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Das Mainzer Evangeliar der Hofbibliothek Aschaffenburg (Ms. 13)

Mainzer Evangeliar (Ms. 13), fol. 54v: Christi Himmelfahrt Mainzer Evangeliar (Ms. 13), fol. 54v: Christi Himmelfahrt

Das "Mainzer Evangeliar" ist eine der wichtigsten und schönsten Handschriften der deutschen frühgotischen Buchmalerei. Es entstand um 1250 nach Christus und war für den Gebrauch in der Mainzer Domliturgie bestimmt.

Ein Evangeliar (Evangelienbuch) ist ein Buch, das die vier Evangelien des Neuen Testaments vollständig enthält und im Gottesdienst verwendet wurde. Als sogenannter Codex Aureus (lat.: Goldenes Buch) knüpft das "Mainzer Evangeliar" an die kaiserliche Tradition der Evangelienbücher aus karolingischer und ottonischer Zeit an.

Die Evangelien sind das zentrale Zeugnis für das Leben und Wirken Christi. Viele Evangeliare wurden deswegen mit höchstem Aufwand von den mittelalterlichen Schreibern und Buchmalern hergestellt. Die Handschriften wurden kunstvoll gestaltet und mit Bildern versehen, vor allem wenn es sich um Stiftungsexemplare für Könige und Fürsten handelte.

Das "Mainzer Evangeliar" aus Kalbspergament ist besonders prachtvoll und in überragender Qualität ausgestattet:Es ist in Goldtinte geschrieben und mit 71 zum Teil ganzseitigen Miniaturen im so genannten "Zackenstil" auf Goldgrund versehen (Beispiele: Kanontafeln fol. 9r - 16r, Eingangsbild mit den Evangelisten, den vier Weltströmen und den Rädern Hesekiels fol 17r, Stammbaum Christi fol. 17v - 18v, Anbetung und Traum der Könige fol.19v, Bethlehimitischer Kindermord, Flucht nach Ägypten und Taufe Christi im Jordan fol. 20r, Tod Johannes des Täufers fol. 28v, Tod, Begräbnis und Auferstehung Christi fol. 40vChristi Himmelfahrt fol. 54v, Pfingstwunder 97v).

Es enthält es zudem über 300 kunstreich gestaltete Zierbuchstaben bzw. Initialen (Beispiele: bewohnte Initiale N mit hl. Hieronymus fol. 1r., Schmuckinitialen fol. 2v, fol. 3r, fol. 4v, fol. 5r, Initialen am Anfang der Evangelien nach Matthäus fol. 17v, Markus fol. 41r, Lukas fol. 56r, Johannes fol 79r).

 

Provenienz

Das Mainzer Evangeliar war Teil des Mainzer Domschatzes. Vermutlich im Oktober 1792 wurde es vor der französischen Besatzung nach Köln gerettet, von wo aus es Anfang 1793 nach Würzburg auf die Festung Marienberg gebracht wurde. 1796/97 kam das Evangeliar mit dem Domschatz nach Prag, wo es 1798 mit dem Schatz verpfändet wurde. 1803 wurde der Schatz ausgelöst und nach Regensburg gebracht, wohin der Mainzer Erzbischofsstuhl durch den Reichsdeputationshauptschluss versetzt worden war. Der 1802 neu gewählte Erzbischof und Kurerzkanzler Carl Theodor von Dalberg (1744-1814) ließ ab 1803 den Mainzer Domschatz verkaufen. Wohl zu dieser Zeit wurde der kostbare Edelmetall-Einband des Evangeliars abgelöst, das Buch ließ Dalberg in die Hofbibliothek seiner Residenzstadt Aschaffenburg bringen. Dort verblieb es auch nachdem die Hofbibliothek beim Ende des Dalbergstaats 1814 in bayerisches Staatseigentum überging.

 

Literatur (Auswahl)

  • Gönna, Sigrid von der: Ein goldenes Evangelienbuch aus dem alten Mainzer Domschatz : zur Geschichte des "Mainzer Evangeliars" (Hofbibliothek Aschaffenburg, Ms. 13) ca. 1260-1803. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte. 50,1998, S. 131-153.
  • Gönna, Sigrid von der: Hofbibliothek Aschaffenburg. Ihre Geschichte in der Tradition der Kurfürstlich Mainzischen Bibliothek. Eine Ausstellung. Wiesbaden 1982.
  • Hofmann, Josef u. Hans Thurn: Die Handschriften der Hofbibliothek Aschaffenburg. Aschaffenburg 1978 (Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg; 15) (→ online)
  • Thurn, Hans: Die Handschriften der Hofbibliothek Aschaffenburg. In: Würzburger Diözesan-Geschichtsblätter 37/38,1975, S. 747-757.
  • Wolter-von dem Knesebeck, Harald: Das Mainzer Evangeliar : strahlende Bilder - Worte in Gold (Hofbibliothek Aschaffenburg, Ms. 13). Regensburg, 2007.

 

Hinweise zur Benutzung

Das Digitalisat des Mainzer Evangeliars liegt als Blätterversionen vor. Es kann teilweise oder vollständig für wissenschaftliche und private Zwecke im Adobe PDF-Format heruntergeladen werden.

 

Angaben zum Projekt

Dieses Angebot ist ein Kooperationsprojekt der Hofbibliothek Aschaffenburg und der Bayerischen Staatsbibliothek München. Die Digitalisierung des Mainzer Evangeliars erfolgte 2013 im Anschluß an seine Restaurierung am Institut für Buch- und Handschriftenrestaurierung der Bayerischen Staatsbibliothek durch das Münchener Digitalisierungszentrum. Die Onlinestellung in der Bayerische Landesbibliothek Online erfolgt seit Oktober 2014.

Hofbibliothek Aschaffenburg

 

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