Bayerische Landesbibliothek Online
Das Portal zu Geschichte und Kultur des Freistaats

Vom ABC bis zur Apokalypse - Virtuelle Ausstellung

Die folgende Übersicht führt alle Exponate der Ausstellung in der gezeigten Reihenfolge auf. Die meisten ausgestellten Objekte sind hier als Volldigitalisate aufrufbar.

Weitere Informationen zu den einzelnen Ausstellungsstücken bietet der Katalog zur Ausstellung, der vor Ort für 18 Euro erhältlich ist.

→ 1. Alphabet, Paternoster und andere
Gebete ('Abecedarium')

→ 2. Aelius Donatus: Ars minor

→ 3. Symbolum apostolicum (Credo)

→ 4. Biblia pauperum

→ 5. Speculum humanae salvationis

→ 6. Canticum canticorum

→ 7. Ars memorandi per figuras evangelistarum

→ 8. Johannes Hartlieb (?), 'Chiromantie'

→ 9. Johannes Müller von Königsberg
(Regiomontanus): Kalender

→ 10. Mirabilia Romae

→ 11. Meinradslegende

→ 12. Ars moriendi

→ 13. Totentanz

→ 14. Der Antichrist und die fünfzehn
Zeichen vor dem Jüngsten Gericht

→ 15. Apokalypse

 

 

 

1. Alphabet, Paternoster und andere Gebete ('Abecedarium')

Die nur fragmentarisch erhaltene Sammlung lateinischer Gebete wird auch als 'Abecedarium' bezeichnet, weil sie von einem ABC eingeleitet wird. Sie enthält zentrale lateinische Texte des christlichen Glaubens wie das Paternoster, das Ave Maria und das Credo und endet mit einem Tischgebet. Solche Zusammenstellungen wurden als handschriftliche oder gedruckte Büchlein geringen Umfangs oder als Einblattdrucke verbreitet. Sie dienten im Schulunterricht als Elementarlehrbücher für das Lesenlernen und das Auswendiglernen der wichtigsten Gebete.

Viele derartige Gebrauchstexte sind 'zerlesen' worden und daher nur als Fragmente erhalten geblieben. Das Münchener Exemplar des Blockbuchs ist auf Pergament gedruckt und umfasste ehemals vier Blätter. Wohl noch im 15. Jahrhundert wurden die Blätter aber in schmale Streifen zerschnitten, die als Lagenverstärkung in einer deutschen Handschrift (Cgm 593) dienten. In den 1920er Jahren wurden die Streifen aus der Handschrift ausgelöst; auf diese Weise konnte man das Blockbuch rekonstruieren.

bsb00038183_45

→ Digitalisat

Fragment eines Blockbuchs mit
Alphabet und lateinischen Gebeten

[Süddeutschland, Ulm?, um 1470]

Xylogr. 39 t

Fragment einer Handschrift
mit Alphabet und lateinischen
Gebeten

[15. Jh., wohl 2. Hälfte]

Clm 29952(1

Holzstock zum Druck eines
Einzelblatts mit Alphabet
und deutschem Spruch

[Augsburg?] 1481

Augsburg,
Staats- und Stadtbibliothek,

zu Graph. 38,5

 

→ weitere Informationen zum 'Abecedarium' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

2. Aelius Donatus: Ars minor

Die lateinische Grammatik des spätantiken Autors Aelius Donatus diente im Mittelalter als elementares Lehrbuch für den schulischen Unterricht und war in einer Vielzahl von Abschriften, kommentierten Fassungen und Umarbeitungen verbreitet. Obwohl sehr viele Exemplare solcher intensiv benutzten Schulbücher verlorengegangen sind, haben sich über 350 typographische Ausgaben sowie zahlreiche Blockbücher und Handschriften erhalten.

