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Zeitungen in Ingolstadt

Ingolstädter Anzeiger, 2. März 1925Ingolstädter Anzeiger, 2. März 1925.Die Ingolstädter Pressegeschichte begann 1802 mit dem "Ingolstädter Wochenblatt". Eine erste Tageszeitung erschien ab 1859 mit dem liberal ausgerichteten „Ingolstädter Tagblatt, dem 1872 die katholisch orientierte „Neuen Ingolstädter Zeitung“ folgte. In der Zeit der Weimarer Republik entstand mit dem "Ingolstädter Anzeiger" ab 1921 ein eigenes Parteiorgan der SPD. Das "Ingolstädter Tagblatt" vollzog einen Rechtsruck. Dennoch gründete die NSDAP 1927 mit dem Donauboten ihre eigene Parteizeitung. 1933 musste der "Ingolstädter Anzeiger" sofort sein Erscheinen einstellen, die anderen beiden Tageszeitungen konnten sich noch bis 1935 halten. Der Donaubote war fortan die einzige Ingolstädter Zeitung. Unter der amerikanischen Besatzung entstand 1945 der "Donaukurier".

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Das Ingolstädter Wochenblatt

Die Geschichte der Ingolstädter Zeitungen begann im Jahr 1802, als am 4. Mai die erste Nummer des Ingolstädter Wochenblattes erschien. Herausgeber war Alois Attenkover (1767-1840), Buchdrucker und Buchhändler in Ingolstadt, und als „Chefredakteur“ fungierte der Ingolstädter Stadtsyndikus Ignaz Hübner (1749-1815). Letzterer avancierte vom kurfürstlichen Rat zum „Vorstand der Bureaus der Kirchen und Milden Stiftungen“, war Mitglied der Akademie der Wissenschaften in München. Hübners Name verschwand 1808 vom Titelblatt.

Als Vorbild hatte das Wochenblatt das seit 1765 erscheinende „Churbayerische Intelligenzblatt“. Es war in erster Linie Amtsblatt, Wirtschaftszeitung und Anzeigenblatt. Ähnlich dem Intelligenzblatt verband es amtliche Bekanntmachungen mit vergnüglichen und nützlichen Artikeln. Eine moralisch-pädagogische Ausrichtung prägte das Wochenblatt von Anfang an.

1808 wechselte der Titel zum „Königlich Bairischen Intelligenzblatt von Ingolstadt“, ab 1813 mit dem königlich-bayerischen Wappen auf der Titelseite. 1834 verschwanden Titel und Wappen, es blieb „Wochenblatt von Ingolstadt“.

Im Titelblatt dieser Zeitung spiegelte sich auch die politische Veränderung Bayerns wider: Aus der Hauptstadt Ingolstadt wurde eine Stadt 3. Klasse. Dennoch blieb die Treue zum Staat und zum regierenden Hause erhalten. Die Artikel, die anlässlich der Erhebung zum Königreich, zum Einmarsch Napoleons in Ingolstadt oder zum Seitenwechsel des Königshauses erschienen, belegen diese Treue eindrucksvoll.

Die Leitung des Wochenblattes blieb auch nach dem Tode Attenkovers in Familienbesitz und wurde erst 1859 samt der Buchdruckerei an Georg Schröder (gest. 1864) verkauft.

Das Wochenblatt verlor mit der Gründung von Ingolstädter Tageszeitungen an Bedeutung, blieb aber in Verbindung mit dem „Ingolstädter Tagblatt“ bis 1887 erhalten.

