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Forschungen zur Geschichte des Wilhelmsgymnasiums München

Das München Jesuitenkollegium mit dem Gymnasium und der Michaelskirche um 1700 (Kupferstich von Michael Wening)Das 1559 gegründete Wilhelmsgymnasium war bis in 1824 das einzige Gymnasium Münchens und bis ins 19. Jahrhundert die zentrale höhere Bildungsstätte Bayerns. Im Rahmen der „Forschungen zur Geschichte des Wilhelmsgymnasiums München" entstand eine umfangreiche Sammlung an Materialien zur Geschichte und den Absolventen des Gymnasiums.

Geschichte des Wilhelmsgymnasiums

Im Zuge der gegenreformatorischen Politik Herzog Albrechts V. (1528-1579) von Bayern kamen 1549 die ersten Jesuiten nach Bayern, die wie in allen anderen katholischen Ländern rasch eine dominierende Stellung im höheren Bildungswesen (Gymnasien, Universitäten) erlangten. 1559 entstand in München ein Jesuitenkolleg, dessen  Gymnasium 1560 eröffnet. Seit 1575 war dem Gymnasium mit der „Domus Gregoriana", dem heutigen Albertinum, ein Internat angeschlossen, 1597 zusätzlich ein Lyzeum als Hochschule für die Ausbildung von Priestern (bis 1823).

Untergebracht war das Gymnasium im 1585-1597 erbauten Jesuitenkolleg neben der 1597 geweihten Michaelskirche.

Der Unterricht war humanistischen Idealen verpflichtet und durch den für den gesamten Jesuitenorden geltenden Lehrplan, der „ratio studiorum" geregelt. Gottesdienste, Gebete und andere religiöse Übungen prägten den Schulalltag, genauso wie regelmäßige Theateraufführungen.

Ein erheblicher Teil der Eliten des Herzog- und Kurfürstentum Bayerns wurde am Münchner Jesuitengymnasium ausgebildet, an dem im 17. Jahrhundert meist rund 1.000 Schüler unterrichtet wurden.

Im 18. Jahrhundert wuchs im Zuge der Aufklärung die Kritik am Schulwesen des Jesuitenordens, der sich neueren wissenschaftlichen Entwicklungen eher verschloss. Nach der Aufhebung der Jesuiten 1773 wurde das Gymnasium zunächst von der kurfürstlichen Regierung und ab 1781 von Augustiner-Chorherren und Benediktinern betrieben, die auch modernere Lehrinhalte einführten. 1799 ging das Gymnasium dann endgültig in staatliche Trägerschaft über.

1802 zog das Gymnasium zunächst in das ehemalige Karmeliterkloster um. Nach der Verlegung der Universität von Landshut nach München wechselte es 1830 in die Herzogspitalstraße.

Seit 1824 entstanden weitere Gymnasien in München, so dass eine genauere Namensgebung erforderlich wurde. 1849 erhielt die Schule ihren heutigen Namen „Wilhelmsgymnasium" unter Rückgriff auf den vermeintlichen Gründer Herzog Wilhelm V. von Bayern (1579-1597).

Von 1799 bis 1826 sowie von 1877 bis 1918 war mit dem Gymnasium die Pagerie verbunden, eine im Vorfeld des Kadettenkorps angesiedelte Ausbildungseinrichtung für den Offiziersnachwuchs.

1877 bezog die Schule ihren heutigen Standort im Lehel. 1943/44 wurde das Gebäude stark zerstört verwüstet und 1952-1958 wieder aufgebaut. Seit 1971 nimmt das Wilhelmsgymnasium auch Mädchen auf. Das Wilhelmsgymnasium ist bis heute ein humanistisches Gymnasium.

Über die „Forschungen"

Die „Forschungen" enthalten unterschiedliche Materialien zur Geschichte des Wilhelmsgymnasiums.

Zu den Forschungen zur Geschichte des Wilhelmsgymnasiums München

Herzstück ist das Verzeichnis der 23.000 Absolventen des Gymnasiums bis 1940. Basis ist bis 1859 die Edition der Matrikeln des Wilhelmsgymnasiums, die Max Leitschuh 1970-1976 veröffentlicht hat, für die Folgezeit die Jahresberichte des Wilhelmsgymnasiums. Die Daten der Absolventen enthalten auch Angaben über den Beruf des Vaters und den Herkunftsort des Schülers.

Bereitgestellt werden auch Verzeichnisse der Schulleiter und der Lehrer sowie Gedenkblätter für die von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Schüler, ferner auch Schulordnungen, ein umfangreiches Verzeichnis der Haus- und Schulaufgaben 1891-1920 und das Rektorats-Tagebuch 1809-1811. Dazu treten kleinere Beiträge über Friedrich von Thiersch, Carl Spitzweg oder den Neubau des Gymnasiums 1875-1877. Abgerundet wird das Angebot durch ein Verzeichnis des Bestands „Wilhelmsgymnasium" im Staatsarchiv München.

Florian Sepp/Katharina Meister

Weiterführende Hinweise

  • Website des Wilhelmsgymnasiums
  • Rolf Selbmann, 430 Jahre Wilhelmsgymnasium. Ein Stück bayerischer Kulturgeschichte, München 1989.
  • Andreas Kraus, Das Gymnasium der Jesuiten zu München (1559-1773). Staatspolitische, sozialgeschichtliche, behördengeschichtliche und kulturgeschichtliche Bedeutung (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 133), München 2001.
  • Julius Oswald SJ/Rolf Selbmann/Claudia Wiener, Serenissimi Gymnasium. 450 Jahre bayerische Bildungspolitik vom Jesuitenkolleg zum Wilhelmsgymnasium München (Jesuitica. Quellen und Studien zu Geschichte, Kunst und Literatur der Gesellschaft Jesu im deutschsprachigen Raum 15), Regensburg 2010.
  • Das Alphabet der Schule. 450 Jahre Wilhelmsgymnasium München, München 2010.

 

Angaben zum Projekt

„Forschungen zur Geschichte des Wilhelmsgymnasiums ist eine private Website, die von Peter Kefes, Regensburg, betrieben wird. Die Startseite in der BLO wurde im Herbst 2014 erstellt und ist seit 23. Dezember 2014 online.