Das Blockbuch der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg basiert auf der Inkunabelausgabe von Friedrich Creussner in Nürnberg. Anders als in der Inkunabel ist der Textanfang im Blockbuch aber mit einer historisierten P-Initiale hervorgehoben, die einen Leser am Pult mit einem aufgeschlagenen Buch zeigt. Vorbild für diese Holzschnitt-Initiale war mit größter Wahrscheinlichkeit eine Donat-Ausgabe des Straßburger Druckers Heinrich Knoblochtzer; Knoblochtzer verwendete dieselbe  Initiale auch für den Druck  'De secreta mulierum et virorum' des Pseudo-Albertus Magnus. Die Entstehungszeit des Blockbuchs kann daher auf die zweite Hälfte der 1480er Jahre eingegrenzt werden.

bsb00043469_00005


bsb00041850_00007


bsb00024920_00005


→ Digitalisat

→ Digitalisat

→ Digitalisat

Blockbuch der
'Ars minor' des Donat

[Entstehungsort unbekannt,
um 1485–90]

Augsburg,
Staats- und Stadtbibliothek,
Cim. 51

Inkunabelausgabe der
'Ars minor' des Donat

[Nürnberg:] Friedrich Creussner
[um 1485–90]

2 Inc.s.a. 376 m

Inkunabelausgabe der
'Secreta mulierum et virorum'

[Straßburg: Heinrich Knoblochtzer,
um 1483]

4 Inc.s.a. 89

 

→ weitere Informationen zur 'Ars minor' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

3. Symbolum apostolicum (Credo)

Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist wesentlicher Bestandteil der katholischen Liturgie. Vier Blockbuchausgaben mit Texten in lateinischer oder deutscher Sprache sind bekannt, von denen jeweils nur ein Exemplar erhalten ist. Zwei dieser Exemplare befinden sich in der Bayerischen Staatsbibliothek.

Den Bildtafeln der Blockbücher liegt eine Tradition zugrunde, der zufolge jeder der zwölf Sätze des Glaubensbekenntnisses auf einen der Apostel zurückgeht. Die aufgeschlagene Seite visualisiert den neunten Glaubensartikel zur Kirche und zur Gemeinschaft der Heiligen durch ein Kirchengebäude und den Papst, der als Nachfolger Petri einen Schlüssel in der Hand hält. Der im unteren Bildteil platzierte Text wird dem Apostel Jakobus d. J. bzw. Matthäus zugeschrieben. Ihm ist der Prophet Micha als typologisches Vorbild aus dem Alten Testament zur Seite gestellt.

Anders als die beiden deutschsprachigen Blockbücher, deren Bildseiten nur kurze Texte enthalten, bietet die Inkunabelausgabe eine ausführliche Erklärung der Glaubensartikel. Die Holzschnitte sind nun in zwei gleich große Register gegliedert. Die obere Darstellung illustriert den Glaubensartikel, während die untere einen Apostel und einen Propheten zeigt. Die Schriftbänder sind leer belassen.

bsb00039086_2
bsb00038200_21

bsb00026914_00029

→ Digitalisat

→ Digitalisat

→ Digitalisat

Einzelblatt aus einem Blockbuch
mit deutschem Text des
'Credo'‘

[Süddeutschland (Augsburg?),
um 1450]

In den Einband einer
Sammelhandschrift mit
geistlichen Texten und
Gebeten eingeklebt.

Cgm 7248, vorderer Spiegel

Blockbuch mit deutschem Text des
'Credo‘

[Südbayern oder Salzburger Raum,
um 1470]

Xylogr. 40

Inkunabelausgabe der
'Erklärung der zwölf Artikel des
christlichen Glaubens'

Ulm: Konrad Dinckmut,
21. August 1485

2 Inc.c.a. 1590

 

→ weitere Informationen zu den 'Symbolum apostolicum' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

4. Biblia pauperum

Die Bezeichnung 'Armenbibel' darf nicht dazu verleiten, das Werk als vereinfachten Bibelersatz für Arme oder weniger Gebildete zu begreifen. Vielmehr sind in der 'Biblia pauperum' Ereignisse aus dem Alten und aus dem Neuen Testament gegenübergestellt; gemäß der Auslegungstradition der Typologie wurde so die Erfüllung von Verheißungen und Ankündigungen veranschaulicht. Auf diese Weise konnte biblisches Wissen einprägsam vermittelt werden.

Das Werk entstand vermutlich im 13. Jahrhundert im südostdeutschen oder österreichischen Raum und war in zahlreichen Handschriften und nach der Mitte des 15. Jahrhunderts auch in xylographischen und typographischen Drucken verbreitet. Elf Blockbuchausgaben der lateinischen 'Biblia pauperum' sind erhalten. Schon um 1462/1463 kombinierte Albrecht Pfister in Bamberg in der ersten Inkunabelausgabe des Werks Bilderholzschnitte mit aus beweglichen Lettern gesetzten Texten.

