Bayerische Landesbibliothek Online
Das Portal zu Geschichte und Kultur des Freistaats

Protokolle der bayerischen Sozialisierungskommission, 1919

Protokolle der bayerischen Sozialisierungskommission Protokolle

zur Startseite des Schwerpunkts "Quellen zur bayerischen Agrar- und Wirtschaftspolitik"

Die bayerische Sozialisierungskommission bestand vom Januar bis April 1919. Ihr Vorsitzender war der Nationalökonom Lujo Brentano (1844-1931), zu ihren Mitgliedern zählten zahlreiche Sachverständige. Die Kommission beschäftigte sich vorwiegend mit Fragen der Elektrizitätsversorgung sowie mit dem Bank- und Wohnswesen.

 

Zur Geschichte der bayerischen Sozialisierungskommission von 1919

Nach der Revolution von 1918 begannen sowohl auf der Ebene des Deutschen Reichs als auch der deutschen Länder Versuche, die Sozialisierung als eines der Hauptziele der Sozialdemokratie durchzusetzen.

In Bayern hielt Ministerpräsident Kurt Eisner (1867-1919) eine rasche Sozialisierung angesichts der katastrophalen wirtschaftlichen Lage für undurchführbar. Um dem wachsenden politischen Druck zu begegnen, beschloss die Regierung Eisner im Dezember 1918, eine Sozialisierungskommission ins Leben zu rufen.

Kurt Eisner wollte keine radikale Sozialisierung. Er strebte vielmehr eine schrittweise Umorientierung an, bei der die Produktion unter staatlicher Aufsicht - ohne jedoch die private Initiative auszuschalten - in den Dienst der Allgemeinheit gestellt werden sollte.

Die Sozialisierungskommission, die nur beratende Funktion haben sollte, trat erstmals am 22. Januar 1919 im Staatsministerium der Finanzen in München zusammen. Auf dieser Sitzung wählten die Anwesenden - Vertreter von Staat, Wirtschaft, Arbeitnehmern und Räten - eine Hauptkommission (später stets Hauptausschuss) genannt, die Unterkommissionen für verschiedene Sachbereiche bilden sollte. Vorsitzender des Hauptausschusses wurde der Nationalökonom Lujo Brentano (1844-1931), sein Stellvertreter der parteilose Finanzminister im Kabinett Eisner, Edgar Jaffé (1866-1921).

Durch Berufung zusätzlicher Mitglieder erweiterte sich der Hauptausschuss zunächst zur "Unterkommission für Wasserkraftausnützung und Elektrizitätsversorgung", die ihre Arbeit am 31. Januar 1919 aufnahm und am 26. März 1919 beendete. Beteiligt waren zahlreiche Sachverständige, wie Oskar von Miller (1855-1934).

Am 22. Februar 1919 beschloss der Hauptausschuss, die Untersuchung der städtischen Wohnverhältnisse zu beginnen. Angesichts der Wirren nach der Ermordung Kurt Eisners (21. Februar 1919) trat dieses Gremium erst wieder am 8. März 1919 zusammen und entschied nun, sich zunächst dem Hypothekenbankwesen zuzuwenden.

Die Unterkommission für das Hypothekenbankwesen tagte erstmals am 10. März 1919 und benannte sich am 29. März 1919 in "Unterkommission für das Hypothekenbank- und Wohnungswesen" um. Am 5. April 1919 vertagte sie sich auf den 7. April 1919. Die Ausrufung der Räterepublik in Bayern in der Nacht vom 6. auf den 7. April 1919 verhinderte jedoch einen weiteren Zusammentritt und beendete auch die Arbeit der bayerischen Sozialisierungskommission.

Zur Überlieferung

Zu allen 23 Sitzungen vom 22. Januar bis 5. April 1919 existieren Niederschriften, im Regelfall gedruckte Gesprächsprotokolle. Einen Sonderfall stellen nur die Sitzungen nach der Ermordung Kurt Eisners (21. Februar 1919) dar: Für die 12. Sitzung (22. Februar 1919), 13. Sitzung (8. März 1919) und 14. Sitzung (10. März 1919) entstand nachträglich ein maschinenschriftliches Ergebnisprotokoll.

Von den Sitzungsniederschriften waren bisher nur in Akten enthaltene Einzelprotokolle bekannt. Eine unvollständige Sammlung in der Bayerischen Staatsbibliothek ist Kriegsverlust. Durch Zufall wurde Ende 2006 eine vollständige Sammlung der Niederschriften im reichhaltigen Altbestand der Bibliothek der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern bekannt. In Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern konnte diese seltene Quelle einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden.

Florian Sepp

Literatur:

 

Nach oben

 

Hinweise zur Benutzung

Das Angebot steht in einer Blätterversion zur Verfügung, die durch ein Inhaltsverzeichnis erschlossen ist.

Angaben zum Projekt

"Protokolle der bayerischen Sozialisierungskommission, 1919" ist ein Angebot der der Bayerischen Landesbibliothek Online, des zentralen kulturwissenschaftlichen Informationsportals zu Bayern, in Zusammenarbeit mit der Bibliothek der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern.