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Schneider Weisse auf dem Oktoberfest

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Schneider Weisse und das Oktoberfest

Das nachweislich seit 1548 bestehende und von Herzog (seit 1623 Kurfürst) Maximilian I. um 1600 ausgebaute Privileg des bayerischen Staates, Weißbier zu brauen, verhinderte  über Jahrhunderte die Ausbildung privater Weißbierbrauereien. Erst mit dem Gesetz vom 6. August 1798 erfolgte die Aufhebung des Weißbierprivilegs für ganz Bayern. In der Folge durften die Brauberechtigten gegen Zahlung einer Abfindung und jährlichen Gebühren Weißbier brauen. Gleichzeitig wurden  auch alle kurfürstlichen Weißen Brauhäuser verkauft und so in private Hände übergeben.

Ausgenommen von dieser Regelung war nur das Weiße Brauhaus in München (auch Weißes Hofbräuhaus oder Bräuhaus genannt). Es verblieb in den Händen des Staates, wurde aber an private Investoren verpachtet. Am 1. Oktober 1855 pachtete es der Münchener Brauer Georg I. Schneider (1817-1890).

Als er seine eigene Weißbierbrauerei in München (dem 1872 erworbenen vormaligen Maderbräu) zum 20. Septmeber 1873 anmeldete und begann, Weißbier zu brauen, war er noch Pächter des Weißen Hofbräuhauses. Dieser Pachtvertrag lief bis zum 30. September 1873, seit 1872 wurde im Weißen Hofbräuhaus in München kein Weißbier mehr gebraut. Georg I. Schneider übernahm also als erster Bürgerlicher das "Münchner Weißbierprivileg" mit in seine neue Brauerei. Da er als Pächter alle Rechte an den Rohstoffen und Produkten hatte, konnte er auch die ursprünglichen Hefen mit in die neue Zeit retten.

 

Seit wann genau Schneider Weisse mit einem eigenen Zelt auf dem Oktoberfest vertreten war, ist den erhaltenen Akten nicht zu entnehmen; auf dem Oktoberfest wurde erstmals 1895 Weißbier ausgeschenkt, und zwar Schneider Weiße in der "Waizenbierbude" von Fritz Reiss. Allerspätestens seit 1913 war Schneider Weiße mit einem eigenen Zelt vertreten, da, da die Bilder vom Festzelt spätestens in diesem Jahr aufgenommen wurden. Die Brauerei betrieb dabei ihr Festzelt unter dem Markennamen des Weißen Bräuhauses. Während des Zweiten Weltkriegs  wurden bei den aliierten Bombenangriffen auf München am 25./26. April 1944 ein Großteil der Münchener Brauereianlagen zerstört. Dabei verbrannte auch das eingelagerte Festzelt. Auch wenn der Firmensitz bis heute in München ist und das Brauereiwirtshaus im Tal 10 immer noch betrieben wird, musste die Bierproduktion selbst in das 1928 erworbene Weisse Brauhaus nach Kelheim verlegt werden. Dieses ist ein ehemaliges staatliches Brauhaus, das im Jahre 1607 die erste Neugründung einer Weißbierbrauerei durch Maximilian I. nach der Durchsetzung des staatlichen Weißbierprivilegs war. Durch die Verlagerung der Produktion aus München heraus endete die Berechtigung zum Führen eines Festzeltes auf der Theresienwiese, das traditionell nur Brauereien, die in München selbst ihr Bier herstellen, zusteht.

Matthias Gabler, München

 

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Bilder vom Oktoberfest ca. 1909/1913

Auf einem Oktoberfest zwischen 1909 und 1913 (eine genauere Datierung ist leider nicht möglich) wurden während des Oktoberfestes mehrere Aufnahmen des Festzeltes von Schneider Weisse angefertigt, um Sturmschäden und Schneefall zu dokumentieren. Es handelt sich um die einzigen Photographien, die sich vom Oktoberfest im Archiv der Brauerei erhalten haben.

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Schneider Weisse Zelt bei Sturm.

Auf dem Schild die Aufschrift "Schützen Cafe / Weißes Bräuhaus / G. Schneider & Sohn / Wiesen-Edel-Weiße."