Auch wenn die Handschriften, Blockbücher und Inkunabeln kleine Unterschiede im Layout der Bild-Text-Seiten aufweisen, steht im Mittelpunkt jeder Tafel immer eine christologische Bildszene des Neuen Testaments (Antitypus). Sie begleiten zwei Bildszenen aus dem Alten Testament (Typen) und vier Prophetenbildnisse. Die aufgeschlagenen Seiten zeigen Szenen der Passion Christi. Dem Lanzenstich nach der Kreuzigung Jesu werden die Erschaffung Evas sowie der Schlag des Moses auf den Felsen als Vorausdeutungen zur Seite gestellt.

bsb00038196_00031
bsb00060101_00007
bsb00026399_00005

→ Digitalisat

→ Digitalisat

Blockbuch der lateinischen
'Biblia pauperum'

[Deutschland, um 1470]

Xylogr. 27

Handschrift der lateinischen
'Biblia pauperum'

[Oberpfalz (?), 2. Viertel 15. Jh.]

Clm 28141

Inkunabelausgabe der lateinischen
'Biblia pauperum'

[Bamberg: Albrecht Pfister,
um 1462/63]

Rar. 4

 

→ weitere Informationen zur 'Biblia pauperum' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

5. Speculum humanae salvationis

Wie die 'Biblia pauperum' kombiniert das 'Speculum humanae salvationis' (Spiegel des menschlichen Heils) Szenen aus dem Alten und aus dem Neuen Testament in typologischer Gegenüberstellung. Das Werk fand sehr weite Verbreitung. Mehr als 300 lateinische Handschriften, zwei lateinische und zwei niederländische Blockbücher sowie zahlreiche Inkunabelausgaben sind erhalten; hinzu kommen Übersetzungen in verschiedene Volkssprachen.

Anders als in der 'Biblia pauperum' folgen auf jede Szene aus dem Neuen Testament im 'Heilsspiegel' drei weitere Bilder, meist Vorausdeutungen aus dem Alten Testament. Auf der aufgeschlagenen Doppelseite mit dem neunten Kapitel des Werks sind links die Anbetung der Könige und ihre Suche nach dem Stern, rechts König David mit drei gerüsteten Helden und der Thron Salomons dargestellt. Nur im Blockbuch findet jedes Kapitel mit den zugehörigen Bildern auf einer Doppelseite Platz. Die Handschrift, die Leonhard Taichstetter im Jahr 1461 vollendete, ist mit eingestempelten Holzschnitt-Illustrationen ausgestattet; das neunte Kapitel umfasst hier mehr als vier Seiten. Die Augsburger Inkunabelausgabe benötigte für den nun zweisprachigen Text sogar acht Seiten; die Holzschnitte sind nun auf vier Seiten verteilt.

Die erste Blockbuchausgabe wurde als typo-xylographischer Mischdruck hergestellt: Erst bedruckte man die Seiten in einer Presse mit dem Text. Diesen setzte man mit beweglichen Lettern, die mit Druckerschwärze eingefärbt wurden. In einem zweiten Arbeitsschritt fügte man die Illustrationen ein, indem man die Holzschnitte mit hellbrauner Farbe bestrich und von Hand auf Papier abrieb.

bsb00038201_42


 


bsb00031706_00022

→ Digitalisat

→ Wasserzeichen

→ Digitalisat

Blockbuch des lateinischen
'Speculum humanae salvationis'

[Niederlande (Utrecht?): um 1466/67]

Xylogr. 37

Handschrift des lateinischen
'Speculum humanae salvationis'

[Bayern (München?),
geschrieben von]
Le[onhard] T[aichstetter] 1461

Clm 21543

Inkunabelausgabe des
'Speculum humanae salvationis'
mit lateinischem und deutschem Text

[Augsburg: St. Ulrich und Afra
mit Typen Günther Zainers,
nicht nach 1473]

2 Inc.s.a. 1087

 

→ weitere Informationen zum 'Speculum humanae salvationis' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

6. Canticum canticorum

Das Blockbuch des 'Canticum canticorum' basiert auf dem Hohenlied des Königs Salomon, dessen Liebeslieder über Bräutigam und Braut in der mittelalterlichen Auslegungstradition auf Christus und Maria oder auch auf die Kirche und die menschliche Seele bezogen wurden. Die 32 Tafeln mit jeweils zwei Bildszenen, in die Spruchbänder integriert sind, geben etwa die Hälfte der Verse des biblischen Hohenlieds wieder.