Ingolstädter Tagblatt

Das „Ingolstädter Tagblatt“ ist die älteste Tageszeitung und wurde am 1. Juli 1859 gegründet. Es war eine private Initiative Georg Schröders, dem „Amtsblatt“ eine neue verlegerische Variante hinzuzufügen: Es hatte Zeitungsformat und war weder politisch noch weltanschaulich festgelegt. Der verantwortliche Redakteur war A. Spangler. Das Periodikum verstand sich bayerisch-liberal. Schröder hatte richtig erkannt, dass das Bildungsbürgertum in Ingolstadt mehr oder aktuellere Nachrichten haben wollte. Das Bedürfnis nach Neuigkeiten aus dem In- und Ausland wuchs. In geringerem Maße kamen auch Nachrichten aus Ingolstadt zum Zuge. Es gab auch ein Sonntagsblatt als Gratiszugabe in der Art eines Feuilletons.

1875 nannte sich das Ingolstädter Tagblatt „Liberales Organ für die Obere Donau“.

1875 übergab Schröders Witwe die Buchdruckerei ihrem zweiten Mann Gustav Hensolt (gest. 1885). Das Unternehmen hieß nun "G. Hensolt´sche Buchdruckerei Firma: G. Schröder". Der Schrobenhausener Gustav Hensolt löste Spangler als verantwortlichen Redakteur ab. Es gab einen Wechsel im Titel „Neue Bayerische Nachrichten (Ingolstädter Tagblatt)“ unter dem Redakteur Eugen Wittmeyer, der für die Zeitung eine überregionale Bedeutung anstrebte. Nach seinem Ausscheiden erhielt die Zeitung ihren alten Namen zurück, die Gesamtleitung hatte nun Gustav Hensolt inne.

1884 übertrug er die Leitung an seinen Stiefsohn Conrad Schröder (geb. 1860), der die Zeitung, die Druckerei und den Verlag am 3. November 1904 an Ludwig Stadelmeier (1870-1951) verkaufte.

Neue Ingolstädter Zeitung

Konkurrenz entstand der ältesten Tageszeitung mit der Gründung der „Neuen Ingolstädter Zeitung“ am 26. Mai 1872, im Verlag Johann Evangelist Wittmann gedruckt, der gleichzeitig auch verantwortlicher Redakteur war. Der Landshuter hatte bereits buchhändlerische Erfahrung und eröffnete in der Ludwigstraße Buchhandlung und Buchdruckerei.

Das neue Blatt erhob den Anspruch, lokale Nachrichten aus Staat und Kirche sowie Inserats- und Wirtschaftsblatt zu sein. Es hatte von Anfang an einen stärkeren Akzent auf Stadt und Region gelegt, bediente aber mit den restlichen Themen dieselbe Kundschaft wie das „Tagblatt“. Die „Neue Ingolstädter Zeitung“ verstand sich als patriotisch, deutsch-national, weltanschaulich gebunden im Sinne des Katholizismus. Sie vertrat dezidiert katholisch-konservative Interessen, weniger die der liberalen Beamtenschaft und der Offiziere. Auch die protestantischen Leser waren keine Zielgruppe des Blattes.

Johann Wittmann verkaufte die Zeitung 1873 an den Landshuter Alois Ganghofer (1830-1882), der versprach, es im Sinne seines Vorgängers weiter zu führen.

Die Ingolstädter Zeitungslandschaft im Kaiserreich 1871-1918

Die politische Veränderung der Jahre 1870/71 mit der Ausrufung des Deutschen Reiches prägte auch das Zeitungswesen in Ingolstadt. Das „Tagblatt“ verstand sich nun verstärkt als deutsch-national, Leitbild wurde der Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898). Diese eindeutige Ausrichtung war umso wichtiger, als mit der „Neuen Ingolstädter Zeitung“ eine ernsthafte Konkurrenz entstanden war. So spiegelt sich die Politik des Reichskanzlers in den beiden Ingolstädter Zeitungen gerade am Beispiel des Kulturkampfes wider. Das Verhältnis von Kirche und Staat wurde zum Hauptthema der beiden Zeitungen und fanden in vielen Artikeln einen kämpferischen, erbitterten Niederschlag.

