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Das Perikopenbuch Heinrichs II.

Das Perikopenbuch Kaiser Heinrichs II. (1002-1024) gilt als eine der bedeutendsten überlieferten mittelalterlichen Handschriften Europas. Das Werk, das 1803 im Zuge der Säkularisation aus Bamberg in die heutige Bayerische Staatsbibliothek gelangte, fand 2003 Aufnahme in das UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Perikopenbücher sind liturgische Bücher, die die für die Lesung im Gottesdienst vorgesehenen Evangelienabschnitte enthalten - griechisch „Perikopen“ oder lateinisch „Capitula“ genannt. Die Reihenfolge der Texte richtet sich nach den Festen des krichlichen Jahres.

Die hier präsentierte Handschrift wird zu den zentralen Werken der Ottonischen Buchmalerei gerechnet. Sie entstand ca. 1007-1012 im Kloster Reichenau; ihr Einband wurde vermutlich in Regensburg gefertigt. Wie auch das ältere Evangeliar Kaiser Ottos III. (983-1002) gehört das Werk zur sogenannten Reichenauer Liuthar-Gruppe. Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde (gest. ca. 1033) schenkten es dem Bamberger Dom zu dessen Weihe.

Sowohl die Handschrift selbst als auch ihr Einband sind künstlerisch überaus aufwendig, luxuriös und prachtvoll gestaltet. Auf dem Vorderdeckel des Einbands prangt eine karolingische Elfenbeintafel aus dem 9. Jahrhundert. In der umlaufenden Inschrift wird Kaiser Heinrich als Stifter genannt. Auf dem mit Edelsteinen besetzten Goldrahmen sind an den Ecken die vier Evangelisten symbolisiert. Die zwölf Emailplättchen zeigen Büsten von Jesus Christus und mehreren Aposteln und Evangelisten.

Das Perikopenbuch beginnt mit einem Widmungsgedicht in Goldunzialen, die auf purpurnen Grund geschrieben wurden. Das Werk enthält darüber hinaus 28 Illustrationen von allerhöchstem künstlerischem Rang: Am Anfang stehen Darstellungen der vier Evangelisten, gefolgt (und laufend vom Text der Capitula unterbrochen) von Teilen eines christologischen Zyklus, der die Hauptfeste des Kirchenjahres umfasst.

Matthias Bader

Literatur

  • Karl Halm: Catalogus codicum Latinorum Bibliothecae Regiae Monacensis : secundum Andreae Schmelleri indices / composuerunt Carolus Halm, Geo. Laubmann, Guil. Meyer: Codices num. 2501 - 5250 complectens, Ed. altera emendatior. München 1894 (Catalogus Codicum manu scriptorum Bibliothecae Regiae Monacensis T. 3, Ps. 2) (Digitalisierte Fassung).

 

Clm 4452

Clm 4452: Vorderdeckel

Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4452
Ehemals Dom zu Bamberg.

Reichenau, vermutlich zwischen 1007 und 1012.

 

Zum Digitalisat

 

Weiterführende Informationen:
Handschriftenbeschreibung von Halm, 1894

Beschreibung auf der Homepage der Bayerischen Staatsbibliothek

BSB-Forschungsdokumentation Handschriften

 

 

Hinweise zur Benutzung

Die Handschrift liegt als Blätterversion vor. Die einzelnen Illustrationen können anhand einer Navigationsleiste aufgerufen werden.

 

Angaben zum Projekt

Die Digitalisierung der Handschrift erfolgte durch das Münchener Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek.

Bayerische Staatsbibliothek München (BSB) - Information in erster Linie.