Braut und Bräutigam stehen sich in verschiedenen Szenen gegenüber. Die erste Tafel des Blockbuchs zeigt auf dem oberen Bild das Paar mit zwei Begleiterinnen am Tor eines Gartens, in dem Mönche mit Erntearbeiten beschäftigt sind. Auf dem unteren Bild ist die Braut in den Mittelpunkt gerückt, ähnlich wie im Hohenlied, in dem sie die Lieder eröffnet und beschließt.

Von den zwei lateinischen Blockbuchausgaben sind jeweils etwa 15 Exemplare überliefert. Handschriftliche Vorläufer oder typographische Ausgaben sind nicht bekannt. Etwa 30 Jahre nach dem Druck des Blockbuchs wurde aber der erste Holzstock zersägt und die obere Hälfte als Titel-Illustration einer niederländischen Inkunabelausgabe, welche sich mit der Meditation befasst, wiederverwendet.

bsb00038199_22
bsb00065036_00005

→ Digitalisat

→ Wasserzeichen

→ Digitalisat

Blockbuch des 'Canticum canticorum'

[Niederlande, um 1465]

Xylogr. 32

Inkunabel mit einem Holzschnitt des
Blockbuchs als Titel-Illustration
Johannes Mauburnus:
'Rosetum exercitiorum spiritualium
et sacrarum meditationum'

[Zwolle: Peter van Os] 1494

2 Inc.c.a. 3095

 

→ weitere Informationen zum 'Canticum canticorum' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

7. Ars memorandi per figuras evangelistarum

Die 'Ars memorandi' ist ein mnemotechnisches Werk, mit dessen Hilfe sich der Betrachter den Inhalt der Evangelien ins Gedächtnis einprägen konnte. Drei Blockbuchausgaben sind bekannt. In ihnen steht jeweils auf einer Doppelseite eine Texttafel einem Gedächtnisbild gegenüber. Die Texttafeln bieten knappe Zusammenfassungen des lateinischen Evangelientextes, der auf der gegenüberliegenden Bildtafel visualisiert ist.

Im Zentrum jedes Bildes steht das Symbol des jeweiligen Evangelisten (Mensch, Löwe, Stier und Adler für Matthäus, Markus, Lukas und Johannes), das nahezu das gesamte Bildfeld einnimmt. Auf dem Hauptbild sind in der Regel fünf kleinere Symbole in Form eines Kreuzes angeordnet, die zum Memorieren der einzelnen Kapitel dienen. Die Kapitelnummer ist aus der beigefügten Zahl ersichtlich.

Die erste typographische Ausgabe der 'Ars memorandi' erschien erst 1502. Der Text der typographischen Drucke unterscheidet sich erheblich von dem des Blockbuchs. Die Beischriften der Blockbuchausgabe sind gekürzt, teilweise verändert und nehmen nicht mehr die komplette Textseite ein. Der dadurch entstehende Raum ist gefüllt mit einem Auszug aus dem 'Roseum'‘ des Melker Reformpriors Petrus von Rosenheim (1380–1433). Dieses Werk ist in zahlreichen Handschriften überliefert; die ausgestellte Handschrift stammt aus dem Kloster Tegernsee.

bsb00038187_19
bsb00064973_00003

 


bsb00009172_00019

→ Digitalisat

→ Wasserzeichen

→ Digitalisat

→ Digitalisat

Blockbuch der 'Ars memorandi'

[Süddeutschland, um 1465–1470]

Xylogr. 10

Handschrift mit dem
'Roseum memoriale divinorum
eloquiorum' des
Petrus von Rosenheim

[Entstehungsort unbekannt, 15. Jh.]

