

 

Hinweis: Durch die Nutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.