Bayerische Landesbibliothek Online
Das Portal zu Geschichte und Kultur des Freistaats

Gustav Kraus: Die Festzüge 1835 und 1842

ukIn Zusammenarbeit mit dem Münchner Stadtmuseum präsentiert die Bayerische Landesbibliothek Online (BLO) zwei zentrale Zyklen aus dem Werk des Künstlers und Lithographen Gustav Kraus, die dieser von den Oktoberfest-Festzügen 1835 und 1842 schuf.

Zum Festzug 1835.
Zum Festzug 1842.

Gustav Wilhelm Kraus
Festzug zur Feyer der Jubel Ehe I.I.M.M. des Königs Ludwig und der Königin Therese zu München am 4ten October 1835.
24 Blatt kolorierte Lithographien (beschnitten) mit Titelblatt und Beschreibung (2 Seiten)
Verlag J. C. Hochwind
Format je ca. 31 x 47 cm
Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. G-Xc/6.1-24

 


Gustav Wilhelm Kraus
Festzug der 35 Brautpaare... im Vorbeiziehen vor dem Königszelt bey dem
Octoberfeste in München den 16ten October 1842.
3 Blatt kolorierte Lithographien [mit Programm]
Verlag G. Kraus
Format je ca. 38 x 55 cm
Münchner Stadtmuseum, Inv.-Nr. G-P 1583

 



Inhalt

Gustav Kraus: Leben und Werk
Gustav Kraus in den Sammlungen des Münchner Stadtmuseums
Literatur (in Auswahl)
Hinweise zur Benutzung
Angaben zum Projekt

 

 

Gustav Kraus: Leben und Werk

Gustav Kraus wurde am 30. August 1804 in Passau geboren. Dort war sein Vater, der gebürtige Rothenburger Heinrich Wilhelm Kraus, zu jener Zeit als Offizier stationiert. Auch seine Mutter, Dorothea Juliane Kraus, geborene Roth, stammte aus Rothenburg ob der Tauber. Gustav Kraus wurde, obwohl Kind evangelischer Eltern, katholisch getauft, weil auf die Schnelle kein protestantischer Geistlicher gefunden werden konnte. Seine Geschwister waren Friedrich Wilhelm Kraus (geb. 1807), der 1835 in Griechenland als Hauptmann von Räubern ermordet wurde, und Friederika Christina Kraus (geb. 1812), die später einen Handwerker in Wien heiratete.

1812 wurde der Vater nach Donauwörth versetzt, wo er 1815 überraschend verstarb. Die Mutter kehrte daraufhin mit den Kindern nach Rothenburg zurück, erlag dort aber kaum zwei Jahre später einem Nervenfieber.

Bereits als Jugendlicher scheint sich Gustav Kraus im Zeichnen von Ortsansichten geübt zu haben. Mehrere Ansichten von Rothenburg, Nürnberg und anderen Orten aus der Zeit 1820 - 1824 sind erhalten. Ein Blatt von 1823 signierte Kraus als "Buchbinder Gesell", was neben starken Anlehnungen an bestimmbare Vorbilder (z.B. Kupferstiche von Rothenburg, die Johann Friedrich Schmidt 1761/62 publizierte) darauf schließen lässt, dass seine künstlerische Ausbildung zunächst autodidaktisch erfolgte.
1824 zog Kraus nach München um und trat in die Akademie der Bildenden Künste, wahrscheinlich in die bis zu ihrer Schließung 1826 von Wilhelm von Kobell (1766-1853) geleitete Landschaftsklasse, ein. Ebenfalls 1824 wurde er Mitglied des Münchener Kunstvereins, wo er bis zu seinem Austritt  im Jahre 1834 auch an den jährlichen Ausstellungen teilnahm. Die zeitgenössische Kunstkritik nahm Kraus dabei schon damals kaum wahr.

Die 1796/1798 durch Alois Senefelder (1771-1834) entwickelte Lithographie (Steindruck) wurde von Anfang an das bevorzugte künstlerische Medium von Gustav Kraus. Die besonders in München beheimatete Lithographie bot zahlreiche Vorteile, darunter die schnelle Erstellung des Drucksteins und die Möglichkeit hoher Auflagen, da bei sachgemäßer Behandlung ein Druckstein zeitlich nahezu unbegrenzt verwendet werden kann. Als 1825 Kraus’ erste Steindrucke erschienen, beherrschte er die Technik bereits virtuos. Dabei bediente er sich (bis auf zwei Ausnahmen von 1848) durchgehend der damals moderneren Kreidelithographie, die besonders weiche und fließende Übergänge und Tonwerte erlaubt.

In den nächsten Jahren und Jahrzehnten entstand in rascher Folge das graphische Werk von Gustav Kraus. Er gehörte nicht der offiziellen Münchner Kunstszene an, sondern war als Lithograph ein Gebrauchskünstler. Eugen Roth (1895 - 1976) bezeichnet ihn treffend als "Bildberichterstatter der Biedermeierzeit". Entsprechend waren die Motive seiner Blätter vom Geschmack des Publikums, das großteils der städtischen Mittelschicht angehörte, abhängig. Ansichten aller Art - Stadtansichten, Landschaften, "moderne" Baukunst und "alte" Sehenswürdigkeiten - finden sich ebenso wie Zeitbilder zu historischen und aktuellen Ereignissen. Kraus zeichnete und lithographierte die Sendlinger Bauernschlacht von 1705 genauso wie Ereignisse aus den Napoleonischen Kriegen, Trauerfeierlichkeiten, Prozessionen, Einzüge auswärtiger Fürsten, Denkmalseinweihungen, Fahnenweihen, Paraden oder die Ereignisse der Unruhen 1848. Dazu kommen Porträts der Wittelsbacher und anderer Fürsten sowie Abbildungen verschiedener Uniformen.