Clm 20203

Druck der 'Ars memorandi'

[Pforzheim:] Thomas Anshelm, 1502

Rar. 4099

 

→ weitere Informationen zur 'Ars memorandi' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

8. Johannes Hartlieb (?), 'Chiromantie'

Die Kunst, aus den Linien der Hand die Zukunft eines Menschen vorherzusagen, erklären zahlreiche spätmittelalterliche Handschriften und Drucke. Diese Chiromantien unterscheiden sich im Textbestand zum Teil erheblich: Oftmals werden Teile älterer Werke mit Neuem angereichert oder Kompilationen vorhandener Texte erstellt.

Die deutsche Übersetzung der Chiromantie, als deren Verfasser – wohl irrig – der Münchener Hofarzt Johannes Hartlieb genannt ist, überliefern dagegen lediglich zwei Handschriften. Nur eine davon stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sie enthält auch lateinische Passagen, die zum Teil aus einer Aristoteles zugeschriebenen Handlesekunst stammen, die 1490 in Ulm als Druck erschien.

Nur eine Blockbuchausgabe des deutschsprachigen Werks ist bekannt. Sie beginnt mit einer Einleitung, in der Johannes Hartlieb das Buch an Herzogin Anna überreicht, die Gemahlin Herzog Albrechts III. von Bayern (1401–1460). 44 Darstellungen von Händen schließen sich an. Die Bilder zeigen auf jeweils gegenüberliegenden Seiten eine linke (Frauen-) und eine rechte (Männer-)Hand mit Linien und anderen Markierungen, die in beigefügten Schriften in deutscher Sprache erläutert werden. Einige Exemplare des Blockbuchs weisen ein Impressum auf, in dem sich der Augsburger Formschneider und Buchbinder Jörg Schapf nennt; es ist jedoch ungeklärt, ob er die Holzschnitte selbst herstellte oder von einem anderen Drucker übernahm.

bsb00037310_12


bsb00025049_00045

→ Digitalisat

→ Wasserzeichen

→ Digitalisat

Blockbuch der deutschen
'Chiromantie'

[Augsburg: Jörg Schapf, um 1485?]

Xylogr. 35

Handschrift mit chiromantischen
Schriften in lateinischer und
deutscher Sprache

[Süddeutschland, Ende 15. Jh.
(um 1480?)]

München, Universitätsbibliothek,
8° cod. ms. 339

Inkunabelausgabe der lateinischen
'Chiromantie'

Ulm: [Johannes Reger] 21. Juli 1490

4 Inc.c.a. 724 m

 

→ weitere Informationen zur 'Chiromantie' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

9. Johannes Müller von Königsberg (Regiomontanus): Kalender

Johannes Müller aus Königsberg in Franken (nach seinem Herkunftsort Regiomontanus genannt) gilt als einer der bedeutendsten Mathematiker und Astronomen des 15. Jahrhunderts. Zu seinen naturwissenschaftlichen Werken gehört ein Kalender, den Regiomontanus 1474 in seiner eigenen Nürnberger Druckerei erstmals in einer lateinischen und einer deutschen Fassung herausbrachte, die mit beweglichen Lettern hergestellt waren. Der Kalender behandelt insbesondere die Mondphasen und Mondfinsternisse sowie die täglichen Mond- und Sonnenkonstellationen und bietet neu berechnete Positionsangaben mit genauen Zeitbestimmungs- und Umrechnungstabellen für die Jahre 1475 bis 1531, die für die Seefahrt der Zeit wichtige Navigationshilfen darstellten.

Die deutschsprachige Blockbuchausgabe stellt einen Nachschnitt der typographischen Ausgabe dar und erschien kurz nach dieser bei Hans Sporer in Nürnberg. Sie enthält neben den Mondtafeln am Ende des Werks Abbildungen von astronomischen Instrumenten und einem Aderlassmann mit den zwölf Tierkreiszeichen.
Vom großen Interesse am Kalender des Regiomontanus zeugen auch die zahlreich überlieferten handschriftlichen Kopien der Drucke. Die ausgestellte Handschrift stammt aus dem Benediktinerkloster Attel.

bsb00038683_65
bsb00031080_00063
bsb00064974_00004

→ Digitalisat

→ Wasserzeichen

→ Digitalisat

→ Digitalisat

Blockbuch des
Regiomontan-Kalenders

[Nürnberg:]
Hans Sporer
[1475–77]

Xylogr. 46

Inkunabelausgabe des
Regiomontan-Kalenders

[Nürnberg:]
Johannes Regiomontanus
[1474]

4 Inc.s.a. 1551 r

Handschrift mit dem
Regiomontan-Kalender

[Bayern, 4. Viertel 15. Jh.]