Vor dem Zelt das "Schützen Cafe", links davon Teile eines Tabakstandes mit dem Werbeschriftzug „Salem Auslese“ der gleichnamigen Zigarettenmarke.

Der Boden und Teile der Dächer sind schneebedeckt.

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Turm des Schneider Weisse Zeltes.

Auf den Schildern die Aufschrift "Weisses / Bräuhaus München"

Linkerhand kleiner Stand (Ausschank? Lager?) mit Bierfässern.
Rechts vom Turm Teile eines Tabakstandes mit dem Werbeschriftzug „Salem Auslese“ der gleichnamigen Zigarettenmarke.

Der Boden und Teile der Dächer sind schneebedeckt.

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Gesamtansicht des Schneider Weisse Zelts.

Vor dem zentralen Gebäude mit dem Turm befinden sich zu beiden Seiten überdachte Biergärten.

Auf dem Schild die Aufschrift "Die / Edel-Weiße / Georg Schneider & Sohn"

Der Boden ist schneebedeckt.

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Gesamtansicht des Schneider Weisse Zelts.

Vor dem zentralen Gebäude mit dem Turm befinden sich zu beiden Seiten überdachte Biergärten.

Auf dem Schild die Aufschrift "Die / Edel-Weiße / Georg Schneider & Sohn"

Der Boden ist schneebedeckt.

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Gesamtansicht des Schneider Weisse Zelts.

Vor dem zentralen Gebäude mit dem Turm befinden sich zu beiden Seiten überdachte Biergärten. Im Vordergrund rechts ein Soldat in Galauniform, Person links nicht identifiziert.

Bei dem Soldaten handelt es sich nicht um ein Mitglied der 1913 aufgestellten "Wies'nwache". Diese trug, dem Zeitgeist entsprechend, zwar ebenfalls eine "militärisch" aussehende Uniform, jedoch ohne weiße Handschuhe und Epauletten; auch waren die Knopfreihen nicht vertikal angeordnet (freundliche mündliche Mitteilung des Bayerischen Armeemuseums, Ingolstadt).

Auf dem Schild die Aufschrift "Die [?] / Edel-Weisse / Georg Schneider & Sohn"

Der Boden ist schneebedeckt.

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Seiteneingang des Schneider Weisse Zelts.

Links vor dem Zelt ein Photographenstand, rechts  ein kleiner Verkaufsstand.

Auf dem Schild die Aufschrift "Weisses Bräuhaus"

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Das Ende der Bierproduktion in München: Brief von 1944

Der schwere Luftangriff der aliierten Streitkräfte am 25./26. April 1944 zerstörte zahlreiche Gebäude der Münchener Innenstadt, darunter auch die Anlagen der Schneider Weisse-Brauerei. In einem Brief vom 27./28. April 1944 berichtet Georg IV. Schneider (1900-1958) - noch ganz unter dem Eindruck der Ereignisse - seinem Sohn Georg V. Schneider (* 1928) von den Zerstörungen.

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München, den 27. April 1944

Lieber Georg!

Jetzt muß ich Dir doch schnell ein [sic] Bericht
schicken, wie es bei uns in den letzten Tagen bei uns
zugegangen ist.
Am Montag nachmittags hatten wir Tagesalarm.
Es waren starke feindliche Verbände rund um München,
die aber nur teilweise über die Stadt flogen und keine
Bomben abwarfen. Hauptangriffszentren waren Erding
und Landsberg. Nachts um ½2h bekamen wir nochmals
Alarm. Der Radio meldete stärkere feindliche Verbände
im Anflug auf unser Gebiet. Mutti und ich waren
einige Zeit im Luftschutzkeller, bis die ersten Flakschüsse
hörbar wurden. Bald darauf ging öfters ein merkwürdiges
Sausen durch die Luft, es fielen die ersten Brandbomben.
Ich sah rings herum hell aufleuchten [sic]. Einmal war in
unserer nächsten Umgebung alles grell beleuchtet. Am
Brechbiehl-Haus hatte sich ein großer Fallschirm ver-
fangen, der offenbar zum Abstecken diente. Nach einigen
weiteren Minuten sah ich in Richtung zum Prielhof
Feuerschein. Der leider zur gleichen Zeit aufgekommene starke
Wind entfachte das Feuer immer heftiger. Nach der
Entwarnung ging ich zum Löschen, nachdem wir

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[uns] überzeugt hatten, daß bei uns nichts hereingefallen war.
Das letzte Haus in der Rudliebstr. mit den vielen Fenstern
brannte schon bis zum ersten Stock. Der untere Stock
wurde geräumt und versucht, ihn zu erhalten.
Als aber die Decke herunterkam, verließen wir das Haus,
weil das Spritzen mit einer Kühlspritze dem ausgedehnten
Feuer nicht Herr wurde. Bei G[r?]ockenberger, dem Nachbarn
von Onkel Julius stand auch das Dach in Flammen.
Es wurde auch hier versucht, zu löschen. Das Haus
konnte nur dadurch, wenn auch ohne Dach, gerettet
werden, daß eine Motorspritze eintraf, die natürlich
ganz andere Wassermassen hinaufpumpte. Das Schusterhäuschen
sowie der Stall vom Prielhof brannten auch aus.
An der In der Frühe radelte ich in die Stadt, ich hatte
noch keine Ahnung, wie es da ausschaute, im Gegenteil
waren wir noch der Meinung, daß dort nicht viel
Geschehen sei. Das änderte sich aber in der Widenmayerstr.
grundlegend. Da sah man schon dicken Rauchqualm
aus dem Stadtinnern kommen. Bei der Lukaskirche
war ein Weiterkommen bei dem herrschenden Sturm,
dem Rauch und Funkenregen schon schwerer geworden.
Beim Isartorplatz erkannte ich schon, daß die ganze
Baaderstr. ein Flammemeer war. Unsere Häuser brannten
schon hell bis auf die Grundmauern herunter. Feuerwehr
war keine da. Die Schuppen und Garagen waren nur mehr
ein Schutthaufen, aus dennen [sic] die verbogenen Eisenteile

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der Autos und Gartentische u. Stühle ragen. Ein trostloses
Bild der Zerstörung, wo man hinschaute. Aventinstr. 7, wo
die Büros untergebracht waren, brannte auch schon bis
zum 2. Stock herunter. Die Rückgebäude, wo
unsere Abfüllerei untergebracht war, konnte glücklich gerettet
werden durch unsere Leute, die die Dächer immer
wieder mit Wasser kühlten. In den Stall flog eine
Phosphorbrandbombe, die zwei [?] Pferde so schwer verletzte,
daß sie notgeschlachtet werden mußten. Die Büroräume
mußten auch geräumt werden. Es sah eine zeitlang
so aus, als ob wenigstens die unteren Stockwerke des
Hauses erhalten werden könnten. Es wäre auch leicht
möglich gewesen, wenn die Feuerwehr richtig gelöscht
hätte. Aber sie zog wieder ab, bevor die letzten Glutreste
gelöscht waren. Die Folge war, daß in der folgenden Nacht neuerdings
das Feuer ausbrach und auch noch den ersten Stock zum
Einsturz brachte. Nun sind auch die Büroräume nicht
mehr benüzbar [sic], weil die immer noch glühenden Holzteile
und die ganzen eingestürzten Zwischenmauern auf der
schwachen Decke lasten. Es wird jetzt ein Notbau aus Holz
für die Büros errichtet. Das Haus Aventinstr. 9 mußte auch
geräumt werden, weil in der Baaderstr. eine Luftmine
niederging und große Verheerungen am [?] Polizeigebäude
und gegenüber anrichtete. Die Baukommission war heute
da und hat sich alles angeschaut. Das Haus 9 kann erhalten
werden, die Leute können wieder wohnen.