Die „Ingolstädter Zeitung“ griff bereits sehr früh Themen der katholischen Soziallehre auf nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Bayerischen Landesfestung und der Konzentration der Rüstungsbetriebe in Ingolstadt. Auch das „Tagblatt“ griff die Problematik auf, die sich mit dem Rücktritt Bismarcks als Reichskanzler 1890 noch verschärfte.

Beide Tageszeitungen waren sich einig in ihrer Ablehnung der Sozialdemokratie und plädierten für eine großzügige staatliche Sozialpolitik. In den der allgemeinen Euphorie der Mobilmachung vom 2. August 1914 verzichteten beide Zeitungen auf vaterländisch aufhetzende Parolen. Vielmehr lässt die detaillierte lokale Berichterstattung der „Ingolstädter Zeitung“ die nicht einhellig positive Stimmung in der Garnisonsstadt nachvollziehen.

Auch in den Wirren nach Ende des Ersten Weltkrieges bemühten sich beide Zeitungen um eine zurückhalten Berichterstattung der Ereignisse der „Novemberrevolution“. Der Meldung, dass sich auch in Ingolstadt ein Arbeiter- und Soldatenrat gebildet hatte, folgte der Aufruf in der Ingolstädter Presse, Disziplin und Ruhe zu bewahren.

Zeitungsvielfalt und Pressekampf in den Jahren der Weimarer Republik

In der Weimarer Zeit veränderte sich die Presselandschaft in Ingolstadt. Mit dem SPD-Organ "„Ingolstädter Anzeiger“ kam eine dritte Zeitung hinzu.

Diese Situation zeigte für eine Stadt von knapp 30.000 Einwohnern eine erstaunliche Vielfalt. Die SPD gründete ihr eigenes Parteiorgan im Jahr 1920 und nannte es „Freie Presse“, ab 1923 „Ingolstädter Anzeiger“. Es dauerte eine Zeit, ehe sich die Zeitung etablieren konnte. Das Blatt führte den Untertitel „Organ für das werktätige Volk“ und war in seiner Berichterstattung vor allem emotional. Es verstand sich als Kampfblatt der Arbeiterinteressen und –ziele.

In der politischen Ausrichtung veränderte sich vor allem das „Ingolstädter Tagblatt“ nach 1918: Es galt vor allem als ein national-liberales Blatt und bediente vor allem die protestantische Klientel Ingolstadts. Nicht zuletzt durch sinkende Abonnentenzahlen veranlasst, näherte sich der Verleger Ludwig Stadelmeier zunächst der SPD, dann aber der politisch entgegen gesetzten Richtung: 1924 wurde es das „Organ der völkischen Richtung“ und unterstütze offen die Nationalsozialisten. Doch es kam zum Eklat, als der Verleger Stadelmeier weiterhin jüdische Geschäftsleute inserieren ließ. Das „Tagblatt“ unterstützte daraufhin die DNVP und ihre strikte Ablehnung der Sozialdemokratie und des Kommunismus.

Mit der Gründung des „Donauboten“ reagierten die örtlichen Nationalsozialisten auf die Abkehr des „Tagblattes“. Am 1. Juni 1927 erschien die erste Ausgabe des „Parteiorgans“ vermutlich mit Zustimmung Adolf Hitlers (1889-1945), der sich im März 1927 in Ingolstadt aufhielt. Sanitätsrat Dr. Ludwig Liebl förderte das Blatt in finanzieller Hinsicht, er richtete die Druckerei ein. Schnell erreichte der „Donaubote“ eine hohe Auflage: bis 1933 fast 2.500 Exemplare.

Mit dem „Donauboten“ kämpften nun vier Tageszeitungen um die Gunst der Leser. Der „Pressekampf“ fand Niederschlag in den Stadtratsprotokollen der Jahre 1928 folgende. Am heftigsten war die Auseinandersetzung zwischen „Ingolstädter Anzeiger“ und „Donauboten“. Sie führte zu gerichtlichen Auseinandersetzungen und zum zeitweiligen Verbot des „Donauboten“.