Clm 3333

 

→ weitere Informationen zum 'Kalender' des Regiomontanus im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

10. Mirabilia Romae

In den 'Mirabilia Romae' werden die 'Wunder‘ der Stadt beschrieben, also die antiken Bauwerke vorgestellt und (vorgeblich) historische Ereignisse erzählt, die sich dort zugetragen haben sollen. Die ausgestellte Handschrift enthält eine deutsche Fassung und ist als einziger Textzeuge mit Federzeichnungen ausgestattet. Das Blockbuch bietet eine längere Version und umfasst auch eine geschichtliche Einleitung, eine Liste der Kirchen Roms mit den dort vorhandenen Reliquien und erhältlichen Ablässen sowie ein kalendarisches Verzeichnis der römischen Stationskirchen. Dieser Text konnte auch als Pilgerführer verwendet werden. Besonders in heiligen Jahren wie dem Jahr 1475 bestand danach rege Nachfrage.

Die 'Mirabilia' sind eines der umfangreichsten Blockbücher, dessen 182 Holzschnitt-Tafeln allerdings fast nur Texte wiedergeben. Nur fünf Tafeln enthalten bildliche Darstellungen, darunter die Geschichte der Gründung Roms durch Romulus und Remus, das Schweißtuch der Veronika sowie zwei Papstwappen. Wann und wo die deutschsprachige Blockbuchausgabe entstand, ist unklar. Der älteste typographische Druck in deutscher Sprache erschien erst im Jahr 1481. Die lateinische Inkunabelausgabe von 1484 enthält seitenverkehrte Nachschnitte der Blockbuch-Illustrationen.

bsb00038895_10
bsb00064969_00003
bsb00006407_00008

→ Digitalisat

→ Wasserzeichen

→ Digitalisat

→ Digitalisat

Blockbuch der deutschsprachigen
'Mirabilia Romae vel potius Historia
et descriptio urbis Romae'

[Nürnberg?, um 1475]

Xylogr. 50

Handschrift mit den
deutschsprachigen
'Mirabilia Romae'

[Bayern] 1466

Cgm 414

Inkunabelausgabe der lateinischen
'Indulgentiae ecclesiarum
principalium urbis Romae'

[Rom: Stephan Plannck,
nicht vor September 1484]

Inc.s.a. 195

 

→ weitere Informationen zu den 'Mirabilia Romae' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

11. Meinradslegende

Der hl. Meinrad lebte im 9. Jahrhundert als Mönch auf der Insel Reichenau und später als Einsiedler im Etzelgebirge. Seine Lebensgeschichte wurde vermutlich schon kurz nach seinem gewaltsamen Tod aufgezeichnet. Im 14. Jahrhundert entstand eine erheblich erweiterte Fassung, die 'Vita sancti Meinradi martyris', die auch ins Deutsche übersetzt wurde und weite Verbreitung fand.

Auf dieser späteren Legendenversion basieren sowohl das in nur zwei Exemplaren erhaltene deutschsprachige Blockbuch, das vermutlich kurz vor 1466 im Auftrag des Klosters Einsiedeln in Basel gedruckt wurde, als auch die späteren typographischen Ausgaben. Die deutschen und lateinischen Drucke wurden wohl als Andenken für Wallfahrer hergestellt, die das Kloster Einsiedeln besuchten, das auf den Ruinen der Klause Meinrads errichtet worden war.

bsb00038683_00034
bsb00034330_00010

→ Digitalisat

→ Digitalisat

Blockbuch der deutschsprachigen
Meinradslegende

[Oberdeutschland oder Schweiz,
um 1466]

Xylogr. 47

Inkunabelausgabe der lateinischen
'Passio sancti Meinradi‘

Basel: Michael Furter,
20. September 1496

4 Inc.c.a. 1324

 

→ weitere Informationen zur 'Meinradslegende' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

12. Ars moriendi

Die sogenannte 'Bilder-Ars-moriendi' ist eine Erbauungsschrift, die in fünf Bildpaaren den Kampf der himmlischen und teuflischen Mächte um die Seele eines Christen an dessen Lebensende zeigt. Fünf Anfechtungen durch den Teufel, der die letzten Gedanken des Kranken zu beeinflussen sucht, stehen fünf Eingebungen des Engels gegenüber, der den Sterbenden auf den rechten Weg führen will. Den Abschluss bildet die Todesstunde, während der der Teufel weicht und die Seele in den Himmel aufgenommen wird.