Viele Blätter entstanden zunächst für örtliche Verleger wie Adolph von Schaden (1791-1840), der sie in Publikationen "Münchner Vergißmeinnicht" (1835), "Alpenröslein" (1836), "Alpenblumen" (1837) oder "Souvenir de Munich" (um 1839) verwendete, die sich an den beginnenden Tourismus in München und Bayern richteten. Fast alle Darstellungen wurden auch einzeln - koloriert oder unkoloriert - verkauft. Sie dürften bei vielen Münchner Familien zwischen 1830 und 1850 als Wandschmuck gedient haben.

1836 kaufte Kraus ein Anwesen in der Maxvorstadt (Löwenstraße 19, heute Schellingstraße 26). Dort richtete er neben seiner Wohnung auch eine Werkstatt und einen kleinen Verlag ein. Von nun an veröffentlichte er die meisten seiner Werke selbst. Im selben Jahr erwarb er auch das Münchener Bürgerrecht (20. September). Zwei Tage später wurde ihm ein Sohn geboren, der jedoch bereits am 18. Dezember desselben Jahres an der Cholera verstarb. Am 18. Oktober 1836 heiratete Kraus die Mutter dieses Kindes, die damals 22jährige Maria Anna Kunigunda Wanner. Das Ehepaar lebte aber nur zeitweise zusammen.

Zahlreiche Reisen durch Bayern und darüber hinaus lieferten Material für Landschaftsbilder und Stadtveduten ebenso wie für Militärmanöver und andere Ereignisse. Daneben griff Gustav Kraus auch auf Zeichnungen oder Gemälde anderer Künstler zurück, sei es, dass er als Auftragsarbeit lediglich die Lithographie erstellte, oder dass er, wie bei zahlreichen Darstellungen aus dem Griechenlandzug König Ottos (1815-1867; König von 1832-1862) nicht selbst mitgereist war. Zeichnen sich Werke der ersten Art durch eine besonders genaue Übertragung der Vorbilder aus, beweist Kraus bei letzteren einen meisterhaften Umgang in der freien Kombination von Komposition und Staffage.

Kunsthistorisch betrachtet gehören die Lithographien von Gustav Kraus zu den qualitätvollsten Werken ihrer Zeit. Er brillierte dabei sowohl in der Genauigkeit der Einzelheiten als auch in der Komposition seiner Darstellungen. Technisch reizte er die Möglichkeiten der Lithographie bis an ihre Grenzen aus, was die Feinheit von Strichführung und Schattierungen angeht. Auch jene Altkolorierungen, die von Kraus oder aus seiner Werkstatt stammen, sind von besonderer Feinheit.

Seine letzten bekannten Werke behandeln die Enthüllung der Bavaria am 9. Oktober 1850 und zeigen Theresienwiese, Bavaria und Ruhmeshalle nach Vollendung des Ensembles. Gustav Kraus starb am 15. November 1852 nach längerer Krankheit.

Obwohl sich auf seinen Lithographien mehrfach Staffagefiguren von Künstlern finden, die für Kraus selbst stehen dürften, ist bis heute kein Porträt des Künstlers bekannt geworden.

Nach oben

 

 

Gustav Kraus in den Sammlungen des Münchner Stadtmuseums

Der 1977 veröffentlichte Katalog der Werke von Gustav Kraus verzeichnet 665 Zeichnungen, Aquarelle und Lithographien. Während sich von den meisten Lithographien zahlreiche Exemplare in verschiedenen öffentlichen und privaten Sammlungen erhalten haben, sind Aquarelle und Zeichnungen als Unika nur teilweise öffentlich zugängig und befinden sich vielfach in Privatbesitz.

Das Münchner Stadtmuseum besitzt den größten Bestand an Werken von Gustav Kraus. Vor allem in den beiden Sammlungen des Kunsthändlers Joseph Maillinger (1831-1884), die 1879 bzw. 1889 an die Stadt München kamen, finden sich zahlreiche Blätter des Künstlers. Weitere Werke kamen über die Sammlungen von Franz Xaver Zettler (1841-1916) und Carlo Proebst (1887-1970) sowie über kleinere Ankäufe und Schenkungen in den Besitz des Stadtmuseums. Gemeinsam decken diese Komplexe das druckgraphische Œuvre von Gustav Kraus nahezu lückenlos ab und ergänzen es durch eine ansehnliche Auswahl an Zeichnungen und vereinzelten Aquarellen.

 

Friedrich Ulf Röhrer-Ertl

Nach oben

 

 

Literatur (in Auswahl)

Nach oben

 

 

Hinweise zur Benutzung

Alle Lithographien werden im speziellen DigiTool-Viewer präsentiert, in dem sie in fünf Vergrößerungsstufen betrachtet werden können.

Ein Download der Bilddateien aus dem Viewer heraus ist nicht möglich. Qualitativ hochwertige, zu Reproduktionszwecken geeignete Bilddateien können im Zentralen Bildarchiv des Münchner Stadtmuseums bestellt werden: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.

Nach oben

 

 

Angaben zum Projekt

Die Bereitstellung beider Lithographiezyklen ist ein Kooperationsprojekt des Münchner Stadtmuseums und der Bayerischen Staatsbibliothek im Rahmen des kulturwissenschaftlichen Informationsportals Bayerische Landesbibliothek Online (BLO).

Das Projekt ist seit September 2010 online. Eine Erweiterung des Angebots um weitere Werke von Gustav Kraus ist in Planung.

 

Münchner Stadtmuseum Bayerische Staatsbibliothek - Information in erster Linie

Nach oben