Es war ein politisch begründeter Konkurrenzkampf der sozialdemokratischen und der nationalsozialistischen Zeitung, auch ein harter wirtschaftlicher Kampf. Behörden und Kirche verweigerten dem „Donauboten“ den Abdruck amtlicher Verlautbarungen und der Gottesdienstordnung. Das „Ingolstädter Tagblatt“ und die „Ingolstädter Zeitung“ waren die einzigen Amtsblätter, 1925 kam der „Anzeiger“ hinzu. Per Stadtratsbeschluss durfte der „Donaubote“ erst 1930 amtliche Verlautbarungen drucken.

Nationalsozialistische Gleichschaltung der Presse

Die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler 1933 hatte für das Pressewesen in Deutschland – so auch in Ingolstadt – katastrophale Folgen: Die SPD-nahen Zeitungen waren als erste Repressalien unterworfen. Der „Ingolstädter Anzeiger“ geißelte im Januar noch den Fackelzug der NSDAP und wurde bei der "Machtergreifung" in Bayern am 9. März 1933 sofort von SA-Männern besetzt. Am 10. März 1933 erschien die letzte Ausgabe, doch inhaltsgleich mit der Ausgabe des „Donauboten“. Wenn diese Ausgabe berichtete, die Druckerei sei unversehrt geblieben, entsprach dies nicht den tatsächlichen Ereignissen: Türen wurden eingetreten, Druckereieinrichtungen demoliert, Setzkästen und Lettern in die laufende Schnellpresse geworfen. Der „Donaubote“ übernahm alle noch funktionsfähigen Geräte. Der Schriftleiter des „Anzeigers“ Mayr wurde in Schutzhaft genommen und ins KZ Dachau gebracht. Nach der Haft wurde ein zweijähriges Berufsverbot verhängt.

Weniger spektakulär aber dennoch konsequent wurden die beiden verbliebenen Tageszeitungen bis 1935 „gleichgeschaltet“, begleitet von massiven Drohungen des örtlichen SA-Führers Wilhelm Dittler (geb. 1899).

Die letzte Ausgabe der ab 1935 einzigen Tageszeitung Ingolstadts, dem „Donauboten“ erschien am 20/21. April 1945. Er setzte sich bis zuletzt für die Ziele der NSDAP ein.

Am 26. April 1945 marschierten die Amerikaner in Ingolstadt ein, Publikationen jedweder Art wurden verboten.

Die Ingolstädter Presse seit 1945

In Ingolstadt erschien am 11. Dezember 1945 unter der Lizenz Nr. 10 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung Ost eine neue Zeitung: der „Donau-Kurier“. Mit Kriegsende und Entnazifizierung war nicht daran zu denken, den alten Titel „Donauboten“ fortzusetzen. Zunächst setzten die Amerikaner Kontrolleure der Geschäfte ein, die eng mit der NSDAP zusammenarbeiteten, das galt auch für den „Donauboten“.

In zähen Verhandlungen zwischen dem ersten Chefredakteur und Herausgeber Joseph Lackas (geb. 1903) und dem amerikanischen Presseoffizier David Davidson (1908-1985) gelang es, eine Tageszeitung unter dem Titel "Donau-Kurier" mit zunächst nur zwei Ausgaben pro Woche zu drucken. Die Differenzen entstanden vor allem wegen des Anspruchs der neuen Zeitung, sich lokal und regional, d.h. in den angrenzenden Landkreisen aufzustellen. Der Donaukurier erhielt aufgrund der amerikanischen Pressepolitik nach dem Krieg eine Monopolstellung, die er bis heute nicht verloren hat. Die Zeitungsvielfalt früherer Zeiten bleibt Geschichte.

Beatrix Schönewald

Hinweise zur Benutzung

Die Hinweise zur Benutzung finden Sie bei den einzelnen Zeitungen.

Angaben zum Projekt

Dieses Informationsangebot ist ein Gemeinschaftsprojekt des Stadtarchivs Ingolstadt und der Bayerischen Staatsbibliothek.