Der Text wurde vermutlich von einem französischen Geistlichen zu Beginn des 15. Jahrhunderts verfasst und zuerst als Blockbuch verbreitet. Die 'Bilder-Ars-moriendi' ist das Werk, von dem weltweit die meisten Blockbücher erhalten sind. Elf lateinische und zwei deutsche Blockbuchausgaben sind überliefert. Das Thema wurde aber auch in zahlreichen typographischen Drucken aus ganz Europa behandelt.

→ Digitalisat

→ Wasserzeichen

→ Digitalisat

→ Digitalisat

→ Wasserzeichen

→ Digitalisat

Blockbuch der lateinischen
'Ars moriendi'

[Süddeutschland (Ulm?),
um 1475]

Xylogr. 16

Inkunabelausgabe der
lateinischen 'Ars moriendi'

[Lyon:
Johann Siber, um 1495]

Rar. 5

Blockbuch der deutschen
'Ars moriendi'

Ulm,
[um 1475–80]

Xylogr. 19

Inkunabelausgabe der
deutschen 'Ars moriendi'

Leipzig:
[Konrad Kachelofen,
14]94

4 Inc.c.a. 1082

 

→ weitere Informationen zur 'Ars moriendi' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

13. Totentanz

Der 'Totentanz', von dem erst seit dem 15. Jahrhundert Bild- und Textzeugen überliefert sind, liegt in zwei voneinander unabhängigen Blockbuchausgaben vor, die nur in jeweils einem Exemplar in Heidelberg und München erhalten geblieben sind. Die Bilder zeigen 24 Personen, von denen jede – in hierarchisch absteigender Rangfolge vom Papst bis zum neugeborenen Kind – einen Stand der mittelalterlichen Gesellschaft repräsentiert. Die Menschen werden vom tanzenden Tod, der oft ein Musikinstrument trägt, aus dem Leben gerissen. In Wechselreden mit dem Tod reflektieren die Sterbenden über ihr Leben und beklagen ihr Schicksal.

Ursprünglich enthielt jede Seite des Münchener Blockbuchs ein Bild, unter dem der Text in zwei Spalten angeordnet war. Noch im 15. Jahrhundert schnitt man aber die Bildtafeln aus und klebte jeweils zwei Bilder untereinander auf ein Papierblatt; der deutsche Text wurde auf der gegenüberstehenden Seite in vierzeiligen Strophen handschriftlich eingetragen.

Der 'oberdeutsche vierzeilige Totentanz' ist auch ohne Illustrationen in sechs Handschriften überliefert, eine davon ist Cgm 270. Eine weitere Handschrift, Clm 3941, stammt aus dem Besitz des Augsburger Humanisten Sigismund Gossembrot (1417 bis nach 1488) und enthält eine erweiterte und stark modifizierte Textfassung. Die begleitenden Zeichnungen zeigen jedoch keine Tanzpaare, sondern einen vom Tod angeführten Reigentanz.

bsb00038191_22
bsb00052961_00388
bsb00064971_00039

→ Digitalisat

→ 3D-Version

→ Wasserzeichen

→ Digitalisat

→ Digitalisat

Blockbuch des 'Totentanz' mit
handschriftlichem Text

[Süddeutschland?, um 1455–1465?]

Xylogr. 39

Handschrift mit dem oberdeutschen vierzeiligen Totentanz

[Ostschwaben (Augsburg oder
Landsberg am Lech), um 1464]

Cgm 270

'Vermahnung der geistlichen und
weltlichen Stände Deutschlands'
im 'Liber adversariorum‘ des
Sigismund Gossembrot

[Augsburg, 2. Hälfte 15. Jh.]

