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Ausgewählte Inkunabeln der Dombibliothek Freising und der Bibliothek des Metropolitankapitels München

bsb00062260_2 Aus J 107: Exlibris Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfings (1696)

Die Sammlungen der Dombibliothek Freising und der Bibliothek des Metropolitankapitels München hüten in ihren Beständen insgesamt 285 Inkunabeln. Bei der Neukatalogisierung bzw. Einbringung der Inkunabelbestände in den Bibliotheksverbund Bayern wurde festgestellt, dass 18 Ausgaben bisher noch nicht in den Beständen der Bayerischen Staatsbibliothek nachgewiesen sind. Von einer Inkunabel (J 115) wird in Freising das einzige bekannte Exemplar aufbewahrt.

Dieser besondere Teilbestand wird hier in Form von Volldigitalisaten bereitgestellt und durch kurze Texte beschrieben.

 

Zur Geschichte der Dombibliothek Freising

Schon seit der Gründung des Bistums Freising 739 bestand auf dem Freisinger Domberg eine Bibliothek. Ein planmäßiger Aufbau von Bibliothek und Schreibschule begann jedoch erst unter Bischof Arbeo (764-784). Den Höhepunkt ihrer Produktivität erreichte die Schreibschule unter den Bischöfen Hitto (811-835) und Erchanbert (836-854). Ingesamt sind aus der Dombibliothek über 650 Codices mit antiken und mittelalterlichen Texten überliefert. Besonders bedeutend sind die "Freisinger Denkmäler", die ältesten Texte in altslawischer Sprache, enthalten in einem Handbuch für die Slawenmission, das unter Bischof Abraham (957-994) in Freising entstand. Berühmtheit erlangte Bischof Otto I. von Freising (1138-1158) als Gelehrter und Verfasser einer großen Weltchronik.

Die Dombibliothek war Eigentum des Domkapitels. Daneben bestand seit dem 16. Jahrhundert eine Hofbibliothek der Fürstbischöfe in der Residenz. Nach dem Neubau des barocken Bibliothekssaals wurden beide Bibliotheken 1734 vereinigt. Die "neue gemainsambe offentliche Bibliothec" war auch für das gelehrte Publikum zugänglich.

Nach der Säkularisation des Fürstbistums Freising 1802 wurden alle Handschriften und die wertvollsten gedruckten Bücher für staatliche Bibliotheken ausgewählt und abtransportiert. In Freising verblieb nur ein Bruchteil der früheren Bestände. Er wurde Grundstock für die Bibliothek des Priesterseminars, das 1826 in der ehemaligen Residenz eingerichtet wurde. Die in der Folge stetig ausgebauten Buchbestände blieben zum größten Teil auf dem Domberg, als das Priesterseminar 1968 nach München verlegt wurde.

Seit 1994 befindet sich die moderne Dombibliothek mit Lesesaal, Katalog und Ausleihe am Domhof. Sie ist Teil der Diözesanbibliothek des Erzbistums München und Freising und steht allen Interessierten offen. Sammelschwerpunkte sind Theologie und Geschichte sowie Literatur zu Bayern, Kunst und Kirchenmusik. Der Bestand umfasst derzeit über 320.000 Bände.

Die Dombibliothek Freising besitzt heute 225 Inkunabeln. Inhaltlich spannt sich der Bogen von theologischen, philosophischen und juristischen bis zu medizinischen Werken. Einige Werke stammen noch aus der alten Dombibliothek, z.B. aus dem Besitz des Fürstbischofs Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck (1649-1727, Fürstbischof 1696-1727), des Freisinger Domkapitels und des Domherrn Sigismund Scheufler (1475-1522). Mehrere Inkunabeln waren ehemals im Besitz von Pater Amandus Ruepp (1749-1822), dem letzten Beichtvater des Dominikanerinnenklosters Altenhohenau. Einige Inkunabeln hat der Domherr Michael Hauber (1778-1843) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus dem Dublettenbestand der Hof- und Staatsbibliothek in München (der heutigen Bayerischen Staatsbibliothek) erworben und später der Dombibliothek vermacht. Zugänge erfolgten auch durch Schenkungen oder gezielten Ankauf. Mit der Katalogisierung der Inkunabeln wurde vor 1948 durch den Germanisten Professor Gerhard Eis (1908-1982) begonnen. Der dabei angelegte Bandkatalog wurde zunächst durch Frau Dr. Maria von Hoop, dann durch den langjährigen Direktor Prälat Dr. Sigmund Benker ergänzt und fortgeführt. Auf dieser Grundlage erfolgte 2009-2010 die Aufnahme der Freisinger Inkunabelbestände in den Bibliotheksverbund Bayern, angereichert mit den digitalisierte Einträgen des Bandkatalogs.

 

Zur Geschichte der Bibliothek des Metropolitankapitels München

Die Bibliothek des Metropolitankapitels München entstand nach der Verlegung des Bischofssitzes von Freising nach München 1821 als Dienstbibliothek des Erzbischöflichen Ordinariats, das damals personell mit dem Metropolitankapitel identisch war. Den Grundstock der Bibliothek bildeten die Buchnachlässe des Priesters Johann Ev. Ruedorffer (1761-1810), des Domdekans Joseph von Heckenstaller (1748-1831) und des Historikers Lorenz von Westenrieder (1748-1829) sowie die umfangreiche Bibliothek des Generalvikars und Dompropstes Martin von Deutinger (1789-1854). Die Bibliothek arbeitet seit jeher in Personal- und Raumunion mit dem Archiv des Erzbistums München und Freising. Sie umfasst heute einen Präsenzbestand von ca. 80.000 Bänden mit den Schwerpunkten Diözesangeschichte, kirchliche Zeitgeschichte, Archivwissenschaft und kirchliches Leben im Erzbistum.

Bei den 60 Inkunabeln der Bibliothek des Metropolitankapitels handelt es sich um theologische, philosophische, juristische und medizinische Werke. Acht stammen aus dem Vorbesitz des 1817 aufgehobenen Augustiner-Chorherrenstifts Höglwörth, weitere aus den Nachlässen von Ruedorffer, Heckenstaller und Deutinger sowie des Diözesanpriesters Georg Westermayer (1836-1893). Aufgrund des vorhandenen Zettelkatalogs und per Autopsie wurde 2009/2010 eine Neukatalogisierung der Inkunabeln in den Bibliotheksverbund Bayern durchgeführt.

 

Hinweise zur Benutzung

Die Inkunabeln liegen als digitalisierte Blätterversionen vor. Die Reihenfolge orientiert sich an den Signaturen der Dombibliothek Freising bzw. der Bibliothek des Metropolitankapitels München.

 

Angaben zum Projekt

Um den Teilbestand der 18 seltenen Inkunabeln (davon 16 aus der Dombibliothek Freising und zwei aus der Bibliothek des Metropolitankapitels) der Wissenschaft digital zur Verfügung zu stellen, vereinbarten auf Anregung von Archiv- und Bibliotheksdirektor Dr. Peter Pfister die Bayerische Staatsbibliothek München und die Erzdiözese München und Freising eine Kooperation. Die Projektkoordination obliegt der Bayerischen Staatsbibliothek. Die Digitalisierung wurde am Münchener Digitalisierungszentrum (MDZ) der Bayerischen Staatsbibliothek durchgeführt.

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