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Die Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen

Darstellung des Weinablassers Kunz Kastner von 1474 (Amb. 317.2° Folio 94 r) Darstellung des Weinablassers Kunz Kastner, 1474 (Amb. 317.2° Folio 94r).

Mit den sogenannten Hausbüchern der Mendelschen und Landauerschen Zwölfbrüderhausstiftungen besitzt die Stadtbibliothek Nürnberg die umfangreichste und wertvollste serielle Bildquelle zum historischen Handwerk in Europa.

Vom Bäcker bis zum Zimmermann, vom „Ablader“ bis zum „Zuckermacher“ schildern die zwischen 1425/26 und 1806 geführten Memorialbücher in fast 1.200  Darstellungen zahlreiche Herstellungsverfahren und Handwerkserzeugnisse vom 15. bis zum 19. Jahrhundert.

 

Die Mendelschen und Landauerschen Hausbücher

Die beiden Nürnberger Zwölfbrüderbücher waren als Chroniken und Totenbücher zweier Nürnberger Sozialstiftungen des späten Mittelalters angelegt worden. Ohne Unterbrechung wurden sie bis zum Ende der reichsstädtischen Selbständigkeit im Jahr 1806 mit strenger Kontinuität gepflegt: vorderhand der steten Erfüllung des Stiftungszwecks Ausdruck verleihend - und gleichzeitig ein immens reiches Bildmaterial erzeugend.

Der vermögende Handelsmann Konrad Mendel hatte 1388 ein Altenheim zur Wohnstätte und Verpflegung für jeweils zwölf bedürftige, alte Nürnberger Handwerker erbauen und mit Kapital für eine dauerhafte Führung ausstatten lassen. Seit etwa 1425/26 wurde jeder „Mendelbruder“ mit einem ganzseitigen Bildnis im Mendelschen Hausbuch porträtiert. Es wuchs bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit auf einen Umfang von insgesamt 857 Bildseiten mit 765 Handwerkerdarstellungen im Folioformat an.

Die Darstellungen zeigen die Brüder vorwiegend in Ausübung ihres Handwerks, mit kennzeichnenden Herstellungsverfahren, typischen Werkzeugen, Werkstattausstattungen, Werkstoffen und Erzeugnissen - motivisch detailliert und von großer, unmittelbarer Authentizität. Jeweils hinzugefügt wurde ein Text; zunächst nur die Namen und biografischen Daten des Bruders, in späteren Jahrhunderten um Kurzbiografien erweitert.

Mendels Stiftungsmodell fand im frühen 16. Jahrhundert eine prominente Nachfolge, als der Montanunternehmer Matthäus Landauer ein zweites Nürnberger "Zwölfbrüderhaus" mit ähnlicher Funktion und gleicher Memorialbuchform ins Leben rief: die Landauersche Zwölfbrüderstiftung mit ihrem gleichnamigen, 1511 begonnenen Hausbuch, das 439 Bildseiten mit 406 Handwerkerbildnissen umfasst. Auch diese Stiftung hatte bis 1806 Bestand.

Die Handschriften

Folgende Handschriften der Stadtbibliothek Nürnberg bilden den Bestand der Zwölfbrüderbücher:

Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung
Teil I (ca. 1425 - 1549) - Amb. 317.2° (ausführliche Beschreibung im PDF-Format, 26KB)
Teil II (1550 - 1791) - Amb. 317b.2° (ausführliche Beschreibung im PDF-Format, 34KB)
Teil III (1791 - 1799) - Amb. 318.2° (ausführliche Beschreibung im PDF-Format, 11KB)

Hausbuch der Landauerschen Zwölfbrüderstiftung
Teil I (1511 - 1706) - Amb. 279.2 (ausführliche Beschreibung im PDF-Format, 27KB)
Teil II (1708 - ca. 1806) - Amb. 279b.2° (ausführliche Beschreibung im PDF-Format, 24KB)

Literatur

Christine Sauer, Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen, in: Historisches Lexikon Bayerns

 

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Hinweise zur Benutzung

Die Handschriften liegen als Blätterversionen mit umfangreicher paralleler Edition zur Verfügung. Über Freitext- und Detailrecherche lassen sich die Digitalisate nach transkribierten Inschriften und handwerkstechnischer Ikonografie durchsuchen. Ferner werden Register zu Berufen, Berufsgruppen, Nachnamen, abgebildeten Arbeitsgeräten, Materialien und Erzeugnissen, sowie Krankheiten angeboten.

 

Angaben zum Projekt

Die Digitale Erschließung und Edition der Hausbücher der Nürnberger Zwölfbrüderstiftungen wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Förderbereich Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme von 2007 bis 2009 mit einer Laufzeit von 15 Monaten gefördert. Projektpartner waren die Stadtbibliothek Nürnberg als Besitzerin der Hausbücher der Mendelschen und Landauerschen Zwölfbrüderstifung und das Germanische Nationalmuseum als informationstechnologischer Kompetenzträger.

Zur ausführlichen Projektbeschreibung.

Im Rahmen der Bayerischen Landesbibliothek Online wird das Projekt seit September 2009 präsentiert.

Stadtbibliothek Nürnberg

Germanisches Nationalmuseum

Deutsche Forschungsgemeinschaft