Clm 3941

 

→ weitere Informationen zum 'Totentanz' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

14. Der Antichrist und die fünfzehn Zeichen vor dem Jüngsten Gericht

Die ursprünglich separaten Traktate über das Leben und Wirken des Antichrist und über die fünfzehn Zeichen vor dem Weltgericht sind nach dem Vorbild einiger Handschriften in den Drucken des 15. Jahrhunderts zu einem Werk verbunden worden. Das Auftreten des Antichrist  wurde dabei als weiteres Zeichen für den unmittelbar bevorstehenden Jüngsten Tag aufgefasst. Grundlage für die Texte ist die Vorstellung eines Kampfes zwischen Gott und einer gegnerischen Kraft am Beginn der Weltschöpfung und vor dem Weltende, weshalb der Antichrist auch als Endchrist bezeichnet wird.

Der deutsche Bildertext, den die Blockbücher enthalten, stammt von einem unbekannten bayerischen Verfasser und entstand wohl um 1440–50. Drei Blockbuchausgaben sind erhalten. In der ausgestellten jüngsten Ausgabe nennt sich der Drucker 'Hans Briefmaler' und gibt als Ort seiner Tätigkeit Nürnberg an; im Münchener Exemplar sind jedoch Teile des Impressums und die letzte Ziffer des Druckjahrs entfernt, so dass das Blockbuch nur ungefähr auf die Zeit zwischen 1473 und 1479 datiert werden kann. Der erste typographische Druck erschien um 1482.

bsb00038192_39
bsb00009566_00110
bsb00025043_00008

→ Digitalisat

→ 3D-Version

→ Wasserzeichen

→ Digitalisat

→ Digitalisat

Blockbuch des 'Antichrist'
Nürnberg: Hans Briefmaler

[d.i. Hans Sporer], 147?

Xylogr. 2

Handschrift mit dem 'Antichrist'

[Bayern, 3. Viertel 15. Jh.]

Cgm 426

Inkunabelausgabe des 'Antichrist'

[Straßburg: Drucker des Entkrist,
um 1482]

2 Inc.s.a. 83

 

→ weitere Informationen zum 'Antichrist' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

 

15. Apokalypse

Die Offenbarung des Johannes bildet wegen ihres eschatologischen Charakters das letzte Buch des Neuen Testaments. Der Text schildert den endzeitlichen Kampf gegen die antichristlichen Mächte, an dessen Ende sich der göttliche Heilsplan erfüllt.

Die Apokalypse gehört zu den am häufigsten kommentierten biblischen Büchern und ist auch in zahlreichen illuminierten Handschriften überliefert. Auf englische und französische Handschriften aus dem 13. bis 15. Jahrhundert gehen die Blockbücher zurück, bei denen sechs Ausgaben unterschieden werden. Auf den Bildseiten sind meist zwei Darstellungen übereinander angeordnet, die von lateinischen Texttafeln oder Schriftbändern mit Bibelzitaten und Auszügen aus einem Kommentar zur Apokalypse begleitet werden.

Die neunte Inkunabelausgabe der deutschen Bibel, die Anton Koberger 1483 in Nürnberg druckte, enthält die Apokalypse als letztes Buch. Sie ist mit Holzschnitten illustriert, die bereits zuvor in zwei Kölner Ausgaben verwendet wurden und aus dem Bildrepertoire der Blockbücher schöpfen, aber wie manche Handschriften mehrere Ereignisse in einem Bild zusammenfassen. Mit kolorierten Federzeichnungen ist ein Apokalypse-Kommentar der Sammelhandschrift Clm 1222 ausgestattet. Die Aufteilung und Reihenfolge der Bildszenen stimmt weitgehend mit den Blockbüchern überein, jedoch ist hier das enge Text-Bild-Verhältnis aufgegeben. Für die Illustrationen hat man in der Handschrift nur das obere Drittel der Seite benutzt, um darunter Raum für den Kommentar zu schaffen.

bsb00037299_2

 


bsb00025544_01165

→ Digitalisat

→ Wasserzeichen

→ Digitalisat

Blockbuch der Apokalypse

[Niederlande, um 1465–1470]

Xylogr. 5

Handschrift mit einem Kommentar
zur Apokalypse

[Bayern, spätes 15. Jh.]

Clm 1222

Neunte Inkunabelausgabe der
deutschen Bibel

Nürnberg: Anton Koberger,
17. Februar 1483

Rar. 288

 

→ weitere Informationen zur 'Apokalypse' im Projekt "Blockbücher aus bayerischen Sammlungen"

Nach oben

 

 

200_150_Muenchen_BSB 200_150_Muenchen_MDZ