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Unseren kleinen B.M.W. haben wir noch am Vormittag
aus der noch nicht ausgebrannten Garage gezogen, ist gerettet.
Der Horchwagen hatte keine Räder und mußte drinnen
bleiben. Später fiel die Decke durch. In wie weit der
Wagen dadurch beschädigt wurde, muß sich erst noch heraus-
stellen.
Während der Bergungsarbeiten in der Aventinstr. 7
erfuhr ich, daß auch im Tal alles brennen würde.
Du kannst Dir mein Aufatmen denken, als ich
wenigstens noch das Brauereigebäude unversehrt stehen
sah. Von der Wirtschaft war der ganze Dachstuhl von
vorne bis hinten zur Brauerei abgebrannt. In Mader-
bräustr. 5 ist auch noch die oberste Wohnung ein Raub
der Flammen geworden. Aus Tal 11 schlugen die hellen
Flammen. Da keine Feuerwehr eingriff brannte es
vollständig herunter. Zum Glück brannten nicht die
an die Brauerei angrenzenden Rückgebäude. Am Nachmittag,
als ich wieder nachsah, hatte das Feuer auch auf diese
übergegriffen, das bildete eine neue Gefahr für die Brauerei.
Ich gab wieder Feuermeldung, es wurde mir auch auf der
Polizei zugesagt, allerdings die Meldung sofort weiter zu leiten,
dabei aber schon zu verstehen gegeben, daß keine Feuerwehr
frei sein wird. Ich nahm mit ein paar Männern
u. Herrn Zattler [?] eine Luftschutzspritze. Es war erstaunlich
wie wirksam mit einer so kleinen Pumpe das Feuer
eingedämmt werden konnte. So pumpten wir bis 8h abends,
Feuerwehr traf keine ein. Das Feuer konnte natürlich
nicht vollständig zum Verlöschen gebracht werden. Es loderte

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auch in der Nacht neuerdings wieder auf, konnte
aber wieder abgedämmt werden. Auch heute morgen
spritzte ich nochmals in den Gluthaufen, um
die angrenzende Brauereiwand abzukühlen. In die
Brauerei sind da 7 Bomben gefallen, wurden
aber von unseren Leuten zum L. gelöscht. Die
haben sich ganz groß bewährt. Wenn in den anderen
Häusern auch gleich ein paar Leute rechtzeitig bei der
Hand gewesen wären, hätten sie sicher auch gerettet
werden können. Der starke Wind trug noch das Seine bei.
28.IV.1944
Auch die anderen Brauereien wurden teilweise
schwer betroffen. Die Pschorrbrauerei ist großenteils ausgebrannt,
ebenso die Spatenbrauerei. Die Paulanerbrauerei soll auch
wieder gebrannt haben. Das Hackerbräu-Malzhaus ist
vollständig nieder gebrannt etc.
Die Residenz bietet einen traurigen Anblick der Ver-
wüstung. Odeon und Totnhalle [wohl Kaim-Saal/Tonhalle], Hl. Geist Kirche, Bürgersaal,
altes Rathaus, die beiden Pinakotheken bestehen nur noch
aus Außenmauern. Der ganze Viktualienmarkt ist dem
Erdboden gleich gemacht. Die Schalterhalle und ein Seitenflügel
des Hauptbahnhofes sind ebenfalls Trümmer. Und so gäbe es noch
eine endlose Reihe aufzuzählen
Dein Brief ist heute angekommen, ich danke Dir herzlich
dafür. Mutter ist am Mittwoch mit dem Mittagszug nach
Tölz abgereist, Anna kam abends zurück. VorGestern und
heute Nacht haben wir schon wieder Luftalarm gehabt.

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Der Angriff galt aber anderen Städten. Von den
BMW[-Werken?] habe ich noch nichts gehört. Das Schwabinger Viertel
ist diesmal verhältnismäßig gut weggekommen. Dagegen
soll Giesing, Au und Heidhausen bös ausschauen.
Nun muß ich wieder schließen. Hoffentlich ist nicht
gleich wieder etwas los. Laß mal etwas von Dir hören.
Es grüßt Dich herzlichst
Dein Vater

In der Jensenstr.-Englschalkingerstr. ging eine
Luftmine nieder, welche ein Haus völlig umlegte
und die Nachbarhäuser sehr schwer beschädigte.

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Transkription Matthias Gabler M.A., 07. Februar 2011

 

 

Angaben zum Projekt

Die Digitalisate der Photos und des Briefs wurden der Bayerischen Landesbibliothek Online im Jahre 2011 vom Archiv der Schneider Weisse-Brauerei Müchen zur Verfügung gestellt, die auch die Erlaubnis zur Veröffentlichung gab.

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