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Geca Kon

Geca Kon (wikimedia commons)
Geca Kon (wikimedia commons)

Der Fall des jüdischen serbischen Verlegers Geca Kon (1873-1941) verdeutlicht, dass die Bayerischen Staatsbibliothek auch von Beschlagnahmungen in den von der Wehrmacht besetzten Ländern profitierte. Kon war in der Zwischenkriegszeit der bedeutendste Verlagsbuchhändler Jugoslawiens und ganz Südosteuropas. Sein Verlagsprofil umfasste vor allem Gebrauchsliteratur, aber auch zahlreiche Übersetzungen ins Serbische, darunter Werke von Macchiavelli, Freud oder Marx. Nach dem deutschen Angriff auf Jugoslawien wurde Kon eines der ersten Opfer der Nationalsozialisten; er und seine Familie kamen noch im Frühjahr 1941 ums Leben. Geca Kons Verlagsbuchhandlung im Herzen Belgrads wurde schließlich 1942 "arisiert". Die Buchhandlung wechselte mehrfach den Besitzer, existiert aber bis heute und erinnert in ihren Räumen an Geca Kon.

Restituierte Titel aus dem Verlag Geca Kon (BSB München)
Restituierte Titel aus dem Verlag Geca Kon (BSB München)

Bei der darauffolgenden Plünderung von Kons Auslieferungslager übernahm Hermann Gerstner (1903-1993), im Zivilberuf Bibliothekar an der Bayerischen Staatsbibliothek und seit Februar 1942 Leiter der Hauptheeresbücherei Belgrad, eine führende Rolle. In enger Kooperation mit den Direktoren der Bayerischen Staatsbibliothek und der Österreichischen Nationalbibliothek, Rudolf Buttmann und Paul Heigl, organisierte er den Abtransport von je fünf Exemplaren eines Werks aus dem Verlag von Geca Kon. Als "Schenkung" des Generalbefehlshabers in Serbien wurden die Bücher nach Wien versandt und anschließend an insgesamt fünf Bibliotheken verteilt. Neben München und Wien erhielten so auch die Bibliotheken in Berlin, Leipzig und Breslau die geraubten Bücher.

Die rund 600 nach München versandten Titel wurden ab Ende 1942  in den Bestand der Staatsbibliothek eingearbeitet. Wegen der damals in den Büchern eingetragenen Schenkernummer "G.n. 17006" – für den "Kommandierenden Generalbefehlshaber in Serbien" – war es möglich, diese Jahrzehnte später noch eindeutig zu identifizieren. Mittels erhaltener Transportlisten gelang es dann, insgesamt noch 203 Titel aus der geraubten Verlagsproduktion an der Staatsbibliothek zu ermitteln. Rund zwei Drittel der damals nach München verbrachten Bücher sind jedoch kriegsbedingt verloren gegangen.

Restitution in Belgrad: Dr. Stephan Kellner, Generaldirektor Dr. Klaus Ceynowa, Direktor Laslo Blašković, Dr. Gudrun Wirtz (Foto:Serbische Nationalbibliothek)
Restitution in Belgrad: Dr. Stephan Kellner, Generaldirektor Dr. Klaus Ceynowa, Direktor Laslo Blašković, Dr. Gudrun Wirtz (Foto:Serbische Nationalbibliothek)

Für Geca Kon konnten keine Erben mehr ermittelt werden. Es wurde daher beschlossen, die Bücher an die Serbische Nationalbibliothek zu übergeben. Damit folgte die Bayerische Staatsbibliothek auch dem Beispiel der Universitätsbibliothek Leipzig, die ihre geraubten Kon-Bestände 2011 an die Nationalbibliothek gegeben hatte. Am 7. April 2016 - einen Tag, nachdem die deutsche Wehrmacht vor 75 Jahren das Königreich Jugoslawien ohne Kriegserklärung angegriffen und die Serbische Nationalbibliothek und ihre Bestände bei einem Luftangriff völlig zerstört hatte - übergab Generaldirektor Dr. Klaus Ceynowa die Bücher in Belgrad Laslo Blašković, den Generaldirektor der Nationalbibliothek.

Gedenkplakette für Geca Kon in dessen ehemaliger Verlagsbuchhandlung in Belgrad (BSB München)
Gedenkplakette für Geca Kon in dessen ehemaliger Verlagsbuchhandlung in Belgrad (BSB München)

Die restituierten Titel werden im BSB-Katalog weiter angezeigt. Sie sind alle mit einer entsprechenden Bemerkung zur Provenienz versehen, die im OPAC unter der Rubrik "mehr zum Titel" erscheint. Sie können mit der Eingabe "BSB-Provenienz: Geca Kon" über die Einfache Suche im OPAC recherchiert werden. Bei einem kleineren Teil der Bände ist der Online-Zugriff auf das Digitalisat möglich. Angezeigt, aber noch nicht online zugänglich sind jedoch die Publikationen, deren Rechte noch nicht frei sind.